Rechtzeitig vor Beginn des doppelten Kurt-Weill-Jahres 2000, in das der 100. Geburtstag und der 50. Todestag des Komponisten fallen, veröffentlicht auf dem Label RCA Red Seal eine neue Gesamtaufnahme von Weills „“ mit HK Gruber und dem Ensemble Modern. Die Besetzung dieser Oper, die Weill zusammen mit Bertolt Brecht schrieb, läßt aufhorchen: In der Rolle des Mackie Messer glänzt Max Raabe, mit seinem Salonorchester gefeierter Interpret nostalgischen Schlagerrepertoires, als Celia Peachum läuft Nina Hagen zu Bestform auf, und in der Rolle der Hure Jenny brilliert Timna Brauer, die erst kürzlich bei Blue Flame/ARIS das Album „Chansons & Violons“ veröffentlicht hat. Auch Dirigent HK Gruber greift zum Mikrophon und singt – und zwar als Jonathan Jeremiah Peachum, Celia Peachums Vater. Diese Besetzung erscheint prädestiniert, die satirische Ebene der „Dreigroschenoper“ voll auszuspielen, und sie tut es auch.
So wirkt die freche Mischung aus Song, Chanson, Jazz, persiflierter Klassik und Tanzmusik noch ebenso frisch wie bei der Uraufführung 1928 in Berlin. Was damals als provokant ankam, sich im Lauf der Jahrzehnte aber immer mehr zum harmlosen Bestandteil des Standardrepertoires der zeitgenössischen Musik abstumpfte, gewinnt dank dieser Besetzung einen neuen Schliff. Und weil sich Gruber und sein modernes Ensemble bei ihrer Aufnahme an die neue Gesamtausgabe der Werke von Kurt Weill halten, gewinnt diese Doppel-CD zum doppelten Weill-Jahr zusätzlich an Gewicht. Mit dieser Ausgabe darf man schon jetzt auf den Echo Klassik im Jahr 2000 gespannt sein.



