Gravity Kills in der Zwickmühle

Ein Hit kann ein zweischneidiges Schwert sein, das mußten die Elektro-Metaller von Gravity Kills erfahren. Das Quartett aus St. Louis hat beeindruckende Zahlen vorzuweisen: Sein gleichnamiges Debüt von 1996 verkaufte allein in den USA eine halbe Million Exemplare; der Song „Guilty“ hielt sich ein halbes Jahr in den dortigen Radio-Charts; die Band spielte insgesamt 300 Gigs und bestritt die gesamte Reunion-Tour der Sex Pistols als Vorgruppe.

“Beim zweiten Album rebellierten wir in echter Rock’n’Roll-Manier gegen das erste“, meint Sänger Jeff Scheel. „Ihr wollt ein neues,Guilty‘? Fuck you!“ Das sei zwar die Reaktion unreifer Heranwachsender gewesen, setzt der Vokalist selbstkritisch hinzu, doch man habe eben von allen Seiten Druck bekommen. „Es ist eine Lage, in der man nicht gewinnen kann. Hätten wir einen neuen Radio-Hit gehabt, hätte man uns beschuldigt, Fließbandware zu produzieren. Jetzt mäkeln die Kritiker, auf dem Album sei kein neues,Guilty‘ drauf.“

Das Album, um das es geht, heißt „Perversion“ (Epic/Sony Music) und enthält, zumindest auf den ersten Blick, tatsächlich keinen Hit. Man müsse sich schon etwas näher mit der Musik beschäftigen, meint Scheel unbekümmert, erst dann kämen die wahren Stärken dieser Scheibe zum Vorschein. Womit er Recht hat.