Neugier als kreatives Prinzip

Die wichtigsten Merkmale der Punk-Väter von der Gruppe The Clash waren stets Enthusiasmus und Experimentierfreude. Mit seinen Mescaleros greift Sänger Joe Strummer nun auf diese bewährten Eigenschaften zurück.

“Zwischen 1977 und 1982 passierte eine Menge für uns, wir waren am rechten Ort zur rechten Zeit, wie das Klischee so sagt. Unsere Karriere wurde in fünf Jahre gequetscht“, sagt Joe Strummer über seine Zeit mit The Clash, einer der beiden einflußreichsten Punkbands aller Zeiten. Dabei hat der charismatische Wortführer auch nach seiner Zeit mit den Pogo-Heroen etliche andere bemerkenswerte Aktivitäten entfaltet. So tauchte er in Filmen wie „Mystery Train“ von Jim Jarmusch und „I Hired A Contract Killer“ von Aki Kaurismaki auf, er schrieb Soundtracks, gründete die kurzlebige Latino-Rockabilly-Band War und sang und spielte für die Pogues mit seiner typischen „Hundert Prozent sind nicht genug“-Attitüde. Ferner komponierte er Material für das Projekt Big Audio Dynamite des früheren Clash-Gitarristen Mick Jones, für Swing-King Brian Setzer, für den South-Park-„Chef Aid„-Sampler sowie für „Kicks Joy Darkness“, ein Tribute-Album für Jack Kerouac. „Rock Art And The X-Ray Style“ (Mercury Records), das erste Album von Strummers neuer Combo Mescaleros, enthält die gewohnte Vielfalt von Stilelementen. Die rhythmisch eingängigen Songs nehmen verschiedene Färbungen an; mal klingen sie südamerikanisch, mal karibisch, dann wieder hart rockend oder sanft akustisch, elektronisch oder bodenständig handgemacht. Eine besondere Geschichte hat Strummer zu dem Song „Sandpaper Blues“ zu erzählen: „Vor zehn Jahren kam Jason Mayall zu mir, der Sohn von Bluesbreaker John Mayall, dem Entdecker von Eric Clapton und Mick Taylor. Er spielte mir Cumbia-Platten vor, die er aus Kolumbien mitgebracht hatte. Wir hatten tagelange Sessions, Cumbia ist heute meine absolute Lieblingsmusik.“ Bei allem Enthusiasmus für Musik hat Strummers Begeisterung fürs Musikgeschäft eher abgenommen: „Ich habe keine Angst mehr vor einem Flop, ich könnte auch die nächsten 20 Jahre Taxi fahren. Dieses beruhigende Gefühl habe ich mir verdient.‘