ebiz: Sind Sie mit der Entwicklung auf dem MP3-Markt zufrieden?
Lange: Das Thema MP3, also digitale Musik, ist auch in unserem Hause vollkommen unterschätzt worden, mit der bisherigen Entwicklung sind wir mehr als zufrieden. Es ist jedoch klar, daß wir immer noch in 10.000er Stückzahlen rechnen, also kein Vergleich zu den Millionenverkäufen bei Sony.
ebiz: Alle Welt redet von neuen Musikformaten. Wird MP3 bald verdrängt?
Lange: Es wird schwer sein für andere bzw. neue Formate. 90 Prozent der Musikfiles im Netz sind bereits in MP3, damit ist es bereits ein etablierter Standard. Wer macht sich denn jetzt die Mühe, die Stücke in MPEG4 oder ein anderes Format umzuwandeln? Ich glaube, MP3 läßt sich kurzÖ bis mittelfristig nicht ersetzen.
ebiz: Was halten Sie von der Planung eines raupkopiesicheren MP3-Formats?
Lange: Ich sehe Parallelen zur Frühphase des Videomarkts. Zuerst gab esumfangreichen Kopierschutz, heute gibt es die Kassetten an jeder Ecke für wenig Geld ohne Kopierschutz. Wie beim Video müssen sich erst Verhaltensnormen im Umgang mit der neuen Technik entwickeln. Wenn man realistisch ist, weiß man allerdings auch, daß ein Kopierschutz immer geknackt werden kann. Generell unterstützen wir aber alle Initiativen, wie z.B. digitale Wasserzeichen für Musikstücke, die letztendlich erst neue Geschäftsfelder wie Music On Demand ermöglichen.
ebiz: Behindert die rechtliche Situation die Verbreitung?
Lange: In den USA ermittelt das FBI gegen illegale MP3 Sites, in Deutschland versendet der Deutsche Phonoverband Abmahnungen, eine gewisse Regulierung findet also bereits statt. Allerdings hat man den Eindruck, daß von verschiedenen Seiten eine Rechtsunsicherheit gezielt gefördert wird.Diamond hat kein Interesse an einem illegalen MP3-Markt, wir brauchen den Konsens mit der Plattenindustrie. Unser Ziel ist der Massenmarkt, deshalb beteiligen wir uns auch an der Entwicklung digitaler Wasserzeichen.
ebiz: Wie sieht der Musikmarkt der Zukunft aus?
Lange: Die Leute brauchen das Einkaufserlebnis, das Rascheln derVerpackung, den Geruch der neuen CD. Music On Demand wird also nur ergänzend zum bisherigen Angebot existieren. Die Leute haben ein festes Budget im Monat, werden es jedoch zielgerichteter ausgeben können. In naher Zukunft braucht man nicht mehr eine ganze CD zu kaufen, auf der nur zwei, drei Lieder wirklich gut sind, sondern man bezahlt im Internet genau für die Musik, die einem gefällt.
ebiz: Wann wird MP3 den Massenmarkt erobern?
Lange: Es wird noch einige Zeit dauern, bis MP3 dieses Ziel erreicht. Zur Zeit sind es vor allem die Freaks, als nächstes werden die Leute kommen, die ihren PC im Supermarkt kaufen. In der Zukunft werde ich meinen Rio dann auch im Vorbeigehen sozusagen an der Tankstelle aufladen können.
ebiz: Was fehlt zum Durchbruch?
Lange: In Amerika gibt es ausreichend Bandbreite für Downloads, man kann also ohne Probleme 50 MB runterladen. Außerdem gibt es viele Indie-Labels ohne Plattenvertrag. In Deutschland ist der Plattenmarkt sehr stark monopolisiert, und es gibt noch keine ausreichenden Übertragungsraten. Das könnte sich allerdings durch die Einführung von ADSL in diesem Jahr ändern. Solange die Plattenindustrie allerdings nicht aufspringt, wird sich nicht viel ändern. Wir hoffen, daß die Industrie erkennt, daß sich auch im Netz Geld verdienen läßt.
ebiz: Was gibt es in diesem Jahr neues von Diamond?
Lange: Mitte des Jahres bringt die Konkurrenz ihre Player auf den Markt, dann wird auch Diamond etwas Neues zu bieten haben. In den USA ist das MP3-Portal www.rioport.com, das Links zu legalen MP3-Sites bietet, sehr erfolgreich. Es gibt derzeit Überlegungen, auch in Deutschland eine Plattform für MP3 ins Leben zu rufen.






