Musik geht ins Netz, und Midem geht mit

Wie immer spiegelte die internationale Musikmesse an der Côte d’Azur die bunte und aufregende Welt des Musikbusiness in all ihren Facetten wider. Doch klar war auch, wohin die Reise geht: ins Netz.

Business as usual war’s sicher nicht, was den Besucher des Marché International du Disque, de L’Édition Musicale et de la Vidéo Musique (kürzer und prägnanter: Midem) in diesem Jahr erwartete. Zwar fand sich wie immer das ganze Spektrum der Branche in Cannes ein, doch im Vordergrund stand eindeutig das Thema „Musik im Netz“ in all seinen kreativen und merkantilen Ausprägungen. Dies zeigte sich nicht nur am vorgeschalteten Midemnet-Kongress und an den beiden Hauptsponsoren World Online und InterTrust Technologies – viele andere neue Firmen, die Musik, in welcher Form auch immer, übers Netz vertreiben, machten erstmals auf sich aufmerksam. Hierbei wurde auch die zunehmende Differenzierung in den Geschäftsfeldern deutlich: Während sich die einen auf den Erwerb von Rechten konzentrieren, um Musikdateien übers Internet zu vertreiben, bieten andere Firmen Software-Lösungen an, die diese Vertriebsform sicherer gestalten sollen. Im Trend liegen spezialisierte Unternehmen, die für einen bestimmten Bereich des Internets eine maßgeschneiderte Lösung anbieten. MUSIKWoche stellt einige davon vor. Zum Beispiel die deutsche Aktiengesellschaft Hifind systems mit Sitz in Hamburg: Sie löst mit ihren Anwendungen ein klassisches Problem: Ein Benutzer möchte Musik hören oder kaufen, kennt aber den Titel nicht – oder er möchte neue Titel hören. Hifind schafft mit einer grossen Datenbank Abhilfe, die Titel nach musikalischen, emotionalen und thematischen Kriterien sortiert. Firmen, die im Internet mit Musik handeln, können diese Datenbank, die im Jahr 2001 eine Million Titel enthalten soll, nutzen, um Alben und Singles zu verkaufen. Auch die Firma music-licence.com AG mit Sitz in Hamburg will eine Brücke zwischen Repertoire-Anbietern und den Plattenfirmen oder Konsumenten schlagen. Herzstück der Firma ist ebenfalls eine Datenbank, die noch nicht beziehungsweise nur für bestimmte Territorien lizenzierte Tracks enthält. Ohne Umwege sollen so via music-license.com Lizenzgeber und -nehmer zusammenkommen. Die italienische Firma Vitaminic setzt dagegen auf eine länderübergreifende Community. Auf den Sites des Unternehmens (zum Beispiel www.vitaminic.de) sollen sich musikbegeisterte Internet-Nutzer mittels Chat und Forum kennenlernen und miteinander kommunizieren. Diese Zielgruppe bedient Vitaminic wiederum maßgeschneidert mit kostenpflichtigen MP3-Files. Vitaminic hat mittlerweile Büros in Italien, Deutschland, England, Frankreich, Holland und Schweden. Eine ganz andere Art von Dienstleistung offeriert schließlich das Unternehmen Globalfulfillment.com. Das weltweit operierende Unternehmen bietet kleinen und mittelständischen CD-Händlern eine schlüsselfertige Shop-Lösung an: Von der Einbettung einer E-Commerce-Einheit in bestehende Internet-Sites bis zur Abwicklung der Bestellung der CDs – inklusive Versand – übernimmt die Firma alle Bereiche des CD-Handels.