Für Aufsehen sorgte zuletzt der Börsengang des Download-Anbieters MP3.com. Am 21. Juli bot die Firma erstmals 12,3 Millionen Aktien (rund 18 Prozent des Unternehmens) zu einem Ausgabepreis von 28 Dollar an der amerikanischen Nasdaq-Börse an. Im Lauf des Tages schnellte der Kurs nach oben und erreichte einen Spitzenwert von 105 Dollar. Bei Börsenschluß lag der Wert mit 63,31 Dollar immer noch deutlich über dem Ausgabepreis. MP3.com erzielte dabei Einnahmen in Höhe von 344 Millionen Dollar – Geld, das die Firma dringend benötigte, denn in ihrer Bilanz für das zweite Quartal 1999, das am 30. Juni endete, verzeichnet MP3.com Verluste von 6,3 Millionen Dollar, denen Einnahmen von lediglich 1,9 Millionen Dollar gegenüberstehen. Nach dem Boom am ersten Handelstag kehrte der Kurs der MP3.com-Aktie allerdings bald wieder auf den Boden der Tatsachen zurück: Der Wert sank konstant ab und rutschte am 9. August mit 26,75 Dollar erstmals unter den Ausgabepreis. In den folgenden Tagen erholte sich der Kurs leicht und pendelte sich am 16. August bei rund 35 Dollar ein. Ähnlich entwickelten sich die Aktien von anderen Internet-Musikfirmen: Der Custom-CD-Hersteller Musicmaker.com brachte seine Wertpapiere am 7. Juli ebenfalls am Nasdaq Market aufs Parkett. Am Ende des Tages lag der Wert der Aktie, die für 14 Dollar ausgegeben wurde, bei 23,94 Dollar. Er sank in den folgenden Wochen dann bis auf 8,75 Dollar ab und lag am 16. August nur noch bei 9,88 Dollar. Die Aktie der Firma EMusic.com, die auf ihrer Homepage ebenfalls Downloads anbietet, erreichte am ersten Handelstag einen Höchstwert von 35 Dollar, sank dann aber rapide ab und wurde zuletzt mit 15,125 Dollar notiert. Beobachter zeigen sich von dieser Entwicklung wenig überrascht. Die Hauptursache sehen viele darin, daß sich das Angebot der Firmen bisher meist auf unbekannte Nachwuchsbands beschränkt, während die großen Namen aufgrund der zögerlichen Haltung der Major-Plattenfirmen weitestgehend fehlen. „Was am Ende zählt, ist der Inhalt“, stellt Larry Kenswell, President Of Electronic Commerce And Advanced Technology der Universal Music Group fest. „All diese Firmen werden sich langfristig umschauen müssen, wo und von wem sie ihre Inhalte bekommen.“ Erste Schritte in diese Richtung haben Unternehmen wie Musicmaker, CDNow und Digital-On-Demand bereits unternommen und sich mit EMI, Sony Music und Warner bereits große Partner gesucht (MUSIKWoche berichtete in Heft 31/99), die über das notwendige Repertoire populärer Künstler verfügen, um das Internet-Angebot attraktiver zu gestalten. „Solche Zusammenschlüsse werden auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen“, prognostiziert Alan Sinnreich vom Forschungsunternehmen Jupiter Communications. Außerdem weist er darauf hin, daß der Online-Vertrieb von Musik bislang noch keine großen Umsätze abwirft: „Wer nicht genug Rücklagen hat, um seine Investitionen abzufedern, wird sich nicht lange halten können.“
Internet-Musikfirmen an der Börse
Zahlreiche Internet-Musikfirmen wagten in den letzten Wochen und Monaten den Gang an die Börse und erzielten dadurch oftmals bemerkenswerte Einnahmen. Doch während die Kurse anfangs noch explosionsartig in die Höhe schossen, bietet die langfristige Entwicklung wenig Anlaß für Euphorie





