80 der 88 Stücke liegen, so Kellersmann, erstmals auf CD vor. Der Musikhistoriker und Sammler Marko Paysan trug die oft nur schwer zugänglichen Originalaufnahmen zusammen. „Es wird den einen oder anderen überraschen, daß während der Nazi-Diktatur mit deutschen und ausländischen Orchestern Aufnahmen veröffentlicht und produziert wurden, von denen man annehmen würde, daß sie verboten wurden“, sagt Christian Kellersmann. Entgegen der landläufigen Ansicht, nach der Berliner Olympiade von 1936 habe die Zensur jegliche swingende Aufnahmen unterdrückt, enthält die Sammlung eine Reihe von Titeln, die eher auf eine Hochphase von 1940 bis 1942 hinweisen, in der weitaus stärker als zu Beginn der Diktatur gejazzt wurde. Auch die Unterhaltungsmusik der 30er und 40er Jahre sei „musikalisch interessant“, betont Christian Kellersmann. Sie sei „ein Teil der deutschen Populärkultur.“ Dabei verdeutliche die Sammlung, „daß die Nazis eine ambivalente Haltung zur Populärmusik hatten.“ Die Biographien im Booklet weisen indes darauf hin, wie manche Musiker – darunter Kurt Widman, Fud Candrix, Theo Mackeben, Erhard Bauschke und Marlene Dietrich – gegenüber der Zensur lavierten. „Seit acht Jahren steht das Projekt auf meinem Zettel“, sagt Christian Kellersmann. Er ist für das Thema kompetent, denn er schrieb seine musikhistorische Examensarbeit über den „Jazz in Deutschland 1933 bis 1945“. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür“, sagt er. „Denn Swing liegt im Zeitgeist, und auch Berlin als Stadt ist trendy. Außerdem haben wir eine gewisse Nostalgie-Welle, wie wir an Joseph Vilsmeiers Film über die Comedian Harmonists und an seinem für Frühjahr 2000 erwarteten Portrait von Marlene Dietrich sehen können.“ Vor allem eine Kooperations-Aktion mit der Zeitschrift „Hör Zu“ und die Erwähnung in Sammelanzeigen werben für die Box. Eine Midprice-CD mit einer Auswahl einzelner Titel ist für den internationalen Markt bestimmt, soll aber auch in Deutschland auf die Swing-Konfektion aufmerksam machen. Weil Universal „die erste Box herausbringt, die diese Zeit gebührend würdigt“, hofft Kellersmann zudem auf eine rege Presseresonanz. Der Vorverkauf hat bereits begonnen; die Veröffentlichung ist dann für den 9. November vorgesehen.
Jazz unter der Diktatur
„Irre viel seltene Sachen“ verspricht Christian Kellersmann, Jazz-Manager bei Universal Classics, Jazz & Family Entertainment, als Inhalt der Box „Swinging Ballroom Berlin“, die vier CDs umfaßt.





