GUN-Geschäftsführer Wolfgang Funk im Gespräch

Acht Jahre nach der Gründung schafft Gun Records mit der finnischen Gruppe HIM den Sprung an die Spitze der Charts. MUSIKWoche fragte Geschäftsführer Wolfgang Funk nach den Geheimnissen seines Erfolgs und seinen Plänen für die Zukunft.

MUSIKWoche: Kaum sind die Umzugskisten ausgepackt, schon ein Nummer-1-Hit: Worauf muss sich die Branche einstellen, wenn GUN Records erst wieder voll einsatzbereit ist?

Wolfgang Funk: Der Umzug aus der Provinz Witten in die Kleinstadt Bochum war nicht so spektakulär. Allerdings ist es ein tolles Gefühl, die Einweihungsparty mit unserer ersten Nummer-1-Chartposition feiern zu können. Definitiv kann sich die Branche auf weitere Kuriositäten wie eine Provinzband in den Top 10 oder eine finnische Metalband auf Platz 1 einstellen.

MW: Was steckt hinter dem Erfolg von HIM? Welche Marketing-Maßnahmen wurden ergriffen? Liegt es nur daran, dass Roland Emmerich die Single in seinem neuen Film einsetzt?

Funk: Nein, ein Film allein macht noch keinen Hit, vor allem nicht, wenn der Film so floppt wie „The 13th Floor“. Hinter dem Erfolg von HIM steckt eine zweijährige Aufbauarbeit mit zwei Deutschland-Tourneen, Auftritten auf allen großen Festivals, Videos und mehreren Marketing- sowie Promotionkampagnen im Vorfeld. So konnten wir eine Menge Fans binden. Mit deren Hilfe und in Verbindung mit der Filmkampagne war es uns möglich, die Single in die Top 30 zu bringen, und erst dann konnten wir auch den letzten Videokanal und die Format-Radios überzeugen, daß „Join Me“ Hitpotential hat. Der Rest war Eigendynamik mit Marketingunterstützung.

MW: Wo liegen Ihrer Meinung nach die Vorteile der neuen Struktur unter dem Dach von BMG Musik?

Funk: In erster Linie bleibt für uns alles beim Alten. Wir können weiterhin in Ruhe kreativ arbeiten, was das von Thomas M. Stein initiierte Satellitennetzsystem der Joint-Ventures immer bezweckt hat, das uns letztendlich zum Erfolg führte. Der neue positive Aspekt dieser Struktur ist, dass BMG Köln näher ist als BMG München und wir noch schneller und flexibler reagieren können.

MW: Was sind die Vorzüge eines zweiten Label-Standbeins wie Supersonic? Sind noch weitere Sublabels denkbar oder gar in Planung?

Funk: Nein, zur Zeit nicht. Ich bin auch ein erklärter Freund des Spezialistentums: „Schuster bleib bei Deinem Leisten.“ Wir werden uns weiterhin um Rockmusik in all ihren Facetten kümmern. Supersonic ist auch erst entstanden, als wir merkten, daß wir durch unsere ersten Erfolge im Metal-Bereich mit Grave Digger, Rage und Running Wild mit den Rockthemen doch manchmal bei den falschen Redakteuren gelandet sind und dadurch mehr für Verwirrung sorgten. So hat jetzt jede Musikrichtung ihre eigene Marke beziehungsweise Schublade, Verwechslungen sind dadurch ausgeschlossen. MW: Auf dem Album „Razorblade Romance“ von HIM befindet sich ein Kopierschutz, den BMG Entertainment und Sonopress entwickelte. Was halten Sie davon?

Funk: Wir haben die Idee von Anfang an unterstützt, obwohl natürlich etwas Angst vor den möglichen Kinderkrankheiten des Systems herrschte. Das Ergebnis ist äußerst positiv, wir haben angesichts von über 150.000 verkauften Einheiten nur 50 oder 60 Beschwerden bekommen, dass sich die CD nicht abspielen lasse.

MW: Wo sehen Sie den Schwerpunkt Ihrer Arbeit? Im Business-Teil oder noch immer bei A&R?

Funk: Beides sind absolute Schwerpunkte, aber mit schlechter Musik kannst du noch soviel Marketinggeld in die Hand nehmen, und es wird nicht funktionieren. Der erste Schwerpunkt liegt also definitiv auf der A&R-Arbeit und der zweite im Marketingbereich. Aber man darf keinen der beiden Bereiche vernachlässigen.

MW: Wie hat sich die Einbettung in den BMG-Verbund bewährt? Sicher gab es nicht nur Höhepunkte wie jetzt.

Funk: Wir können froh sein, und ich kann es nicht oft genug betonen, diese Chance von der BMG erhalten zu haben, und dass eine Persönlichkeit wie Thomas M. Stein, gerade in der schwierigen Aufbauphase, sich immer wieder schützend vor uns gestellt und uns den Rücken gestärkt hat. Der jetzige Erfolg gibt ihm recht. Dazu kommt, dass sich die Zusammenarbeit GUN/BMG, gerade durch die Installierung der BMG-Köln, nahezu perfektioniert hat.

MW: Haben Sie sich in den vergangenen zehn Jahren auch schon mal überlegt, einen anderen Job zu machen? Wenn ja, welchen?

Funk: Ja natürlich, gerade in den Phasen, wo es mal nicht so läuft, kommt man auf solche Gedanken. Und ich könnte mir gut vorstellen, im Fußballgeschäft als Spielervermittler oder Clubmanager tätig zu sein. Erstens kann man dort eine schöne Stange Geld verdienen, und zweitens ist Fußball neben Musik und Motorradfahren ein weiteres Hobby von mir.

MW: Guano Apes, Glow und HIM – wie geht es weiter bei GUN? Wo liegen die Schwerpunkte in diesem Jahr?

Funk: Im März kommt die neue Single der Guano Apes: „Big in Japan“ aus Herbert Grönemeyers Projekt „Pop 2000“. Das neue Album der Guano Apes ist ein absoluter Knaller und wird noch im Sommer veröffentlicht. Und für den Herbst dieses Jahres haben wir – wie bereits angedeutet – einige Überraschungen geplant.