Die Auswirkungen der Fusion von Time Warner und AOL

Eine Woche nach der Bekanntgabe der Fusion der amerikanischen Unternehmen Time Warner und America Online (AOL) sind die Auswirkungen auf die Medienlandschaft immer noch ein vieldiskutiertes Thema.

Fest steht, dass sich das neue Unternehmen in einer exzellenten Position befindet, in der es künftig sowohl den Zugang zum Internet als auch Inhalte für die Online-Plattformen bieten kann. Ob der Zusammenschluß die von vielen Medien ausgerufene „digitale Revolution“ beschleunigt, bleibt abzuwarten. Sicherlich ergänzen sich die Unternehmen sehr gut. Time Warner kann künftig Musik und Informationen auf den AOL-Seiten zur Verfügung stellen und erhält so einen starken Vertriebskanal für die 22 Millionen Internetkunden von AOL. Das Internet-Unternehmen dagegen beseitigt mit dem Zusammenschluss die Schwäche, die viele Provider haben: mangelnde Inhalte. Außerdem erhöhen die neuen Cross-Marketing-Stimmen die Bekanntheit des Providers. In Amerika fällt ein weiterer Aspekt für die Fuson ins Gewicht: Time Warner besitzt ein Kabelnetz, das 13 Millionen Konsumenten erreicht. Die Kabelnetze werden in den Staaten in den nächsten Jahren eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung der sogenannten Breitband-Technologie spielen. Über die Netze lassen sich im Vergleich zum herkömmlichen Online-Zugang per Telefon bis zu 1000-mal mehr Daten übertragen. Die Fusionspartner Time Warner und AOL unterscheiden sich in ihrer Größe sehr: Der weltweit größte traditionelle Medienkonzern beschäftigt 70.000 Mitarbeiter, der Gewinn betrug 1998 – bei einem Umsatz von 26,8 Milliarden Mark – 168 Millionen Mark. Sein Einfluss in den Sparten Film, Musik und Print ist enorm. So verkaufte Time Warner beispielsweise im letzten Jahr 119 Millionen Alben, was einem Marktanteil von 16 Prozent entspricht. 120 Millionen Menschen lesen die 33 Zeitungen und Zeitschriften, die unter dem Dach von Time Warner erscheinen. America Online bringt in den Deal vor allem 22 Millionen Internet-Kunden mit ein – AOL ist weltweit der größte Provider – sowie die Software-Firma Netscape, die einen der beliebtesten Internetbrowser programmierte. Die Marktzahlen sprechen außerdem eine deutliche Sprache: Mit gerade 12.000 Mitarbeitern hat AOL 1999 bei einem Umsatz von knapp fünf Milliarden Mark einen Gewinn von 762 Millionen Mark erzielt. Dass die Fusion in dieser Form überhaupt zustande kommen konnte, verdankt AOL vor allem dem Bonus, den Börsianer den Unternehmen aus dem Bereich „Neue Medien“ seit einiger Zeit gewähren. Die hohen Kurse von Firmen wie Yahoo oder Excite orientieren sich an der Bedeutung, die diese Firmen am Medienmarkt der Zukunft haben sollen. So war es möglich, dass AOL – und nicht Time Warner – mit 55 Prozent die Mehrheit am Gesamtkonzern besitzen wird. Der Bekanntgabe des Deals, die am zehnten Jahrestag der Fusion von Time und Warner erfolgte, gingen Verhandlungen voran, die sich über vier Monate erstreckten. Sie begannen, als sich die Chairmen und CEOs der Unternehmen, Steve Case und Gerald Levin, im September in Paris gemeinsam eine Tagung leiteten. Zwei Wochen später trafen sich die beiden erneut in Shanghai anläßlich einer Konferenz und verbrachten, so amerikanische Zeitungen, fortan viel Zeit miteinander. Zuerst hatten Case und Levin nur eine Partnerschaft in Teilbereichen der Unternehmen vereinbart, bis sich später der Gedanke einer Fusion herauskristallisierte. Eine Blitzumfrage der MUSIKWoche zur Elefantenhochzeit finden sie