MusikWoche: Spüren Sie in diesem Jubiläumsjahr mit all den Neuerungen eine besondere Spannung?
Werner Hay: Vor allem die Tatsache, dass wir eine Reihe von Neuerungen haben, erhöht die Spannung für uns: Ein neuer Sender, erstmals eine Live-Veranstaltung, eine neue Stadt, eine neue Halle, da kommt schon einiges zusammen. Wir haben mit vielen Freunden aus der Branche gesprochen, die haben alle beruhigend auf uns eingewirkt und gesagt: ‚Ihr schafft das schon, bisher ist es mit jedem Jahr immer noch besser geworden.“ Aber wir machen mit der Veranstaltung in diesem Jahr eben einen besonders großen Schritt nach vorn.
MW: War die Live-Übertragung der letzte noch fehlende Schritt, um mit den Grammy Awards gleichzuziehen?
Hay: Dieses Ziel haben wir eigentlich nicht im Auge, weil die Grammy Awards auf einer deutlich anderen Konzeption basieren. Aber wir haben uns schon länger gesagt, dass wir es mit einer Live-Übertragung versuchen sollten. Wie Sie sich denken können, haben sich viele Sender um die Veranstaltung beworben, ein privater Sender ist derzeit am ehesten in der Lage, breitflächig den Echo zu präsentieren. Das heißt, nicht nur die eigentliche Übertragung, sondern darüber hinaus auch im Umfeld den Echo zum Schwerpunkt zu machen. Das hilft dem Preis natürlich, ist aber organisatorisch eine gravierende Umstellung für uns und unser Team.
MW: Welches sind Ihre wichtigsten Erinnerungen aus den bisherigen neun Echo-Jahren?
Hay: Am deutlichsten sind in meinem Gedächtnis eigentlich die ersten beiden Veranstaltungen. Damals gingen wir mit sehr viel Begeisterung, aber eben noch ohne jede Erfahrung, an die Sache heran. Ich spreche jetzt von der Verleihung 1992 in der Flora in Köln und der 1993 im Wintergarten in Berlin. Das waren ja noch brancheninterne Veranstaltungen, die wir mehr holprig als professionell über die Bühne gebracht haben – aber immerhin, das waren eben die Anfänge! Und dann erinnere ich mich natürlich an den schneller als eigentlich geplanten Schritt hin zu einer Fernsehsendung. Denn die dritte Verleihung in der Alten Oper in Frankfurt fand ja schon mit dem ZDF statt. Wir wollten eigentlich erst fünf Mal üben, bevor wir an die große TV-Öffentlichkeit gehen, aber dann hat es sich doch schneller ergeben, und ab 1996 in Hamburg ging es mit dem Echo kontinuierlich aufwärts.
MW: Welche unter den neuen Kategorien finden Sie besonders spannend?
Hay: Der Online-Preis ist sicherlich sehr spannend, eben trendy. Besonders erfreulich finde ich jedoch persönlich, dass der ehemalige „Hamburger Nachwuchspreis“, den wir ja nun in Berlin nicht mehr so nennen können, vom Berliner Jugendsender Fritz, der dann auch die 40.000 Mark für die Nachwuchsband bezahlt, übernommen wird. Dass wir auch eine ganze Reihe anderer neuer Kategorien haben, dokumentiert, dass wir den musikalischen Strömungen in Deutschland entsprechen. Ich denke da insbesondere an die Kategorien HipHop, New Rock/Metal und an Crossover-Klassik, sowie an Musik-Home Video DVD Produktionen.
MW: Ist mit den 5000 Zuschauern schon das Limit bei den verkauften Tickets erreicht, oder werden wir eines Tages Echo-Verleihungen in Hallen mit 15.000 Besuchern erleben?
Hay: Die übereinstimmende Meinung bei uns, insbesondere zwischen Gerd Gebhardt und mir, ist, dass wir eine solche Form der Verleihung nicht anstreben. Die Grenze liegt bei einer Größenordnung, wie wir sie jetzt mit den 5000 Plätzen in Berlin haben. Wir sehen die Gefahr, dass es bei einer Halle mit 15.000 Zuschauern nicht mehr den Charakter einer Verleihung hat, sondern ein Riesen-Konzert wird. Wir wollen allen Künstlern mit dem Echo einen Rahmen bieten, der den Charakter der Einmaligkeit hat.
MW: Wie viele Gäste erwarten Sie denn diesmal zur Aftershow-Party?
Hay: Etwas über 2300!
MW: Bleibt die Atmosphäre dann noch so intim wie in früheren Jahren?
Hay: Ich bin überzeugt davon, dass Uritz von Oertzen mit seinem Team den Rahmen schaffen wird, in dem sich unsere Gäste auch in diesem Jahr wohlfühlen werden.
MW: Wie groß sind die Chancen von Hamburg, wieder Austragungsort zu werden?
Hay: Im Prinzip entscheiden wir ja drei Punkte jedes Jahr neu: den Ort, den Sender und die Moderation. Was den Ort betrifft, sind wir nicht mit der Prämisse nach Berlin gegangen, dass wir dort unbedingt für immer bleiben. Wenn Hamburg eine vernünftige Halle gebaut hat, worauf wir ja immer noch hoffen, kann ich mir vorstellen, dass wir zu einem ständigen Wechsel zwischen Berlin und Hamburg kommen könnten.





