Wer den Rummel um die neunte Vergabe des Deutschen Schallplattenpreises miterleben konnte, wird die Sorge der Hamburger Kultursenatorin Dr. Christina Weiss nachvollziehen können: Eine Veranstaltung mit einem so großen internationalen Interesse von Seiten der Medienberichterstatter, der Musikindustrie, der Stars und nicht zuletzt der Fans findet in Deutschland nur selten statt. Da dürfte verständlich sein, dass auch beim Echo der Hauptstadtsog seine Wirkung zeigt. Doch noch kamen die Fans in die Hansestadt. Die Hundertschaften von Teenies waren weder zu übersehen, noch zu überhören. Vor und im Congress Centrum CCH warteten die Autogrammjäger auf ihre Idole, und im Saal hatten Tom Jones, Tina Turner oder Sascha Mühe sich Gehör zu verschaffen. Bereits am Vorabend der Preisverleihung drängten sich die Zaungäste vor der Alten Börse, wo die Stars und ihre Macher Spenden beim Nordoff/Robbins-Fundraising-Dinner sammelten. Bei dieser Gelegenheit kündigte Walter Lichte seinen Rückzug als Geschäftsführer der Stiftung an. Er wird in den Aufsichtsrat wechseln. Rund 500.000 Mark kamen dann bei der Kollekte für die Musiktherapie an der Privatuniversität Witten-Herdecke zusammen. Neben der Versteigerung von Werbezeiten-Paketen auf Viva und MTV trug auch Monti Lüftner mit einem Scheck über 100.000 Mark von den Teilnehmern seines Monti Cup zum Füllhorn der Wohltätigkeit bei. Und für alle Teilnehmer des Dinners ging dann noch der Hut rum: Künstler wie Jazzy Tic und Lee Tac, Mousse T., Stumpen von Knorkator oder AnNa R. von Rosenstolz sammelten an den Tischen das Kleingeld ein. AnNa R., die zu den Mitbegründern der Initiative „Musik hilft – Musiktherapie für Folteropfer in Berlin“ zählt, engagiert sich zudem bei der Zusammenstellung eines Benefiz-Samplers zugunsten der Nordoff/Robbins-Stiftung. Und bei der besagten Versteigerung liessen sich die Anwesenden auch nicht lumpen: Für jeweils 55.000 ersteigerte Mercury-Chef Boris Löhe Werbezeit bei Viva und MTV. Ein zusätzliches Spot-Kontingent auf Viva ging für 51.001 Mark an Jörg Hellwig, Geschäftsführer von Polydor. Für das zweite MTV-Werbepaket erhielt Epic-Boß Jörg Hacker den Zuschlag. 50.020 Mark bot er dafür. „Eigentlich wollte ich ja die Rolex. Aber da bin ich wohl in der Zeile verrutscht“, so sein Kommentar. Die Nobeluhr hatte es wohl vielen angetan. So bot dem Vernehmen nach auch Moses P. für das edle Stück, wurde allerdings von Dr. Kirsten Glück um 500 Mark und mit einer Gesamtsumme von 20.500 Mark überholt. Schließlich kam dann auch noch Matthias Rewig, Geschäftsführer der NHB Studios, für 5500 Mark an einen Luxusurlaub in Kalifornien. Es ging also hoch her. Auch bei der After-Show-Party nach dem dreistündigen Echo-Sitzmarathon. Und eng ging es zu dort. Bei rund 3000 Gästen kein Wunder. Aber immerhin kam man sich so näher und konnte vortrefflich über die Highlights der Preisverleihung fachsimpeln. Für Gesprächsstoff sorgte neben dem berührenden Auftritt von Hildegard Knef auch die Dankesrede von Stefan Raab. In Anspielung auf die Plagiatsvorwürfe gegen seinen Grand-Prix-Hit „Wadde hadde dudde da?“ hielt der Tausendsassa dagegen: „Hier im Parkett“, gemeint waren die Vertreter der Branche, „sitzen mindestens 80.000 Jahre Knast.“ Alle klatschten und grölten – keiner fühlte sich angesprochen. Und zur Abrundung gab’s auf der Party insgesamt 1000 Flaschen Champagner, 950 Flaschen Wein, 7000 Cocktails und 3000 Liter Bier. Alles in allem also ein gelungener Abend.
Deutscher Schallplattenpreis Echo 2000
Mögen die Grammys bekannter oder die Brit Awards skandalträchtiger sein, mit dem Echo 2000 hat die Deutsche Phono-Akadamie wahrlich internationales Format bewiesen. Und wieder einmal für Gesprächsstoff gesorgt.



