Eine Brücke von Zarah Leander zu Helmut Kohl

Wenige Tage vor Birmingham versuchen sich die Medien gegenseitig mit Beiträgen über Guildo Horn zu übertreffen. Auch auf dem Umschlag des Schlagerbuchs von Andre Port le Roi prangt Guildo, obwohl er im Text als „stümperhafter Musiker“ sein Fett abbekommt.

Jedoch geht es dem Autor gar nicht um vordergründige Horn-Stimmungsmache. „Deutscher Schlager und Politik in ihrer Zeit“ – so der Untertitel – stehen im Mittelpunkt der sehr fundierten Arbeit, mit der er die Brücke von Zarah Leander bis Helmut Kohl schlägt. Er analysiert den deutschen Schlager im gesellschaftspolitischen Koordinatensystem des 20. Jahrhunderts – von seinen Wurzeln in der Operette und den wilden Zwanzigern über Drittes Reich und 50er-Jahre-Fernweh eines Rudi Schuricke bis hin zum aktuellen Boom der volkstümlichen Musik. Guildo Horn und Birmingham sind aus dieser Perspektive eher Randerscheinungen.

Andre Port le Roi: Schlager lügen nicht; Klartext; ISBN 3-88474-657-X; 224 Seiten; 19,80 Mark