idkv lud zur Expertendiskussion nach Leipzig: Neue Qualität der

Der idkv, Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft, e.V. lud anlässlich seines Branchenmeetings am 14. Mai 2001 eine hochkarätig besetzte Expertenrunde nach Leipzig ein, um mögliche Antworten auf die Frage nach der Rolle des Staates in der Kulturförderung zu geben.

Unter der Leitung von Künstlermanager Dieter Weidenfeld (Vorstandsmitglied des idkv) diskutierten Steffen Kampeter (Mitglied im Bundestag, Obmann der CDU/CSU Bundestagsfraktion im Haushaltsausschuss und Berichterstatter für Kultur und Medien), Prof. Dr. Friedrich Loock (Leiter des Instituts für Kultur- und Medienmanagement an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg), Volker Stiehler (Verwaltungsdirektor Gewandhaus Leipzig), Günter Winands (Ministerialrat im Staatsministerium für Kultur) und Olaf Zimmermann (Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates).

Einig waren sich alle Diskussionsteilnehmer darin, dass der Staat vor allem die Aufgabe haben sollte, den passenden Rahmen festzulegen, in welchem Kultur stattfinden kann. Dazu würden beispielsweise Reformen des Stiftungszivilrechtes gehören, aber auch die Novellierung des Künstlersozialversicherungsgesetzes oder die Senkung der sogenannten Ausländersteuer – Kernthemen der Lobbyarbeit des idkv. Deutschland schaue auf eine lange Tradition der staatlichen Kulturförderung zurück, die auch gewahrt werden sollte, so Olaf Zimmermann.

Doch müsse der Staat anfangen, seine Förderungen politisch zu begründen: „Wir müssen die Zuwendungspraxis auf neue, effizientere Beine stellen, denn größere Geldmengen wird es in Zukunft nicht geben. Deshalb sollten wir uns endlich trauen, darüber zu diskutieren, was wir neu in die Kulturförderung einbeziehen und was stattdessen nicht mehr in dieser Form gefördert wird.“ Ergänzend dazu sah Prof. Dr. Friedrich Loock dringenden Bedarf, in die Qualifikation der Mitarbeiter des Kulturbetriebs zu investieren.

Dies gelte nicht nur für die Kultureinrichtungen, sondern vordringlich für die Behörden. Darüber hinaus müsse man einen politischen Willen einfordern, denn darum gehe es häufig vorrangiger als um Geld. „Da würde ich auch den idkv nachhaltig unterstützen wollen.“ Bundestagsabgeordneter Steffen Kampeter machte auf die öffentliche Wahrnehmung von Kulturpolitik aufmerksam. „Wenn ein Staatsminister ein rotes Bändchen durchschneidet, gibt es meist eine große Medienresonanz. Wird aber die Novellierung des Künstlersozialversicherungsgesetzes verabschiedet, ist das Echo vergleichsweise gering.“

Vor diesem Hintergrund bezeichnete Kampeter auch die große öffentliche Aufmerksamkeit im Zusammenhang mit der neuen Bundeskulturstiftung als „geradezu lächerlich“ – ein Stichwort, dass Günter Winands aufgriff. Staatsminister Nida-Rümelin habe zwei Schwerpunktthemen. Da das Geld begrenzt sei, müsse man zunächst massiv Kulturordnungspolitik betreiben. Hierbei sei es laut Winands dringend erforderlich, das Gespräch mit den Ländern zu verbessern, da diese den Fokus zu wenig auf Themen von bundesweiter Bedeutung legen würden.

Das zweite Hauptanliegen Nida-Rümelins sei die Einrichtung der neuen Bundeskulturstiftung mit einem geplanten Etat von 75 Millionen Mark – Geld, das laut Planung hauptsächlich für zeitgenössische Kulturprojekte verwendet werden soll. Im Zusammenhang mit der Einrichtung der Bundeskulturstiftung und den Veränderungen im Stiftungsrecht empfand Winands insbesondere die Tatsache wichtig, dass jetzt generell über dieses Thema diskutiert werde.

Gemeinsam mit dem deutschen Kulturrat und dem Bundesverband deutscher Stiftungen sei deshalb die Herausgabe eines „Handbuchs für Kulturstiftungen“ geplant, um das Prozedere zu erläutern. Aus Sicht der Kulturschaffenden machte Günter Stiehler (Gewandhaus Leipzig) auf ein anderes Problem aufmerksam. Kultur müsse bezahlbar sein, aber der Konsument müsse diese Kultur auch wollen. „Das Bedürfnis für sogenannte Hochkultur muss geweckt werden. Welche Schule hat heute noch ein Orchester und vermittelt den Kindern, wieviel Spaß das Musizieren macht? Dort müssen wir ansetzen.“

Darüber hinaus plädierte Stiehler für eine freiwillige Selbstkontrolle innerhalb der Kulturbetriebe und eine enge Zusammenarbeit zwischen Intendanz und Verwaltung. Sicherlich hätten diese Instanzen manchmal Interessenskonflikte, doch wo die Grundanliegen korrespondieren, könne man mit dem gleichen Geld eine ganze Menge mehr machen. Einigkeit bestand im Ergebnis zwischen den Diskutanten: Die finanziellen Mittel werden eher knapper, als dass in den nächsten Jahren ein Zuwachs an Fördergeldern für Kultur zu erwarten wäre.