Neueste Entwicklungen bei Internet-Audio

Im Ringen der Musikindustrie um den einheitlichen Standard für einen sicheren Vertrieb per Download bilden sich zwei Gruppen. Da von der SDMI vor Mitte 2000 keine Ergebnisse zu erwarten sind, setzen immer mehr Firmen auf MP3 und MS Audio 4.0

Zwar zeigen die großen Tonträgerkonzerne immer noch eine ablehnende Haltung gegenüber dem weitverbreiteten Dateiformat MP3 – nicht zuletzt wegen dem Problem der Kopiersicherheit. Doch die Kooperationen, die in den letzten Tagen bekannt wurden, deuten an, daß sich zumindest ein Teil der Industrie mittelfristig mit dieser Technik anfreunden wird. Die Warner Music Group ließ nach langem Zögern zu, daß Tom Petty sein Album „Echo“ auf der Website MP3.com bewerben darf und verhandelt mit dem umstrittenen Musikdienst über einen Sponsorvertrag für die bevorstehende US-Tour von Alanis Morissette. Inzwischen hat die Sony Corp. angekündigt, mit dem Software-Giganten IBM zusammenzuarbeiten: Die Kopierschutzvorrichtungen beider Unternehmen sollen kompatibel werden.

IBM kooperiert seit kurzem mit der Software-Firma RealNetworks, die mit dem Abspielprogramm Real Player Erfolg hat, und jüngst den MP3-Entwickler Xing Technology für 75 Millionen Dollar aufkaufte. Für welches Format sich Universal und BMG entscheiden, ist noch offen. Doch daß die Joint-Venture-Website GetMusic.com künftig auch Downloads ermöglicht, gilt als wahrscheinlich. Da die Universal-Division DreamWorks kürzlich Repertoire für eine Testreihe des neuen Microsoft-Systems MS Audio 4.0 zur Verfügung stellte, vermuten Insider eine Weichenstellung bei GetMusic.com zugunsten dieser Technik. Gerüchten zufolge will EMI diesem Gemeinschaftsunternehmen bald beitreten. Auch die Labels TVT und Hollywood Records steuerten für MS Audio 4.0 Titel bei.

Doch wo sich Marktführer Microsoft Wettbewerbsvorteile verschaffen will, ist Konkurrent Apple nicht weit: Der Computer- und Software-Hersteller stellte am 21. April sein eigenes System vor: Quick Time 4.0 ist auf die Spezifikationen von MPEG-4 und MP3 zugeschnitten. Und obwohl die Secure Digital Music Initiative (SDMI) an einem gemeinsamen Standard arbeitet, halten es Beobachter für wahrscheinlicher, daß sich die Musikbranche für eines der bestehenden Formate entscheiden wird.