Neue Formate für die deutsche Radiolandschaft

Immer wieder werden Stimmen laut, die die Gleichförmigkeit und Eintönigkeit des Formatradios anprangern. MUSIKWoche fragte deshalb Leute aus der Branche: Wie sähe die programmliche Gestaltung Ihres Hörfunksenders aus, und wie würde er heißen?

Matthias F. Mangold, Pressesprecher bei BMG Ariola München,…

… würde einen traumhaften Sender gründen: „Mein formatfreies Radioprogramm würde von Menschen mit musikalischem Gewissen gemacht, nicht von Marktforschern und Computern. Es wäre charts-unabhängig, gäbe Newcomern eine Chance und hätte volle Bandbreite. Die Moderatoren hätten wirklichen Einfluß auf das, was sie spielen. Die Hörer würden es lieben, weil es abwechslungsreich, informativ und unterhaltsam ist. Nach allem Genannten ergibt sich der Name wie von selbst: Traumradio.“

Bei Oliver von Felbert, Label-Manager Groove Attack,…

…zählt allein die Musik: „S.O.U.L. FM wäre ein Piratensender ohne Playlist und Redaktion. Es gäbe 24 Stunden HipHop, Soul, Funk, Jazz, Reggae, Afrobeat, Latin, House und Drum’n’Bass. DJs wären David Rodigan, Stretch Armstrong, Tony Humphries, Jazzy B, Sly Stone, DSL und ich selbst.“

Marcus Bünte, zuständig für A&R und Promotion beim Wintrup Musikverlag,…

… bringt Qualität in den Äther: „Mein Format wäre ganz klar Quality FM. Frei nach dem Motto,Qualität ist massenkompatibel‘. Ein Sender, bei dem die Redakteure endlich auch wieder das einsetzen dürfen, was ihnen und dem Großteil der musikhörenden und nicht nur -wahrnehmenden Bevölkerung gefällt. Mit Themen wie,Between Us‘, dem neuen Album von Tab Two, würde man dort sicher keine Gewissenskonflikte bei den betreffenden Musikmanagern mehr auslösen.“

Werbefreie Zone bei Jo Heinrich,…

… dem Director der Walt Disney Records Division: „Bei Radi-Jo gäbe es abwechslungsreichen Pop/ Rock, gerne auch Charts, verbunden mit redaktionellen Informationen zur Musik sowie zum aktuellen Tagesgeschehen. Radi-Jo hätte keine Werbung, keine Sender-Jingles, keine moderierenden Pseudokomiker und keine Zuschaueranrufe mit nichtigen Meinungen zu irgendwas.“

Steffi Zoll, beschäftigt in der Abteilung Pop/Rock beim Polydor-Label Bonanza…

… „Mein Sender würde Unquote heißen, um schon mit dem Namen Unabhängigkeit auszudrücken. Musikalisch würde ich eine gelungene Mischung aus Charts und Newcomern mit Potential bieten und Raum lassen für Spezialsendungen, die von wirklichen Cracks der jeweiligen Musikrichtung gestaltet und moderiert würden. Horizonterweiterung in jede Richtung hätte oberste Priorität und wäre der erste Auftrag des Senders.“

Thomas Traber, tätig im Bereich Promotion bei Zyx Music,…

…setzt auf intergalaktischen Rundfunk: „Mein Sender hieße Future Radio Voyager. Zielgruppe: alle Erdlinge, Vulkanier und sonstige intergalaktische Bewohner. Alter: null bis 249 Jahre nach unserer Zeitrechnung. Sendegebiet: unser gesamtes Sonnensystem. Musikformat: Top 100 Star Tracks, von Peter Schillings,Major Tom‘ bis,Captain Future‘, und natürlich auch Verlosungen, zum Beispiel ein Wochenende auf der Mir.“

Interaktion wird bei Markus Linde, Geschäftsführer der Freibank Musikverlage,…

… groß geschrieben: „Ich wünsche mir einen musikdominierten Kultursender mit einer klaren Programmstruktur, profilierten Sendungen und kompetenten Programmachern mit Geschmack und Meinung – im Internet! Per Mausklick Zugriff auf die Programmrichtung meiner Wahl, die Möglichkeit zur interaktiven Teilnahme, zur ergänzenden Information und zur direkten Musikbeschaffung aus dem Netz. Werbung ? Kein Problem.“