Interview mit Klaus Doldinger zum 65. Geburtstag

Klaus Doldinger zählt zu den einflussreichsten und erfolgreichsten Jazz-Musikern der letzten 40 Jahre in Deutschland. Am 12. Mai feiert er seinen 65. Geburtstag. Im Interview spricht er über seine musikalischen Erfahrungen und Begegnungen.

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musikwoche.de: Was ist für Sie Glück?

Klaus Doldinger:Für mich ist es das größte Glück auf Erden, auf meinem Instrument eine Geschichte aus meinem Herzen zu erzählen. Mir ist es wichtig, dass ich mir Stücke ausdenken und komponieren kann. Das kann das Dienen einschließen, indem ich mich bei Arbeiten für Film oder Fernsehen in den Dienst einer Sache stelle und Musik passend zu einer Szene komponiere. Für mich ist es ein großes Lob, wenn die Leute sagen, ein Konzert habe sie aufgerichtet. Es gibt den Begriff des Energie-Heilers. Wir hatten bei uns im Dorf einmal einen Russen zu Gast, der das konnte. Ich habe nicht daran geglaubt, und plötzlich spürte ich ein Kribbeln im Hirn. Es gibt tatsächlich Menschen, die haben diese Fähigkeit. Ich versuche es mit Tönen.

mw: Wir hören immer mehr elektronische Musik. Verdrängt sie nicht die emotionalere akustische Musik?

Doldinger: Es könnte auch das Gegenteil eintreten, dass die Menschen den Wert von handgemachter Kunst als Gegengewicht zur Arbeit mit dem Laptop zu schätzen wissen. Musik hat etwas mit Gefühlen zu tun. Sie kann Vibrations erzeugen, die einem das Leben lebenswerter erscheinen lassen.

mw: Angeblich wird über eine Dezibel-Beschränkung für Konzerte diskutiert.

Doldinger: Das muss ich ablehnen. Die Freiheit der Kunst wäre eingeschränkt. Der nächste Schritt wäre, dass unzüchtige Handlungen auf der Bühne untersagt werden. Dann dürfte sich Michael Jackson nicht mehr in den Schritt fassen! In der Kunst sind Einschränkungen jeglicher Art verfehlt.

mw: Am 12. Mai werden Sie 65. Denken Sie übers Älterwerden nach?

Doldinger: Überhaupt nicht. Alt zu werden, hat mit einem Zustand im Kopf zu tun. So lange man sich bewegen kann – von mir aus auch eingeschränkt – so lange die Gedanken ihre Spielchen treiben und man auf dem Stand der Zeit bleibt, kann von Altsein überhaupt keine Rede sein.

mw: Im Gegensatz zu vielen anderen Musikern sieht man Sie sehr oft in Konzerten.

Doldinger: Die Liebe zur Musik reizt mich dabei. Ich will sehen, was einer macht, den ich nur von der Schallplatte kenne. Außerdem treffe ich andere Leute. Aus diesem Grund gehe ich auch gerne zu Events. In München sind wir mit guten Veranstaltungen gesegnet – dank Innegret Volkart und dem Nachtclub im Bayrischen Hof.

mw: Zur Motherhood und zur Ur-Besetzung von Passport zählte Udo Lindenberg. Wie steht es um Ihren Kontakt?

Doldinger: Als ich letztes Jahr den Frankfurter Musikpreis erhielt, habe ich ihn mir als Laudator gewünscht. Uns hat übrigens Michael Naura vom NDR zusammengebracht, als 1969 der Schlagzeuger Cees See Hals über Kopf aus der Band ausstieg. Ich sehe noch vor mir, wie Udo in seinem Hippie-Hemd und mit Ponyfrisur bei uns auf dem Sofa saß. Dann hat er getrommelt, und ich war begeistert: Endlich einer, der beides, Jazz und Rock’n’Roll, spielen kann. Leider blieb er nur zwei Jahre.

mw: Heute sind Sie im Aufsichtsrat der GEMA.

Doldinger: Ich habe damals wie die meisten Musiker nicht darüber nachgedacht, dass man bei Konzerten Programme anmelden muss. Durch diese Unachtsamkeit habe ich mir wahnsinnig viel Geld entgehen lassen. Bis vor drei, vier Jahren war es mir zu umständlich, die Musikanmeldelisten auszufüllen. Heute sehe ich das anders. Andererseits kann ich die pauschale Kritik an der Pro-Abrechnung der GEMA nicht völlig nachvollziehen. Es geht darum, im Detail Verbesserungen zu erreichen.