Zum Jubiläum hatte sich der idkv – Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft e.V. eine neue Form für sein zentrales Treffen gegeben: Erstmals wurde die eigentliche Mitgliederversammlung durch ein informatives Branchenmeeting ergänzt, bei dem die rund 100 Teilnehmer sich in Vorträgen, Diskussionen und Themengesprächen über aktuelle Fragen und Entwicklungen ihrer Branche informieren und austauschen konnten.
Wie Präsident und Geschäftsführer Jens Michow in seiner kurzen Begrüßungsansprache betonte, soll dieser neue Teil der Veranstaltung künftig nicht nur beibehalten, sondern noch ausgebaut werden. Das gelte auch für die kleine Ausstellung im Foyer des Tagungshotels, bei der einige Dienstleister der Branche, darunter auch der Entertainment Media Verlag, den idkv-Mitgliedern ihre Produkte vorstellten.
Michow konnte in seinem Grußwort zudem auf stetiges Wachstum bei den Mitgliederzahlen verweisen. Um Zahlen ging es auch im ersten Gastvortrag: Joachim Tresp, ehemaliger Mitarbeiter der Gesellschaft für Konsumforschung, erläuterte nicht nur die Ergebnisse aus einer Studie zum Verhalten von Konzert und Veranstaltungsbesuchern sondern auch allgemeine Daten über die demographische Struktur der bundesrepublikanischen Bevölkerung und deren Budget für den privaten Verbrauch.
Tresp wies darauf hin, dass sich die Altersstruktur der deutschen Wohnbevölkerung verändere: Es gebe immer weniger Junge und junge Erwachsene, dafür würden die mittleren Jahrgänge und die Gruppe der „Jungen Alten“ zwischen 50 und 65 Jahren größer. Darauf müsse sich das Veranstaltungsangebot auch bezüglich der nachgefragten Musikrichtungen einstellen. Das frei verfügbare Einkommen der Bundesbürger steige wieder und werde von diesen eher in den Dienstleistungsbereich als im Einzelhandel investiert. Das hänge auch, so Tresp, „mit der Entwicklung zur Spaß- und Erlebnisgesellschaft“ zusammen.
Die Verfügbarkeit von Online-Diensten steige derzeit steil an, weshalb das Phänomen des Homeshopping im Laufe des Jahres 2000 „eine Riesendynamik bekommen“ habe. An den in Deutschland über das Internet verkauften Waren hätten Konzertkarten bereits einen Anteil von zwölf Prozent und die Prognosen für dieses Geschäft seien weiter positiv. „Es passiert hier einfach ein neuer Vertriebsweg für Konzertkarten!“ Martin Marks von der Firma Microsoft surfte in seinem Vortrag mit den Teilnehmern durch eine Reihe von Entertainment-Angeboten im Internet und stellte ihnen dabei Kriterien zur Bewertung der einzelnen Sites vor.
Annäherung zwischen idkv und VDKD
In der Person von Klaus Boenisch konnte der idkv erstmals auch einen offiziellen Besucher des VDKD – Verband Deutscher Konzertdirektionen begrüßen. In einem Podiumsgespräch zwischen Boenisch, Jens Michow und idkv-Vorstandsmitglied Dieter Weidenfeld kam der Wunsch beider Verbände nach einer künftig noch engeren Zusammenarbeit zum Ausdruck.
Boenisch regte dabei die Bildung eines Exekutivkomitees aus den Vorständen von idkv und VDKD an. Michow wies darauf hin, dass beide Verbände jeweils etwa 250 Mitglieder repräsentierten, die zusammen rund 5 Milliarden Mark Umsatz erwirtschaften. Er halte es langfristig für wünschenswert, „nicht mehr mit zwei getrennten Verbandstöpfen und zwei getrennten Infrastrukturen das gleiche zu tun.“
Peter Jenner, ehemaliger Manager von Pink Floyd und Vorstandsmitglied des British Music Managers Forum betonte in einem philosophisch angehauchten Podiumsdialog mit Vorstandsmitglied Michael Bisping, die Hauptsorge eines Managers habe „dem langfristigen Wohl seines Künstlers“ zu gelten. Nach Jenners Auftritt teilte sich die Versammlung in vier Arbeitsgruppen, die Fragen von Sponsoring und Medien-Präsentation, Tendenzen bei Marketing und Promotion, Erfahrungen mit den Neuen Medien und Grundlagen der Branche erörterten.
Zu Beginn des zweiten Veranstaltungstages erläuterte Jens Michow den Verbandsmitgliedern Fragen zur Wahl der für sie richtigen Umsatzsteuersätze und zur Novellierung des Künstlersozialversicherungsgesetzes, bevor Thomas Schierbecker von der Handelskammer Hamburg über die Fortschritte im gemeinsamen Bemühen seiner Organisation und des idkv um die Schaffung des neuen Berufsbildes „Veranstaltungskaufmann“ referierte. Der entsprechende Ausbildungsrahmenplan für das Berufsbild wird derzeit von einem Sachverständigenrat erarbeitet. Geplanter Ausbildungsbeginn ist der 1. August 2001.
wer das Veranstaltungsgeschäft…
professionell betreibt, ist selbstredend auch in der Lage, das Verbandstreffen seiner Branche gut zu organisieren. Dennoch bleibt die neue Form, die sich der idkv – Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft e.V., anlässlich des 15jährigen Verbandsjubiläums für sein Treffen gegeben hat, bemerkenswert: Nicht so sehr, weil die Teilnehmer offenkundig auch am geselligen Teil, unter anderem mit einem gemeinsamen Besuch des Musicals „Buddy“, ihren Gefallen fanden. Sondern weil die neue Form, die die bisherige klassische Mitgliederversammlung zu einem Kongress-artigen Branchenmeeting mit Podiumsdiskussionen, Vorträgen und einer kleinen Dienstleister-Messe erweitert, gleich zweierlei leistet: Der Informationswert für die Mitglieder wächst durch die Beiträge der Gastreferenten aus anderen Bereichen, gleichzeitig lässt sich so effektive Öffentlichkeitsarbeit betreiben, wie sich vor allem beim letzten Programmpunkt des zweitägigen Meetings, der prominent besetzten Podiumsdiskussion über die Konzentrationsprozesse der Branche zeigte: Sie lockte nicht nur die Fachpresse, sondern auch Organe der Publikumsmedien an.






