Aktien von Entertainment-Firmen sind derzeit der Renner an den deutschen Börsen. Michael Haentjes‘ edel Music AG beispielsweise ging am 2. September an die Börse; sie startete mit einer Notierung von rund 101 Mark am Neuen Markt in Frankfurt (). Seitdem beständig (siehe Grafik), und mittlerweile hat er sogar die 400-Mark-Grenze überschritten.
Erster Handelstag: 2. September 1998; Emissionspreis: 98 Mark; erster Börsenpreis: 101 Mark; Emissionsvolumen: 786.471 nennwertlose Stückaktien; zugelassenes Kapital: 19,45 Millionen Mark; Aktionärsstruktur: 77,6 Prozent Michael Haentjes, 22,4 Prozent Streubesitz Ebenfalls im September ging die Deutsche Entertainment AG aus Berlin an den Neuen Markt (): Das Firmenkonglomerat, dessen Vorstandsvorsitzender der Konzertunternehmer Peter Schwenkow ist, vereint unter anderem die Firmen Coco Tours, Concert Concept, La Isla Entertainment sowie verschiedene Spielstätten wie die Waldbühne Berlin unter dem Dach einer Aktiengesellschaft. Gerade erst übernahm das Unternehmen den Kölner Tourneeveranstalter Balou (). Der offizielle Schlußkurs der Aktie am 9. Dezember betrug 172 Mark.
Ersthandelstag: 14. September 1998; Emissionspreis: 69 Mark; erster Börsenpreis: 72 Mark; Emissionsvolumen: 692.680 nennwertlose Stückaktien; zugelassenes Kapital: 10,917 Mio. Mark; Aktionäre: 39,9 % Peter Schwenkow, je 8,1 % Frank Reinhardt und Klaus Ulrich, 8,9 % Carl-Philipp Graf von Hardenberg, 35 % Streubesitz EM.TV heißt eine weitere Erfolgsgeschichte in Sachen Börsengang: Nach dem expandierte das Unternehmen kräftig und konnte seinen Aktionären bald eine überaus positive Halbjahresbilanz vorlegen (). Zuletzt puschte eine den Kurs noch einmal kräftig nach oben. Erster Handelstag: 30. Oktober 1997; Emissionspreis: 34 Mark; erster Börsenpreis: 35,50 Mark; Emissionsvolumen: eine Million nennwertlose Stückaktien (nach Zwei-zu-eins-Split am 17. August 1998); zugelassenes Kapital: 20 Millionen Mark; Aktionärsstruktur: 70 Prozent Familie Haffa, 30 Prozent Streubesitz
Und es werden wohl noch mehr Börsengänge stattfinden: Unter anderem können Anleger schon im kommenden Jahr bei der Firma G.I.B. Music AG aus Unterhaching einsteigen oder sich etwa an der beteiligen. Aber auch der Entertainment-Bereich der Sony Corporation strebt möglicherweise den Gang an die Börse, also ein Initial Public Offering (IPO), an: Dahingehende Spekulationen kamen erst kürzlich auf, weil die beiden Geschäftsführer Thomas Mottola (Sony Music Entertainment) und John Calley (Sony Pictures Entertainment) künftig offenbar direkt an Howard Stringer, Chef der Sony Corp. USA, berichten sollen (). In der Ausweitung von Howard Stringers Kompetenzen sehen Beobachter einen eindeutigen Hinweis darauf, daß die Sony-Entertainment-Division gebündelt und auf einen Börsengang vorbereitet wird. Daß zumindest zwei Entertainment-Aktien derzeit heiße Tips für Anleger sind, darauf weist Bernard Tubeileh hin, Analyst für den US-amerikanischen Finanzdienstleister Merrill Lynch & Co. in Frankfurt: In Aktien von edel und EM.TV & Merchandising, so empfiehlt der Börsenfachmann, könne man guten Gewissens langfristig investieren. „Mit einem Marktanteil von etwa drei Prozent ist edel die führende unabhängige Full-Service-Music-Company in Deutschland“, sagt Tubeileh. „Wir erwarten für edel Umsatzzuwächse von durchschnittlich 16,4 Prozent pro Jahr.“ Ralf Nitschke, Leiter des Ressorts Geldanlage beim Wirtschaftsmagazin „Capital“, warnt indes vor allzu großer Euphorie auf der Anlegerseite: „Die Hausse der Unterhaltungsaktien ist nach den spektakulären Kursanstiegen äußerst anfällig für Kurskorrekturen. Anleger sollten den steigenden Notierungen nicht blindlings nachrennen.“
Ulrich Blum Financial Controller Rough Trade Records GmbH
Der Börsengang als Chance für den Aktienerwerber einerseits und Risikominderung für die Firma andererseits ist eine hervorragende Basis für die Gesellschaften in der Branche, deren Geschäftsbetrieb auf einem hohen Kapitalbedarf beruht und einer mehr kommerziellen Ausrichtung Rechnung trägt. Rough Trade Deutschland mit seinen eher in die Breite gehenden Wurzeln ist hier weder für den Anleger noch für die Absicherung der Firma in einer Situation, die diesen Gang begünstigen würde. Wobei wegen der Zugehörigkeit zur Zomba-Gruppe eine Entscheidung dieser Art nicht ausschließlich die Firma in Deutschland zu treffen hätte. Ein solcher Gang ist derzeit auch nicht vorgesehen.“
Hubert Wandjo Geschäftsführer eastwest records GmbH
Der Börsengang kann zum einen finanzielle Mittel generieren, um notwendige Investitionen vorzunehmen und um Arbeitsplätze zu sichern. Außerdem belegt die positive Entwicklung der Aktienkurse das Vertrauen der Investoren in die Zukunftschancen des Entertainment-Bereichs. Zum anderen ist die Maxime des Shareholder Value, die bei den meisten börsennotierten Unternehmen greift, nicht notwendigerweise gesund für das, was wir Artist Development nennen und die Zukunft unserer Branche sichert.
Jack White Vorstandsvorsitzender Jack White Productions AG
Ich habe mich in den letzten Jahren verstärkt auf den deutschen Markt kon-zentriert. Jetzt lege ich mein Augenmerk wieder mehr auf internationale Aktivitäten, speziell in den USA. Dort werde ich mit drei anderen Firmen kooperieren und ein eigenes Label gründen, und für diese Expansion bietet sich der Gang an die Börse an. Er wird schätzungsweise mit einer Kapitalerhöhung von 2,5 Millionen Mark verbunden sein und unseren Stand im internationalen Business festigen. Michael Haentjes hat es vorgemacht: Der Erfolg der edel music AG an der Börse ist spektakulär.
Ralph Siegel Geschäftsführer Siegel Musikverlage und Jupiter Records
Sicher ist der Börsengang ein interessanter Gedanke, um in der wohl verworrenen Plattenindustrie Kapital zu schaffen – selten haben hier so viele Fusionen, Übernahmen und Pleiten stattgefunden. In einigen Fällen wie in dem der edel music AG ist dies mit Recht erfolgreich, in anderen hat man so ein bißchen das Gefühl: gestern Monopoly, heute Golf, morgen an die Börse. Aber an welche wohl?





