Im Gespräch: Alan McGee, Gründer von Poptones und Creation Records

Mit seinem ehemaligen Label Creation prägte er musikalisch einen Teil des letzten Jahrzehnts. Nun bricht Alan McGee auf zu neuen Ufern mit seiner Firma Poptones. MUSIKWoche fragte nach.

MUSIKWoche: Warum haben Sie seinerzeit Ihre Creation-Anteile an Sony Music verkauft?

Alan McGee: Ich fand, dass Creation eigentlich nur in den Jahren zwischen 1984 und 1994 ein gutes Label war. Danach wurde der Einfluß von Sony zu stark. Deshalb schien es mir sinnvoller, gleich ganz auszusteigen.

MW: Sie sagten 1998, dass es in den nächsten zehn Jahren keine Tonträger mehr geben werde, sondern dass Musik nur noch in Form von Downloads verkauft werden würde. Nun verkaufen Sie aber mit Ihrem Label Poptones immer noch physisches Produkt. In welchem Verhältnis zwischen CDs und Songfiles stehen denn die Abverkäufe?

McGee: Im Moment ist das noch kein großes Geschäft. Wir verkaufen etwa ein Prozent unserer Musik digital. Wir haben immer noch das Problem, dass Onlinezugänge teuer sind. Sobald sich die Kosten für eine Onlinesitzung auf die eines Telefonortsgesprächs reduziert haben, wird dieser Anteil jedoch massiv ansteigen. Ich habe mich mit besagtem Zitat nicht gerade beliebt gemacht, und viele wollen von mir nun wissen, wie denn diese Prognose in der Realität aussehen wird. Aber ich kann da nur sagen: Ich bin nur ein einzelner in diesem Geschäft – mit einer einzelnen Meinung. Auf alles habe ich auch keine Antwort.

MW: Sie haben für Ihre Produkte in Großbritannien einen Verkaufspreis von 9,99 Pfund pro CD – etwa sechs Pfund weniger als üblich – festgesetzt. Wie reagiert der Handel darauf?

McGee: Hoffentlich gut. Die wollen doch alle Umsatz machen, oder nicht? Wir sind der Auffassung, dass CDs zu teuer sind. Vielleicht verdienen wir im Moment dadurch kleinere Margen an unseren Produkten, aber in Zukunft werden wir dadurch mehr Platten verkaufen.

MW: Und wie erfahren die Konsumenten von Ihren Künstlern? Nur über Ihre Website?

McGee: Wir haben in Deutschland mit Zomba inzwischen einen Vertriebsvertrag. Vielleicht schaffen wir es auch noch, einen Marketing- und Promotiondeal einzufädeln.

MW: Das Repertoire von Poptones setzt sich aus Newcomern und Re-Issues zusammen. Welche A&R-Strategie verfolgen Sie?

McGee: Wir veröffentlichen, was uns gefällt. Creation war am Ende ausschließlich geprägt von Oasis. Daran waren wir zum Teil selbst schuld, aber für Poptones kommt das nicht mehr in Fage.

MW: Vor kurzem sagten Sie auch, das Internet sei eine Revoltion nach den Regeln des Punkrock. Alles sei möglich, und Regeln würden neu definiert. Kann man das so noch sagen, nachdem es inzwischen so scheint, als ob auch in der New Economy die Regeln der Old Econmy gelten? Schließlich kauft Bertelsmann Napster oder Universal steigt bei MP3.com ein.

McGee: Typisch deutsche, analytische Frage. Natürlich übernehmen die Großen die guten Ideen der Kleinen. Deshalb bleibe ich trotzdem dabei: Das Internet verändert die Rezeption von Musik, und in der Konsequenz auch den Konsum und die Distribution.

MW: Wie definieren Sie Erfolg für Poptones ?

McGee: Musik veröffentlichen, die Bestand hat. Und damit genug Geld verdienen, um alle Mitarbeiter und Rechnungen zu zahlen.