Jörg Hellwig, Managing Director Polydor: „Wir drehen nicht durch‘

Die Pop-Formation No Angels steht derzeit in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowohl in den Alben- und Singles- als auch in den Airplay-Charts auf Platz eins. musikwoche.de fragte -Geschäftsführer , wie die Plattenfirma die Band auf Dauer etablieren will.

musikwoche.de: Wie fühlt man sich mit einer Neunfach-Eins im Rücken?

Jörg Hellwig: Sehr gut. Das Erfreulichste ist, dass wir mit einem lokalen Produkt an der Spitze stehen. Wir drehen allerdings nicht durch und trinken nur noch Champagner.

mw: Wieviele Singles wurden bisher verkauft?

Hellwig: steuert auf eine Million verkaufter Einheiten zu, das Album hat bereits Platin und Gold. Wir werden uns noch einige Zeit in den oberen Regionen der Charts halten.

mw: Stürmten Sie zum ersten Mal mit einem lokalen Act beide Charts?

Hellwig: Nein, fast genau vor fünf Jahren lag Fools Garden mit Single und Album auf eins. Damals war ich VP A&R Marketing bei .

mw: Welche Rolle spielten der Fernsehsender beziehungsweise die Sendung „popstars“ in der Erfolgsgeschichte, welche Polydor?

Hellwig: Das lässt sich nicht eindeutig differenzieren. Tatsache ist, dass der gleiche Titel, von einer anderen Künstlerin gesungen, floppte. Wir waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort, alle Komponenten passten zusammen. Natürlich hat RTL II einen erheblichen Anteil am Erfolg.

mw: Wie lange hätte es ohne TV-Unterstützung gedauert?

Hellwig: Ganz ehrlich, ohne Fernsehen wäre das in dieser Form nicht möglich gewesen. Die Castings für die Sendung waren sehr aufwendig und hatten großen Anteil am Erfolg. Andererseits muss man so ein Konzept mit Leben füllen. Wir haben einen guten A&R- und Marketing-Job gemacht.

mw: Was plant Polydor noch für die No Angels?

Hellwig: Seit fünf Wochen muss die Formation ohne die Sendung „Popstars“ auskommen. Derzeit trainieren die Mädchen für mehrere Live-Auftritte. Am 30. April erscheint die zweite Single „Rivers Of Joy“. Wir hoffen, den Act dauerhaft zu etablieren.

mw: Gibt es eine zweite Runde „Popstars“?

Hellwig: Zweimal das Gleiche zu machen, wird nicht funktionieren. Für ein neues Konzept werden wir uns bemühen, wieder den Zuschlag zu bekommen.

mw: Sind TV-Formate die Rettung für die Musikbranche?

Hellwig: In einer sich ändernden Medienwelt muss man die Optionen nutzen, die sich bieten. Unser Heil liegt aber nicht nur im Marketing und in Kooperationen. Die musikalische Kompetenz bleibt wichtig.