MUSIKWoche-Umfrage zum Booklet-Diebstahl

Nie gab es so viele minderjährige Ladendiebe wie heute. Das stellt die polizeiliche Kriminalstatistik für 1998 fest. Auch der CD-Handel kann davon ein Lied singen. MUSIKWoche fragte: Wie geht die Branche mit Diebstählen um?

“Wer sich zur Zeit selbständig machen will, der sollte eine Druckerei für Cover aufmachen“, sagt Jürgen Thiede, Vertriebsleiter Polystar. Er spricht damit ein aktuelles Problem des Handels an: Stahlen Diebe früher ganze CDs, so fehlen in Zeiten der Schulhofpiraterie zahllose Booklets. Für den Händler gleicht dieser Verlust dem Diebstahl der gesamten CD, denn unvollständige Produkte erkennt zum Beispiel PolyStar nicht als Retoure an. Thiede: „Wenn etwas fehlt, schicken wir diese CDs an den Händler zurück und akzeptieren sie auch nicht als,defekt geliefert‘.“ Benedikt Lökes, Senior Product Manager Warner Special Marketing, kennt ebenfalls das Problem der leeren Hüllen: „Bei guten Kunden besteht die Möglichkeit, ein paar Booklets zuzuschicken oder über den Außendienst herauszugeben. Grundsätzlich gilt aber, daß unsere Partner im Handel alles daransetzen sollten, daß die CDs komplett bleiben.“ Das gelingt nicht immer, weiß Jürgen Knoth, geschäftsführender Gesellschafter von KUK Music/Elpi in Witten: „Der Verlust bei der aktuellen,Bravo Hits‘ übertrifft alles bisher Dagewesene. Bei der TV-Ware werden wir reagieren und nur noch kopierte Cover ausstellen.“

Daß gerade die Präsentation von leeren oder nicht mit einem Kunststoff-Sicherungsrahmen, dem sogenannten Safer, versehenen CDs zum Diebstahl verführt, zeigt das Beispiel Münster. Lutz Eilert, Filialleiter Das Ohr, berichtet: „Wir sichern unsere Ware mit Safern. Die Diebstahlstatistik bei uns hat sich weiter verbessert, seit hier im vergangenen Jahr ein Saturn eröffnete, der auf Safer verzichtet.“ Bei Saturn ist sein Bruder Björn Eilert im Yorkcenter als Erstverkäufer angestellt: „Viele CDs, bei denen die Booklets fehlten, mußten wir billig verkaufen. Dabei haben wir einen Ladendetektiv, der die Tonträgerabteilung überwacht.“ Warum Saturn keine Safer einsetzten möchte, präzisiert Marcus Nolte, Regionaleinkäufer für vier Märkte in Baden-Württemberg mit Sitz in Heilbronn: „Wir wollen die Ware nicht vor dem Kunden wegschließen. Jeder soll sich das Cover anschauen und die CD selbst vorspielen können.“ Dennoch sichern immer mehr Händler ihre Ware, wie die Geschäftsentwicklung bei Pataco, Anbieter von Sicherungssystemen und Ladeneinrichtungen aus Oberding, zeigt: Von 1997 auf 1998 haben sich die Geschäftsvorgänge in diesem Bereich beinahe verdoppelt.