Die Fusion von PolyGram und Universal kommt ins Rollen – allerdings mit Hürden

Nach der Genehmigung der Übernahme von PolyGram durch Seagram durch die EU-Kommission nimmt jetzt die Struktur des neuen Tonträgergiganten PolyGram/Universal Gestalt an. Die PolyGram-Division International Classics & Jazz wird aller Voraussicht nach in zwei selbständige Bereiche aufgeteilt. Die Klassikabteilung soll dann direkt an Jorgen Larsen, Chairman Universal International, berichten, während die Jazzabteilung Zach Horowitz, Präsident der Universal Music Group in den USA, unterstehen soll. Auch die Publishing-Division wird wahrscheinlich an Horowitz berichten. Seriöse amerikanische Zeitungen wie das „Wall Street Journal“ berichten von einem möglichen „Exodus“ von PolyGram-Verantwortlichen in Schlüsselpositionen. So weigert sich Roger Ames, weltweit hochgeschätzter Musikchef von PolyGram, bislang beharrlich, sich über seine Zukunftspläne zu äußern. Ames hält mit seiner Familie den Mehrheitsanteil am wichtigen Label London Records. Der Kontrakt von London Records U.S. mit PolyGram läuft in einem Jahr aus, und Gerüchte besagen, Ames könnte dann die restlichen Anteile an der Plattenfirma erwerben und mit London und umsatzträchtigen Künstlern wie All Saints eigene Wege gehen. Danny Goldberg, derzeit Chairman von Mercury Records, sah sich aufgrund von Abwanderungsgerüchten zu einem Dementi genötigt und erklärte gegenüber seinen Mitarbeitern, er werde den Konzern nicht verlassen. Böses Blut verursachte indes die kostspielige Verpflichtung der Boston Consulting Group durch Seagram, die mit mehr als 50 Teams die PolyGram-Strukturen durchforstet. Ziel ist die Reduzierung der laufenden Geschäftskosten um rund 300 Millionen Dollar – doch Seagram gibt allein für die Untersuchung 25 Millionen Dollar aus.