mw: Sie suchen Popstars für ein Benefiz-Fussballspiel, aber eines in größeren Dimensionen als wir sie hierzulande bisher kannten.
Klinsmann: Angefangen hat alles bei einem Trainerlehrgang, an dem im vergangenen Jahr diverse Mitglieder der Weltmeistermannschaft von 1990 und des Europameister-Teams von 1996 teilgenommen haben. Zum Ende dieses Lehrgangs haben wir uns entschlossen, im deutschen Fußball etwas zu bewegen, vor allem im Nachwuchsbereich Projekte zu entwickeln. Wir haben eine Stiftung gegründet, um diese Initiative auf feste Füße zu stellen. Niemand aus der Gruppe der Gründer verfolgt persönliche Interessen bei dieser Aktion.
mw: Wie heißt diese Stiftung? Ist ihr Hauptzweck also, das Nachwuchsproblem des DFB zu lösen?
Klinsmann: Sie heißt „Stiftung Fußballforschung“ und ihr Anliegen ist es, im Fußball und seinem Umfeld Dinge zu vermitteln, die die meisten sonst nicht aus erster Hand erfahren können – das geht auch in den erzieherischen Bereich hinein. Wir haben ein Team aus acht Dozenten dahinterstehen, Professoren, die über ein unglaubliches Wissen verfügen, und dazu kommt natürlich die praktische internationale Erfahrung, die wir Spieler einbringen.
mw: Was sollen diese Dozenten genau vermitteln?
Klinsmann: Im Trainingsbereich die besten Methoden, die es weltweit derzeit gibt, aber auch Themen aus Sportmedizin und Sportpsychologie, Ernährung usw. Sie sollen daraus einen Leitfaden für Spieler, Trainer, Eltern und Lehrer erarbeiten, der diesen über ein eigens entwickeltes Internetportal zugänglich gemacht wird. Wir haben da mehrere Projekte gleichzeitig vor, eines davon ist dieses Fußball-Internetportal, das wir Anfang August launchen werden. Durch unser Netzwerk, das wir als ehemalige Spitzenspieler haben, können wir überall in der Welt Topleute ansprechen, die dafür Beiträge liefern. Dazu soll es Veranstaltungen geben, bei denen wir teils auf die DFB-Infrastruktur, teils auf externe Partner zurückgreifen können.
mw: Die Stoßrichtung ist aber nicht nur der Nachwuchs für den Leistungssport im DFB, sondern auch der Breitensport außerhalb der Vereine?
Klinsmann: Wir wollen generell die fußballinteressierte Öffentlichkeit ansprechen, eben auch Eltern und Lehrer, damit sie die Kids wieder motivieren zu spielen, raus auf den Bolzplatz zu gehen. Wir wollen eine zeitgemäße Verbindung zwischen dem Breiten- und dem Spitzensport aufbauen. Das Internetportal wird „fußballD21“ heißen, das „D21“ steht dabei für „Deutschland 21. Jahrhundert“, als Partner sind die Bundesregierung und die Initiative „D21“, ein Zusammenschluss aus Wirtschaft und Politik, und natürlich auch der DFB dabei.
mw: Kommen wir zurück auf das Benefiz-Spiel. Welchen Zweck soll es erfüllen?
„Ramazzotti & Co. als Vorbilder“
Klinsmann: Dieses Benefizspiel, das wir alljährlich austragen wollen, soll vor allem helfen, unsere Messages zu transportieren. Es soll beitragen, dem Fußball ein anderes Bild zu geben, hin zu mehr Spaß und Freude, weg von der Fixierung auf Sieg und Erfolg. Ein Unterhaltungs-Event, der daran erinnert, was Fußball alles sein und vermitteln kann: ein soziales Auffangbecken, eine Quelle von Freude, ein Mittel zur Identifikation. Fußball hat noch ganz andere Werte, als die, die im Zusammenhang mit der Berichterstattung über den Profi-Spitzenfußball über die Medien so rüberkommen.
mw: Woher stammt die Idee, Künstler in dieses Spiel mit einzubeziehen?
Klinsmann: Als wir (Jürgen Kohler, Stefan Reuter, Andreas Brehme und ich) vor zehn Jahren in Italien unter Vertrag standen, haben wir gesehen, wie dort Eros Ramazzotti und Kollegen solche Spiele ausgetragen haben. Das nannte sich die „Sänger-Nationalmannschaft“ und die haben dann auf lokaler Ebene gegen Teams aus Politikern oder ehemaligen Fußballstars gekickt, in ausverkauften Stadien so in der Größenordnung von 30.000 Plätzen. Das wurde dann live im italienischen Staatsfernsehen RAI übertragen und kam guten Zwecken zugute. Und das ist quasi die Blaupause für das, was wir vorhaben.
mw: Gibt es Wunschteilnehmer dafür? Wer soll da eigentlich gegen wen spielen? Spielen die Popstars in einer Mannschaft und die Fußball-Altmeister in der anderen? Da werden die Musiker doch überrannt?
Klinsmann: Vielleicht mischen wir. Da haben dann halt die Musiker die Chance, mal in einer Mannschaft mit den Weltmeistern von 1990 und den Europameistern von 1996 zu kicken. Das hängt auch von der Resonanz ab, die wir aus dem Bereich der Künstler bekommen.
mw: Wie fit müssen denn die Musiker sein, die da teilnehmen sollen?
Klinsmann: Überhaupt nicht. Wichtig ist, dass jeder ein Lachen im Gesicht mitbringt. Und wenn dann einer öfter über den Ball tritt, dann stört das bestimmt niemanden. Wir wollen einfach Spaß miteinander haben.
mw: Was soll drumherum stattfinden? Ist auch an eine TV-Ausstrahlung gedacht?
Klinsmann: Ja, das Fernsehen soll mit dabei sein. Wir denken auch an ein kleines Kinderturnier, Internetschulungen für die Kids anhand unseres Portals, Auftrittsmöglichkeiten für Bands – das Rahmenprogramm soll schon außergewöhnlich sein.
mw: Wann und wo soll das Ganze stattfinden?
Klinsmann: Erstmals am 2. September 2001 im Erlebnispark Dreisamstadion des SC Freiburg, ab 2002 dann immer im Anschluss an die Bundesligasaison, möglicherweise am Pfingstmontag.
mw: An wen sollen sich interessierte Künstler wenden?
Klinsmann: An Götz Elbertzhagen, der mir in dieser Sache weiterhilft und die entsprechenden Anfragen an mich weiterleiten wird, am besten per E-Mail unter [mailto:[email protected]@@@[email protected]]
zur person Jürgen Klinsmann Geboren am 30. Juli 1964 in Göppingen Jürgen Klinsmann begann seine Laufbahn als Fußballprofi 1982 bei den Stuttgarter Kickers, bevor er 1984 zum größeren Lokalrivalen VfB Stuttgart wechselte. Es folgten weitere Engagements bei Inter Mailand, AS Monaco, Tottenham Hotspur, Bayern München und Sampdoria Genua. Klinsmann errang im Laufe seiner Spielerkarriere zahlreiche Titel. So wurde er mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft 1990 Weltmeister und 1996 Europameister. Er gewann 1991 mit Inter Mailand und 1996 mit Bayern München den UEFA-Cup, und wurde 1997 mit Bayern München Deutscher Meister. 1988 und 1994 wurde der Stürmer zum Fußballer des Jahres in Deutschland gewählt, die gleiche Ehre wurde ihm nochmals 1995 in England zuteil. Nach der Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich beendete Klinsmann seine aktive Laufbahn. Er lebt heute mit seiner Frau Debbie und dem gemeinsamen Sohn Jonathan im kalifornischen Los Angeles.






