Das Telefon klingelt. Heidi Emberger greift zum Hörer und berät aus dem Stegreif einen Kunden umfassend und ausführlich über die neuen Hörbuch-Fassungen von J.K. Rowlings Erfolgsserie „Harry Potter“. Emberger ist Inhaberin von Parzival, einem Hörbuchladen, der in einer ruhigen Seitenstraße im Münchner Stadtteil Haidhausen sein Domizil gefunden hat.
Sie ist eine Seiteneinsteigerin in diesem Metier, die eine Leidenschaft für Hörbücher auszeichnet. „Ein Hörbuch ist für mich keine individuelle Angelegenheit, sondern ein Gruppenerlebnis, wie ein Besuch im Kino. Man hört mit Freunden gemeinsam das Hörbuch an und spricht im Anschluss darüber“, erzählt sie über sich. Dieser Umstand und der Wunsch, einen eigenen Laden zu führen, veranlassten die gelernte Sekretärin, Parzival am 15. Januar 1998 zu eröffnen.
Der Laden verfügt zwar über keine zentrale Lauflage, dennoch ist er bequem zu erreichen; der Nahverkehrsknotenpunkt Ostbahnhof ist ganz in der Nähe. „Meine Kunden wissen die ruhige Lage und Umgebung zu schätzen“, meint Emberger. Sie zählt inzwischen rund 100 Stammkunden, die regelmäßig in den Laden kommen; über die Zahl der Laufkunden hat sie jedoch keinen Überblick. „Viele meiner Stammkunden kamen zu Beginn durch Zufall zu mir“, erinnert sich Emberger. Aber auch nach Artikeln im Kulturteil der Süddeutschen Zeitung seien Leute zu ihr gekommen. Ein Übriges hätten Mundpropaganda und Anzeigen im lokalen Anzeigenblatt getan.
„Nun kommen die Stammkunden ganz gezielt zu mir,“ erklärt die Inhaberin. Sie warten teils auf Neuerscheinungen, fragen nach Hörbüchern, die besprochen worden sind, oder brauchen einfach ein Geschenk. Die Kundschaft ist nach Angaben von Emberger sehr heterogen, es handelt sich um teils freischaffende Künstler, Leute, die viel Autofahren oder keinen Fernseher besitzen, und auch ältere Menschen. „Der Preis einer Hörbuchs spielt bei meiner Kundschaft in der Regel keine Rolle“, berichtet Emberger aus Erfahrung.
Das Sortiment von Parzival umfasst rund 5.300 Titel, wobei ständig neue Hörbücher hinzukommen. Dabei handelt es sich sowohl um deutsche als auch um ausländische Titel. Am besten verkaufen sich die Genres Spannung und Thriller. „Wir versuchen immer, sämtliche Titel, die es gibt, auf Lager zu haben“, erklärt Emberger. Über dieses expandierende Angebot informiert sie sich über Fachzeitschriften oder über Kataloge der diversen Hörbuch-Verlage. Schließlich kommen auch Kunden zu ihr, die Gerüchte gehört haben, dass ein Titel als Hörbuch erschienen sei.
Ihr Bestreben, ein vollständiges Sortiment auf Lager zu haben, unterscheidet Parzival von „normalen“ Buchhändlern mit einem Audio-Book-Sortiment. „Eine direkte Konkurrenz in dem Sinne gibt es zwischen uns deswegen nicht“, so Emberger. Da Buchhandlungen in der Regel über kein Gesamtsortiment verfügen, schickt zum Beispiel das Bücherkaufhaus Hugendubel Kunden teilweise nach Haidhausen. Aber auch ein weiterer Charakterzug, der für einen Gang zu Parzival spricht, scheint die Käufer von Hörbuchern auszuzeichnen. „Die wollen in der Regel einen Titel in die Hand nehmen, anhören und anschließend sofort mitnehmen.“
Auch Internet-Händler fürchtet Emberger nicht. „Die Kunden wollen einen persönlichen Ansprechpartner haben.“ Manche Kunden hätten beim Online-Kauf auch schlechte Erfahrungen gemacht und kämen deshalb jetzt zu Parzival.
Mit der Entwicklung der vergangenen drei Jahre zeigt sich Emberger zufrieden. „Es könnte so weiter gehen.“ Doch die Eröffnung von einer Filiale schließt sie kategorisch aus. Mittelfristig will sie jedoch einen Verkäufer einstellen, bis jetzt steht sie noch allein im Laden.





