Media Control läßt chartradio.de vom Stapel

Die Spitzen der deutschen Tonträgerindustrie und zahlreiche Medienvertreter wohnten am 13. Dezember dem Start eines neuen Internet-Radios bei.

Das Internet boomt, E-Commerce ist eine anerkannte Zauberformel für steigenden Reichtum und stetes Glück; immer mehr Webradios liefern Hintergrundmusik für die rasant expandierenden Tummelplätze der Surfer. Das Angebot dieser Webradios ist oft skurril bis stark vom Nischencharakter geprägt. Darauf wies auch Karlheinz Kögel, „der Herr der Zahlen“ (so das Magazin „w&v“) und Chef von Media Control, in seiner Begrüßungsrede hin. In seiner neuen Eigenschaft als Aufsichtsratsvorsitzender der Chart-Radio AG will Kögel endlich klare Verhältnisse schaffen – und deshalb hat er Chart-Radio ins Leben gerufen. Zusammen mit Ulrike Altig, Vorstandsvorsitzende Chart-Radio AG, und dem jungen Team unter der Projektleiterin Gudrun Gehl und dem Programmchef Thomas Müller, bislang Musikredakteur beim Bayerischen Rundfunk, präsentierte Kögel im alten E-Werk zu Baden-Baden sein neuestes Projekt, das er innerhalb von nur sechs Monaten bis zur Serienreife entwickeln ließ und das im Netz unter www.chartradio.de zu finden ist. Rund um die Uhr soll Chart-Radio den Surfer mit Musik versorgen, wobei sich der Tagesablauf in verschiedene Programmblocks aufteilt. So gibt es unter dem Titel „Balsam“ von 21 bis 24 Uhr „entspannte Sounds“; von 16 bis 17 Uhr liefert „Gipfelstürmer – die Chartshow“ die jeweils aktuellen Hits. Und täglich von 13 bis 14 Uhr läuft ein „Feldversuch – die Neuheitenshow“, worüber sich, so Kögel, vor allem auch die Plattenfirmen freuen dürfen, die doch immer darüber klagen, daß die herkömmlichen Radiosender zu wenig Neuheiten spielen. Hier könnte sich in der Tat ein interessantes Instrument für die Firmen auftun: Denn Chart-Radio spielt die Neuheiten nicht nur, sondern will von den Hörern auch Feedback in Form einer Beurteilung des jeweiligen Titels. Überhaupt sind die Nutzer gefragt. Denn der alte Radiomann Kögel, der in den 70er Jahren beim Südwestfunk arbeitete, betont: „Chart-Radio ist kostenlos.“ Man wolle von den Nutzern lediglich einige persönliche Daten. Neben dem Live-Programm kann sich der Besucher der Site auch eine individuelle Playlist zusammenstellen, wobei er die Wahl aus zwölf stilistischen Kategorien hat, und er kann die Top 100 der deutschen Charts jeden Freitag ab zwölf Uhr genießen. Und wie finanziert sich das Ganze? Sicher nicht über die Banner-Werbung des Live-Radios. Demnächst vielleicht über den Verkauf von CDs, die per Warenkorb von Amazon geliefert werden. Und als weitere Ausbaustufe soll Music on Demand kommen, wobei Kögel betonte, daß schon jetzt unautorisiertes Downloaden „absolut unmöglich“ sei. Auch die anwesenden Spitzenvertreter der Tonträgerfirmen – unter ihnen Wolf-D. Gramatke und Tim Renner (Universal), Jochen Leuschner (Sony Music), Bernd Dopp (WEA), Udo Lange (Virgin), Jens Geisemeyer (edel) und Peter Zombik von Bundesverband Phono – zeigten sich beeindruckt, was Thomas M. Stein (BMG Entertainment) als Vorsitzender des Bundesverbands Phono in seiner Begrüßung ausdrückte. Jetzt aber dürften die Tonträgerfirmen gefordert sein, um mit Chart-Radio die Rahmenbedingungen für das Senden ihrer Musik zu definieren. Über „die Internetstrategie der Plattenindustrie für das Jahr 2000“, wie es Media Control in der Einladung formuliert hatte, wurde jedenfalls bei dieser Gelegenheit nicht Auskunft gegeben.