Nachgefragt bei Gerd Gebhardt: Quo vadis, Phono-Akademie?

Die Podiumsdiskussion „Jugend und Musik – wer ist zuständig?“ im Berliner Willy-Brandt-Haus traf auf ein geteiltes Echo. Phonoakademie-vorsitzender Gerd Gebhardt äußerte sich gegenüber musikwoche.de über die Schwierigkeiten des deutschen Feuilletons mit dem Thema Popförderung.

MW: Am Vorabend des Echo gab es im Willy-Brandt-Haus eine Veranstaltung anläßlich der Schirmherrschaft des Bundeskulturministers für den John Lennon Talent Award. Bei einer Podiumsdiskussion bekundeten Bundesminister ihren Willen zur Zusammenarbeit mit der Deutschen Phono-Akademie beim Projekt „MachtMehrMusik“. Was bedeutet das für die Zukunft?

Gerd Gebhardt: Wir werden ein Treffen mit Frau Bergmann, der Bundesjugendministerin, haben und weiterhin auch mit Herrn Nida-Rümelin im Gespräch bleiben. Ein Anfang ist gemacht und so wie es aussieht, haben wir möglicherweise mit der Initiative „MachtMehrMusik“ in knapp zwei Jahren mehr erreicht als viele Verbände und Initiativen in all den Jahren vorher, worauf man schon etwas stolz sein darf.

MW: Offensichtlich haben die Medien diese Liaison zwischen Pop und Politik nicht zu würdigen gewußt, im Feuilleton wurde kaum über Inhalte berichtet, es dominierte die saure Häme.

Gerd Gebhardt: Das entspricht vielen Erfahrungen der letzten Jahre in Bezug auf diverse Unternehmungen der Deutschen Phono-Akademie. Unser Engament für die Betroffenen, ob junge Musiker oder die Kinder an den Schulen, wird gern vom deutschen Feuilleton negiert. Wir leiden unter den U-Kultur-Vorurteilen wie auch unter der Unbelehrbarkeit gewisser Kreise, die auch als Fünfzigjährige noch im Namen der „reinen Jugendkultur“ sprechen und sich Urteile anmaßen, die oft jeglicher Recherche entbehren.

MW: Greift die Pro-und-Kontra-Debatte zum Thema „Förderung“ aus der Branche jetzt auf das Feuilleton über?

Gerd Gebhardt: Wir haben da eher das Problem, dass die Musikbranche mit ihren Themen in den Medien viele Ansprechpartner in vielen Ressorts hat, was mit der Situation der Politik absolut vergleichbar ist. Was wir seit Jahren aus der Politik kannten, was sich jetzt aber dort erheblich verbessert, ist in den Medien immer noch das zentrale Problem. Bestimmte Themen werden dort hin- und hergeschoben weil sich keiner zuständig fühlt. Auch auf der Podiumsdiskussion wiesen Herr Nida-Rümelin und Herr Krüger von der Bundeszentrale für Politische Bildung darauf hin, dass innerhalb der Politik ressortübergreifendes Denken und Handeln dringend notwendig sei. Die Politik will jetzt Synergien schaffen, so wie sie im modernen Wirtschaftsleben längst üblich sind, was wir nur unterstützen können.

MW: Was aber läuft denn auf der Medienseite dagegen so anders?

Gerd Gebhardt: Die Ausgrenzung ist dort mitunter sehr stark. In der Berichterstattung setzt sich dieses Denken fort, wo der Wirtschaftsjournalist sich nur für Bilanzen oder Krisen interessiert, der Popjournalist will nichts von Wirtschaft wissen, und beide zusammen schon gar nichts von schulischen Belangen. Der gehobene Kulturjournalist des Feuilletons rümpft dann wiederum beim Thema Popmusik die Nase und so sitzen da alle mit ihren dicken Brettern vor den Köpfen und schreiben oft mit Karacho am Thema vorbei. Am Ende fällt dann ein Thema von höchster Brisanz, welches alle Teile der Bevölkerung interessiert und eine soziale Fehlentwicklung sondergleichen darstellt, einfach unter den Tisch. Immerhin begreifen jetzt aber Politiker, dass unser Engagement für Kinder und Jugendliche und deren Recht auf einen vernünftigen Musikunterricht in der Schule ein wichtiges Thema ist.