Katalogmarketing bei Universal

Eigene Wege geht der Hamburger Universal-Konzern bei der Vermarktung seines Backkatalogs. Dabei gewinnt auch das Thema DVD an Bedeutung.

“Wir machen konzentriert für alle Universal-Label als Dienstleister die Katalogauswertung“, sagt Nathalie Heinrich, General Manager Catalogue Marketing, im Gespräch mit MusikWoche. „Wir machen alles, von High-Price über Budget bis hin zu Import und Special Project.“ Dabei sind dem Katalogmarketing auch die Unterabteilungen Import (UMIS) und der Bereich Special Projects angegliedert, wo kundenindividuelle Projekte beispielsweise für Großabnehmer wie Media Markt oder Aldi erarbeitet werden.

Der wesentliche Unterschied zu den meisten anderen Major-Companies bestehe darin, dass ihre Abteilung „den Umsatz, den wir hier machen, direkt wieder an die Labels zurück reicht, wodurch die uns natürlich extrem unterstützen“, erklärt Heinrich. „Die sind natürlich daran interessiert, dass wir einen guten Job leisten, damit sie auch einen besseren Umsatz machen.“ Dadurch sei die Kooperation mit den Universal-Labels sehr gut, würden spezielle Projekte in enger Kooperation realisiert und Konkurrenzdenken der einzelnen Firmeneinheiten verhindert. Als Beispiel nennt Heinrich die mit dem entsprechend betitelten Promo-Sampler bestückte Kampagne „Kings Of HipHop“, zu der alle Labels von Polydor bis Motor beigetragen hätten.

Abgesehen vom finanziellen und künstlerischen Synergieeffekt habe diese Arbeitsteilung auch den Vorteil, dass die Product Manager der jeweiligen Labels von der Erarbeitung und Umsetzung von Marketingkonzepten entlastet würden und sich um ihre eigentliche Aufgabe A&R kümmern könnten. Die Promotion für derlei Produkte würde dann vielfach von den jeweiligen Labels übernommen, da die Katalogabteilung keine eigenen Promotionkräfte habe, auch wenn sich die jeweiligen Produktmanager durchaus direkt um wichtige Medien-Ansprechpartner kümmerten.

Dies sei zum Beispiel im vergangenen Jahr bei der aufwändigen Box zum 30. Todestag von Jimi Hendrix erfolgreich praktiziert worden. Die Resultate hätten alle Erwartungen deutlich übertroffen, so Heinrich. Statt der erwarteten circa 4.000 Exemplare des teuren Produkts sei eine fünfstellige Zahl abgesetzt worden, und das Geschäft damit laufe immer noch gut.

Auch Gunther Buskies, Produktmanager bei Polymedia, lobt die Zusammenarbeit bei Universal. „Wir sehen uns dabei auch als Impulsgeber, beispielsweise bei der jüngsten ‚Ultimate Collection‘ von Chris de Burgh, die wir mit dem Label Motor und mit der Unterstützung des Managements und des Künstlers exklusiv für Deutschland gemacht haben.“

Ähnlich sei es mit André Rieu gelaufen, wo anlässlich der Veröffentlichung des neuen Albums aktiv für den Backkatalog des Künstlers geworben worden sei. Ein hilfreiches Tool sei dabei neben den traditionellen Werbemaßnahmen wie Anzeigen oder TV-Spots das sogenannte Fan-Mailing. Dabei würden einige Wochen vor Veröffentlichung die von der hauseigenen Marktforschung bei Verlosungsaktionen, Wettbewerben oder mit Hilfe von Fan-Clubs gesammelten Adressen potenzieller Käufer angeschrieben und darauf aufmerksam gemacht, dass neben der neuen Platte auch zahlreiche ältere Platten erhältlich seien.

DVD gewinnt an Bedeutung

„Unser Aufgabenfeld ist riesengroß“, ergänzt Philippe König, Junior Produktmanager Polymedia, da es von eigenen Künstlern wie James Last, Peter Alexander, Freddy Quinn oder Caterina Valente bis zu internationalen Größen wie Tom Petty oder den Bee Gees reiche. „Im Grunde kann man davon ausgehen, dass wir einen Künstler anpacken, wenn irgendein wichtiger Event ins Haus steht oder ein neues Album herauskommt“, sagt König. So werde die Veröffentlichung des neuen Albums der Bee Gees im April mit einer Backkatalog-Kampagne begleitet.

Ein weiterer Schwerpunkt wird nach der jüngsten Veröffentlichung der Tom Petty-„Anthology“ und der Neuauflage von Peter Framptons Jahrhundert-Album „Comes Alive“ mit unveröffentlichten Bonustracks zum 25-jährigen Jubiläum die Wiederveröffentlichung der Bob Marley-Alben zu seinem 20. Todestages im April sein, kündigt König an. Dazu werde es eine neue, TV-beworbene „Best Of“-CD geben, auf der auch ein bislang unveröffentlichtes Stück enthalten ist.

Auch das Medium DVD gewinne laut Heinrich und König größere Bedeutung im Universal-Katalog. So wird es in den nächsten Wochen und Monaten DVDs von Tom Petty, Jimi Hendrix (nach „Woodstock“ und „Live At The Fillmore East“ kommt jetzt seine Lebensgeschichte mit dem Titel „Experience“) sowie die drei Soundtracks von The Who („The Kids Are Alright“, „Tommy“ und „Quadrophenia“) geben.

Im CD-Sektor stehen darüber hinaus remasterte Limited Editions von drei weiteren Cat Stevens-Alben, von Aerosmith und Marvin Gaye ins Haus. Hinzu kommen aus dem Bereich von Gunther Buskies bei Universal Catalogue auch drei deutsche Acts: Es gibt limitierte Digipak-„Best Of“-Ausgaben von Phillip Boa, Jeremy Days und Camouflage, die jeweils mit einer eigens gefertigten DVD ergänzt und in einer Kooperation mit VH-1 beworben werden.