Medienhändler schreibt rote Zahlen: Libro prüft Engagement in Deutschland

Der Medienhändler Libro verzeichnet einen Ergebniseinbruch: Das noch ungeprüfte EBITDA-Ergebnis sank auf Minus 16,7 Millionen Euro. Die Expansionpläne in Deutschland liegen auf Eis, die bestehenden Filialen stehen zur Disposition. Zudem ordnete Konzernchef André M. Rettberg die Geschäftsführung für Deutschland neu.

Die österreichische Handelsgruppe gab am 27. April ein vorläufiges Konzernergebnis bekannt: Demnach stiegen die Umsätze um 16 Prozent auf rund 397 Millionen Euro. Allerdings brach das Ergebnis ein: Aus einem Plus im Vorjahr in Höhe von 6,5 Millionen Euro wurde ein Minus von 16,7 Millionen Euro (EBITDA). „Hauptgrund für die negative Ergebnissituation waren hoch gesteckte Ziele, deren Umsetzung wir unter geänderten Rahmen- und Marktbedingungen nicht realisieren konnten“, erklärte Vorstandsvorsitzender Rettberg.

Vor allem in Deutschland, wo Libro derzeit 20 Filialen unter eigenem Logo oder unter dem Namen Boulevard betreibt, verfehlte der Konzern die Ziele. Laut Libro entwickelte sich das Geschäft hier aufgrund einer falschen Martkeinschätzung weit unter den Erwartungen. Als Konsequenz fror Rettberg zunächst die Expansionspläne in Deutschland ein und will zudem die bestehenden Filialen kritisch überprüfen.

Das österreichische Magazin „Profil“ rechnet mit einer deutlichen Verkleinerung des Deutschlandgeschäfts. Auch die Libro-Aktie steht unter Druck. Das 1999 zu einem Kurs von 29 Euro ausgegebene Papier sank bis auf ein Jahrestief von 5,70 Euro. Deshalb plant Rettberg mit einem bereits vom Aufsichtsrat genehmigten Konzept eine Neustrukturierung. Dazu zählen auch personelle Veränderungen.

So übernahm der bisherige Finanzvorstand, Johann Knöbl, zusammen mit dem bislang für die europäische Expansion zuständigen Karl Kronsteiner die Geschäftsführung von Libro Deutschland. Die vorherige Geschäftsführerin für diesen Bereich, Barbara Ammann, räumte bereits Ende März ihren Platz. Knöbl wurde als Finanzvorstand des Konzerns von Werner Steinbauer abgelöst. Während Steinbauer die Neuorganisation des Konzerns übernimmt, soll sich Rettberg künftig auf den stationären Handel konzentrieren.