‚Ich habe mich doch nicht selbst gewählt‘

Nach seinem spektakulären Sieg beim Vorentscheid für den Grand Prix gewährten der „Meister“ (Photo) und sein Mitstreiter Michael Holm der MUSIKWoche eine Audienz. Am Vorabend der ultimativen Endausscheidung in Birmingham ist es nun noch einmal Zeit, die Worte des großen Trierers zu rekapitulieren.

MUSIKWoche: Wie verkraften Sie den Tumult um Ihre Person?

Guildo Horn: Kann ich noch nicht sagen. Direkt nach der Vorentscheidung war ich noch benommen.

MW: Anfangs sagten Sie, Sie wollten ausschweifende Feiereien vermeiden und am liebsten gleich ins Bett gehen…

Horn: Wollte ich. Aber ich bin doch meinen Freunden gegenüber verpflichtet.

MW: Nicht alle sind Ihre Freunde. Ralph Siegel beispielsweise hat nicht mitgefeiert.

Horn: Schade, daß er noch nicht über den Dingen steht, aber das wird sich geben. Ich habe mich doch nicht selbst gewählt. Es war ein Entscheid der Straße.

Michael Holm: Ralph Siegel zählt zum Inventar der Grand-Prix-Songwriter. Es geht ihm um seine Krone. Er bat mich sogar, Guildo zu überreden, nicht teilzunehmen. Aber es geht nicht nur um Guildo – es geht um den Wunsch des Publikums. Ich finde die Diskussion überflüssig; in ein paar Wochen wird Ralph wieder anrufen und mir neue Kompositionen vorspielen. Wir schätzen ihn – also lassen Sie uns auch unsere Freude.

MW: Hat die „Bild-Zeitung“ nicht den Wunsch des Publikums manipuliert?

Horn: Das würde ich so nicht sagen. Die haben im „Sonntagsblatt“ auch über meine Scheidung berichtet, würde das Ihnen gefallen?

MW: Jeder Bericht ist eine Form von Promotion, oder?

Horn: Auf die Promotion verzichte ich.

MW: Sie sagten, daß Ihnen der Medienrummel teilweise selber auf die Nerven ging. Stimmt das?

Horn (augenzwinkernd): Das war doch nur ein Scherz.

MW: Zumindest standen Sie wochenlang unter Erwartungs- und Leistungsdruck. Wie haben Sie den bewältigt – außer durch den Verzehr von Nußecken?

Horn: Ich habe normal gelebt. Natürlich waren und sind die lauten Zusprüche toll, aber es gab auch leisere Töne. Kurz vor der Vorentscheidung bekam ich ein Tape. Darauf war eine kurze Botschaft von Christian Anders. Er sagte: „Guildo, die Welt ist ein Narrenhaus, darum mußt Du gewinnen, am besten auch noch den Grand Prix. Aber bedenke, Du bist sterblich.“ Das war ein Zitat aus „Ben Hur“. Da kamen mir fast die Tränen, und ich kann nur eines sagen: Danke, Christian. Und was die Nußecken betrifft – natürlich auch danke, Mama.