Handelsumfrage zum ersten Quartal 2001

musikwoche.de fragte Tonträgerhändler nach ihrer Umsatzlage im ersten Quartal 2001. Die Antworten spiegeln vielfach deutliche Kritik an der Veröffentlichungspolitik der Plattenfirmen wider.

Ein Plus von 20 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal 2000 verkündet Markus Korte, stellvertretender Abteilungsleiter Tonträger beim Media Markt Paderborn. Verantwortlich für den Aufschwung sei, „dass wir jetzt ans PhonoNet angeschlossen sind und somit viel schneller bestellen und besser auf Kundenwünsche eingehen können“. Zu den Umsatzrennern zählt er die No Angels sowie die CDs von Dido und Jennifer Lopez, die „angenehm überraschten“. Etwas rückläufig sei das Geschäft mit CD-Maxis. Hier bemängelt Korte, dass die Singles oft in zu starker zeitlicher Nähe zum zugehörigen Album veröffentlicht würden. Positiv seien die DVD-Verkäufe, während VHS-Videos „extrem rückläufig“ seien.

„Recht unterschiedlich“ für seine beiden Geschäfte fällt die Quartalsbilanz von Hugo Heinzen aus. Die Plattenkiste Bad Neuenahr machte fünf Prozent minus gegenüber dem ersten Vierteljahr 2000. 15 Prozent plus verzeichnete dagegen der Aktiv Musik Shop in Rheinbach. „Der befindet sich noch in der Aufbauphase“. Als Shop im Shop bei Interfunk, einem Anbieter von DVD-Playern, sei der DVD-Verkauf in diesem Geschäft bedeutend mit zehn Prozent Umsatzanteil. Musik-DVDs seien zwar im Kommen, machten aber bislang nur acht Prozent am gesamten DVD-Umsatz aus. Bei den Tonträgern seien unter anderem die Alben von Wheatus, Crazy Town und Dido sowie die Produkte regionaler Größen wie Brings, Höhner und Bläck Fööss gut gelaufen. Insgesamt biete die Industrie viel zu viele VÖs und gerade zu Jahresbeginn „zu wenig Highlights“.

Auch Hans Satzinger, Verkaufsleiter Tonträger in der Hauptfiliale von Saturn in Frankfurt/Main, beklagt eine „Armut an hochkarätigen VÖs“ im ersten Quartal. Dadurch und aufgrund stärkerer Konkurrenz durch zusätzliche Outlets in der Mainmetropole sei „eine Delle“ in der Umsatzentwicklung zu verzeichnen. Positiv seien die Ergebnisse bei Limp Bizkit, Dido, Orange Blue, Ayman und Söhne Mannheims. Die Verkäufe des letzten Maffay-Albums seien nach den ersten Tagen deutlich „weggebrochen“. CD-Maxis machten laut Satzinger statt sieben Prozent im ersten Quartal 2000 nur noch vier Prozent am Gesamtumsatz aus. Hier müsse sich die Industrie Gedanken über eine „attraktivere Preisgestaltung“ machen.

Hannelore Althen, Inhaberin Musikhaus Althen & Claussen in Schwerin, ist froh, dass sie auch Musikinstrumente und Noten verkauft, denn das Tonträgergeschäft im Pop-Bereich sei in diesem Jahr „enttäuschend“ angelaufen. Am erfolgreichsten waren immer noch die Beatles und der Buena Vista Social Club, die „Tatort“-Songs von Manfred Krug und Charles Brauer sowie die Niemann-Maxi „Im Osten“. Der Singles-Bereich habe aber noch stärker als der Longplay-Sektor abgenommen.

Klaus Georg Siemer, geschäftsführender Gesellschafter SiTo aktiv Musik Lüneburg, kritisiert das Angebot der Plattenfirmen an massenattraktiven VÖs in den ersten Monaten des Jahres als „noch schlimmer als sonst“. Der Umsatz war „auf jeden Fall schlechter“ als im Vorjahr. Dido, Eminem, Eric Clapton und nach wie vor Coldplay liefen bei ihm noch mit am besten. Zuwachsraten gebe es im Vinyl-Bereich, der sich durch stabile Maxi-Verkäufe bei HipHop und Dance auf fünf bis sieben Prozent des Umsatzes gesteigert habe. Die Industrie müsse ihre größeren Themen einfach übers Jahr besser verteilen, mahnt Siemer an, der sich zudem wundert, dass die Industrie oft Muster schicke und dann wochenlang die VÖs herauszögere, so dass sich viele Kunden die Sachen schon als Import besorgen, wie bei Papa Roach.