Interview mit Victor Antippas, President UMG Schweiz/Österreich

Nach der Fusion von Universal Music und PolyGram zur Universal Music Group (UMG) hat sich das Unternehmen neu formiert. Auch in Österreich und der Schweiz sind jetzt die Weichen gestellt. Victor (Vico) Antippas, President UMG Schweiz und Österreich, erläutert im Gespräch mit MUSIKWoche die Veränderungen und seine Visionen.

MUSIKWoche: Wann geht die neuformierte Universal Music Group in der Schweiz und in Österreich offiziell an den Start?

Victor Antippas: In der Schweiz sind wir seit dem 1. Februar komplett. Firmensitz ist die ehemalige PolyGram-Zentrale in Schlieren. In Österreich hat es ein wenig länger gedauert. Dort haben die Mitarbeiter der UMG am 15. Februar im ehemaligen PolyGram-Gebäude in der Wiener Edelsinnstraße die Arbeit aufgenommen.

MW: Gab es für die Entscheidung zugunsten des Schlierener Firmensitzes einen Grund?

VA: Für diese Wahl waren pragmatische Aspekte ausschlaggebend. Da wir unsere zahlreichen Mitarbeiter in den alten Universal-Räumlichkeiten nicht hätten unterbringen können, bot sich die ehemalige PolyGram-Zentrale einfach an.

MW: Reden wir über eine Fusion oder von einer Übernahme der alten Universal durch PolyGram?

VA: Weder noch. Es geht schlicht um eine Neugründung. Der Hintergrund war ja die Entertainment-Initiative des kanadischen Mischkonzerns Seagram. Der hat sein Engagement für das Musik-Business mit dem Kauf der Plattenfirma Universal begonnen und dann mit PolyGram eine zweite Plattenfirma gekauft. Zunächst kursierten in der internationalen Presse ja viele Gerüchte, daß Edgar Bronfman Jr. an EMI interessiert wäre.

MW:… für wesentlich weniger Geld…

VA: Ja, aber dann hat sich Seagram entschlossen, gleich etwas Richtiges zu kaufen (lacht). Aber im Ernst: Die beiden Firmen ergänzen sich prächtig. PolyGram war in Europa und im Fernen Osten sehr stark positioniert, Universal dafür in den Vereinigten Staaten. Das neue Unternehmen kann auf Synergieeffekte zurückgreifen, die es in sämtlichen Märkten in eine sehr starke Ausgangsposition bringen. Wir haben da wirklich ein sehr gutes Konzept.

MW: Was ändert sich in der Schweiz im einzelnen?

VA: Für die Schweiz ändert sich gar nicht viel. Es gab einige Abgänge – Mitarbeiter, die den Job, den wir ihnen angeboten hatten, nicht haben wollten. Aber es gab keine Kündigungen.

MW: Und in Österreich?

VA: Dort sieht es schon ein wenig anders aus, wobei es auch hier innerhalb der österreichischen PolyGram-Dependance bereits einige Änderungen gab. Bei der Fusion der beiden Firmen ist der überwiegende Teil der Universal-Mannschaft übernommen worden.

MW: Wer sitzt denn jetzt in Wien neben President Antippas im obersten Management?

VA: Turid Pichler ist Marketing Director, sie wechselte von Virgin Österreich zu uns. Sabine Zorn, die zuvor bei EMI Austria tätig war, übernimmt den Geschäftsbereich Head of Sales. Neuer Chef-Controller ist Andreas Reiter, der bei Universal Österreich bereits in der gleichen Funktion Verantwortung getragen hat.

MW: Gibt es Künstler, die die UMG nach der Fusion verlassen werden?

VA: Mir sind keine bekannt.

MW: Gibt es Neuzugänge für den alpenländischen Markt?

VA: Natürlich sind attraktive Namen bei uns immer willkommen. Aber man darf nicht vergessen, daß die Auswahl an prominenten Namen in den beiden Ländern nicht unendlich ist. Da wir über eine gut funktionierende A&R-Abteilung verfügen, bin ich sicher, daß UMG dort neue Impulse setzen kann.

MW: Gibt es schon so etwas wie eine Universal-Idee, eine Corporate Identity?

VA: Auf jeden Fall. Wir als Seagram-Konzern haben es uns zum Ziel gesetzt, die weltweit größte Entertainment Company zu werden. Wir decken schließlich alle Bereiche ab: von Film und Video über Themenparks bis hin zur Musik, für die UMG zuständig ist. Hier gibt es bei den Global Players nur noch eine Firma, die ganz ähnlich gelagert ist, und die ein sehr starkes Branding hat…

MW:… Disney.

VA: Genau. Ich bin überzeugt, daß unser Unternehmen auch ein starkes Markenzeichen ist, das es in jeder Hinsicht mit Disney aufnehmen kann.

MW: Dazu benötigen Sie eine zusammengeschweißte Crew. Haben Sie die?

VA: Das kommt. Man darf nicht vergessen, daß Universal Music eine sehr gute Firma ist.

MW: Gilt das für die Teams in beiden Ländern?

VA: Ja.

MW: Die IFPI weist für PolyGram und Universal im letzten Jahr in der Schweiz einen gemeinsamen Marktanteil von rund 30 Prozent auf. Sind Sie mit damit zufrieden?

VA: Ich glaube, daß wir in Österreich noch Bewegungsspielraum haben. Und auch in der Schweiz sehe ich uns noch nicht am Ende der Fahnenstange angekommen.