Jahrestagung des GDM diskutiert Probleme des Handels

Aktuelle Probleme des Handels standen im Mittelpunkt des Tätigkeitsberichts von Bodo Bochnig, dem Vorsitzenden des Fachverbands Tonträger im Gesamtverband Deutscher Musikfachgeschäfte (GDM), auf der Jahrestagung in Feldafing am Starnberger See.

„1998 war ein Jahr, das bei vielen Kollegen nicht sehr erfreulich verlief“, sagte Bodo Bochnig zu Beginn der Tagung. Im laufenden Jahr haben nach seinen Informationen die Umsätze bei zahlreichen Händlern erst stagniert und seien „dann abgesackt“. Er berichtete, daß auch die großen Handelsketten Unzufriedenheit über den Geschäftsverlauf im Bereich der Tonträger äußern: „Es ist durchaus möglich, daß sich die eine oder andere Kette aus diesem Markt zurückzieht, auf den sie sich gestürzt hat, als er noch Wachstum versprach.“ Bochnig appellierte an die Musikindustrie, sich Gedanken zu machen, wie der Tonträgermarkt auch in Zukunft funktionieren könne. Den Turnus von maximal vier Wochen, der neuen Künstlern zur Entwicklung gelassen werde, nannte er „grundfalsch“. Die DVD bezeichnete der GDM-Chef in diesem Zusammenhang als einen „Zukunftsmarkt“, auch wenn er eine Verunsicherung der Konsumenten wegen der angekündigten beschreibbaren DVD feststellte.

Der Erfolg des Händlerverbunds Aktiv Musik Marketing (AMM) läßt sich nach Bochnigs Einschätzung am deutlichen Mitgliederzuwachs erkennen: Mit insgesamt 180 Kommanditisten sind im AMM inzwischen etwa 240 Plattengeschäfte zusammengefaßt. Zu den Themen Schwarzbrennen und Schulhofpiraterie lieferte GDM-Vorstandsmitglied Jörg Hottas einen Zwischenbericht. Er bezeichnete den allein im vergangenen Jahr erlittenen Umsatzverlust der Branche in einer Größenordnung von 40 Millionen Mark als „existenzbedrohende Entwicklung“. Die verschiedenen Strategien der Industrie, die einen Kopierschutz gewährleisten sollen, werden laut Hottas „sicherlich erst mittelfristig für Lösungen sorgen können“. Bis zu einer Erhöhung der Leermedienabgabe müsse es ein Ziel des GDM sein, „in der Öffentlichkeit ein Unrechtsbewußtsein zu erzeugen“.

Über die Entwicklung bei den Audio-Books berichtete anschließend Hugo Heinzen, ebenfalls Mitglied im Vorstand des Fachverbands: „Ziel der Literaturverlage war es, mit ihren Produkten in den Tonträgermarkt hineinzukommen. Leider haben es bis heute nur wenige Verlage geschafft, sich den Anforderungen anzupassen, die dieser Markt an sie stellt.“ Heinzen betonte dennoch: „Literatur auf Tonträgern hat sich in vielen Plattenläden als Bestandteil des Sortiments durchgesetzt. Die Umsatzausfälle lassen sich damit allerdings nicht ausgleichen.“ Nach seinem Tätigkeitsbericht wurde Bodo Bochnig ohne Gegenstimme in seiner Funktion bestätigt. Zuvor hatte er den Tagungsteilnehmern noch eine persönliche Entscheidung mitgeteilt: „Ich werde mein Amt nicht bis zur nächsten Wahl ausüben.“ Bochnig kündigte indes an, er werde einen geeigneten Nachfolger einarbeiten, den er bereits gefunden habe, aber noch nicht bekanntgeben wolle. Die Vorstandsmitglieder Albert Wagner und Simone Rolle stehen ebenfalls nicht weiter zur Verfügung. Wer neben Heinzen und Hottas als Beisitzer des Fachverbands fungieren wird, steht bislang noch nicht fest.