musikwoche.de: Welche Dienstleistungen bietet die mediacs AG?
Stefan Kühler: Die mediacs positioniert sich in drei verschiedenen Geschäftsbereichen. Mit den Bereichen Entertainment, Business Solution und mediacs Net betreuen wir unsere Kunden und bearbeiten den nationalen und internationalen Markt – sei es als Dienstleister für Realisierung, Encoding und Design für Lizenzinhaber oder als Co-Produzent für neue DVD-Produktionen. Ebenfalls entwickeln wir zusätzliche Werkzeuge, die die „Vernetzbarkeit“ der DVD mit anderen Medien unterstützen.
mw: Wer sind Ihre Auftraggeber und aus welchen Wirtschaftszweigen kommen sie?
Kühler: Wir haben in den letzten Jahren fast alle Produktionen der / realisiert, aber auch schon die ersten Business-Solution-DVDs für die Mercedes AMG GmbH, für MediaMarkt und für . Unsere Kunden kommen aus dem Bereich der Film- und Entertainmentbranche, aber auch zunehmend aus dem Bereich der Industrie und der Investitionsgüterbranche.
mw: Müssen Sie bei den Anbietern noch Überzeugungsarbeit leisten was die Ausstattung einer DVD anbelangt?
Kühler: Überall, wo es darum geht, dass Qualität zu einem angemessenen Preis angeboten wird, bedarf es Überzeugungsarbeit! Da sich die DVD gerade erst in Richtung des Massenmarktes aufgemacht hat, müssen wir unseren künftigen Kunden die DVD und die immensen Möglichkeiten des Einsatzes präsentieren.
mw: Haben Sie den Eindruck, dass die Filmindustrie das neue digitale Medium bereits beim Dreh berücksichtigt, was Ihre Arbeit erleichtern würde?
Kühler: Bisher eher nicht! Auch die Filmindustrie ist in der Umbruchphase. Es ist das erste Mal, dass die Produzenten und Drehbuchautoren die Möglichkeit haben, ihre kreativen Gedanken auch außerhalb der Filmproduktion in die DVD-Produktion einzubringen. Die Videokassette konnte das nicht leisten.
mw: Ist die DVD nur ein Trägerformat mit viel Speicherkapazität – bei ausgezeichneter Bild- und Tonqualität – oder ist sie mehr?
Tiemo Ehmke: Die DVD ist momentan auch noch ein Sammlerstück. Wir werden dem gerecht, indem wir limitierte Sonderauflagen und Platinum-Editionen in einer hochwertigen Ausstattung produzieren. Um am Ende ein überzeugendes Produkt zu präsentieren, braucht es konzeptionelles und redaktionelles Arbeiten und die technische Möglichkeit, diese Ideen umzusetzen.
Steffen Gerlach: DVDs werden nicht allein nach dem Hauptfilm bewertet, sondern ebenso danach, wie die Umsetzung auf Disc gelungen ist. Zur DVD haben wir als Beilage eine Umfrage zum Thema „DVD und Bonusmaterial“ durchgeführt. Aus knapp 1000 Einsendungen ergab sich, dass neben dem „Making Of“ auch die „Deleted Scenes“ und die „Outtakes“ eine wichtige Rolle beim Konsumenten spielen. Außerdem stellt eine gelungene DVD für den Anbieter einen Imagegewinn dar.
Kühler: Die DVD wird auch im Businessbereich immer beliebter. Als Marketing-Tool eignet sie sich zur Produkt- und Unternehmenspräsentation. Die Vorzüge der Mehrsprachigkeit bei hoher Speicherkapazität und Interaktionsfähigkeit kommen hier voll zur Geltung.
mw: Mittlerweile entdeckt auch die Musikindustrie die DVD. Welche Vorteile hat die DVD gegenüber der CD?
Kühler: Die ersten DVD-Audio-Player sind erhältlich, ebenso wie die ersten DVD-Audios. Wir beobachten den Markt und entwickeln derzeit Konzeptionen für mögliche Projekte. Auf einer DVD-Audio können Musikstücke in bisher unerreichter Qualität gespeichert werden. Nicht zu vergessen ist der immense Speicherplatz, den die DVD bietet – bis zu 9 GigaByte, somit ist nicht wie bei der CD nach 74 Minuten Schluss mit dem Musikvergnügen. Bei all den technischen Vorteilen der DVD-Audio ist es wichtig, die DVD kompatibel zur bekannten DVD-Video zu gestalten. Der Kunde soll die DVD auch mit seinem DVD-Video-Player nutzen können. Besitzt er schon einen DVD-Audio-Player, kann er Konzerte aber in einer noch höheren Qualität genießen und weitere Features nutzen. Das Feature der Abwärtskompatibilität nutzen wir auch bei der DVDplus: Hier kann eine Seite im DVD-Player abgespielt werden und die andere Seite im CD-Player. Die DVDplus kam zum Beispiel bei der Grönemeyer DVD zum Einsatz, die den Echo für die beste Musik-DVD gewonnen hat.
mw: Wie viel Zeit vergeht bis zur fertigen DVD?
Gerlach: Das ist sehr unterschiedlich. Es gibt einfache Produktionen, die in wenigen Tagen aus dem Boden gestampft werden müssen. Bei aufwändigen Titeln, bei denen zusätzlich Bild – und Tonbearbeitungen gemacht werden und Bonusmaterial organisiert wird, können zwei bis drei Monate bis zur fertigen DVD vergehen. Am aufwändigsten waren bis jetzt die Mercedes-AMG-DVD und die MAWA/VCL-Auftragsproduktion , die fast sechs Monate dauerte.
mw: An welchen Projekten arbeiten Sie derzeit?
Kühler: Nachdem wir gerade die MAWA/VCL-DVDs und abgeschlossen haben, arbeiten wir fieberhaft an der Fertigstellung der Sarah-Brightman-DVD „La Luna“ für die . Außerdem bereiten wir gerade mehrere Entertainment-DVDs, darunter die Kauf-DVD von (MAWA/VCL), und einige Special-Interest-Titel vor.
mw: Welche Entwicklungen erwarten Sie bei der DVD?
Kühler: Wir glauben, dass der Zenit noch lange nicht erreicht ist. Wir sind erst aus dem Bereich der Early Adaptors herausgewachsen und erklimmen langsam den Hügel des Massenmarktes. Die nächsten DVD-Player können auch DVD-Audio abspielen, der Markt der Musik-DVD kommt ja auch erst noch auf uns zu. Wir als Produzenten freuen uns natürlich über die Marktakzeptanz und über das entgegengebrachte Vertrauen unserer Auftraggeber. Wir werden in Zukunft auch selbst als Produzent oder Koproduzent von DVD-Videos und Audio-Produktionen auftreten. Zudem werden wir auf den anderen Gebieten wie UMTS und Video on Demand unser Know-how verstärken.





