Handelsumfrage zur Preisharmonisierung

Sony Music glich zum April den Handelsabgabepreis (HAP) für Neuveröffentlichungen europaweit an. Für Händler in Deutschland bedeutet das eine Erhöhung um rund 70 Pfennig. MUSIKWoche fragte: Müssten CDs nicht günstiger werden?

“Ja, aber der Trend geht in die andere Richtung“, sagt Holger Käding, Inhaber Music-Adventure aktiv in Hennef. „Ich hoffe nur, dass die Industrie die Erhöhung flächendeckend durchsetzt und sie nicht nur die Einzelhändler trifft. Wir schreiben in diesem Jahr sehr gute Zahlen, können aber dennoch die Preise mit Blick auf die Mitbewerber nicht anpassen: 34,99 Mark sind die Schmerzgrenze – das geht zu Lasten der Marge.“ Käding setzt verstärkt auf Zusatzgeschäfte wie Pokémon-Merchandising, Kartenvorverkauf und die Vinylabteilung: „Mit Vinyl machen wir einen Umsatzanteil von drei bis vier Prozent.“ Auch Stefan Wulf, Geschäftsführer VEB Michelle in Hamburg, erklärt: „CDs müßten billiger sein. Bei vielen Produkten liegt der HAP bei 26 Mark. Das müssen wir den Kunden zunächst erklären.“ Wulf reagiert beim Einkauf auf die Anpassung: „Wir setzen verstärkt auf Nischenprodukte und stellen nur noch ein Exemplar der aktuellen CD von Sabrina Setlur ins Regal und nicht zehn. Plattenfirmen sollten Läden unserer Größenordnung unterstützen, denn hier können sie heute sehen, was sich morgen gut verkauft.“ Federico Pruß, stellvertretender Filialleiter Schaulandt Braunschweig, überrascht die Anpassung nicht: „Die jährliche Erhöhung des HAP hat Tradition. Aber CDs sind in Deutschland noch am günstigsten in Europa: Kunden können jede gängige CD zu Preisen zwischen 18 Mark und 24 Mark bekommen – von Gewinnen kann da keine Rede sein.“ Er kritisiert, dass „der Handel nicht nach dem kaufmännischen Prinzip rechnet, sondern die Tiefpreispolitik der Mitbewerber die Grenze für die Kalkulation setzt. Somit sind die Musikfirmen in der Lage, den HAP zu erhöhen, während gleichzeitig Tonträger in den vergangenen zehn Jahren zu konstanten Preisen und zum Teil unter Einkaufspreis verkauft wurden.“ Peter Hyngar, Abteilungsleiter ProMarkt Göttingen, erwartet positive Impulse von günstigeren CDs: „Der HAP müsste um rund 20 bis 25 Prozent sinken. Darüber sollten wir eine Alternative zum Brennen schaffen können, denn bessere Preise wären für viele Interessenten ein Grund, weniger CDs zu kopieren. Ich verstehe nicht, warum die Industrie das nicht erkennt.“ Ein Problem sieht er darin, dass viele Käufer die Service-Orientierung des Handels ausnutzen: „Wir nehmen CDs auch unversiegelt zurück. Doch es gibt Kunden, die immer wieder CDs umtauschen, die sie sicher vorher gebrannt haben.“ Dagegen meint Steffen Rullmann, Inhaber des aktiv Musikmarkts in Grimma: „Die Preise sollten nicht weiter steigen, aber Schwarzbrenner holen wir auch mit günstigeren CDs nicht mehr zurück. Als aMM-Mitglied bekomme ich relativ gute Konditionen, so dass sich die Situation nicht auf die Verkaufspreise auswirkt. Außerdem schauen Kunden, die auf eine neue CD heiß sind, nicht auf den Preis. Schnäppchenjäger kommen erst ab der zweiten Woche nach Veröffentlichung.“