Recorded & Publishing

Gardiner versucht es im Alleingang

Dirigent Sir John Eliot Gardiner will ein Mammutprojekt ohne die Unterstützung einer Plattenfirma verwirklichen. Nachdem sein Vertragspartner Deutsche Grammophon ihn schon vor einiger Zeit aus dem Kontrakt entlassen hat, will Gardiner nun mit seinem eigenen Label sämtliche Bach-Kantaten einspielen und auf CD veröffentlichen.

Dirigent Sir John Eliot Gardiner will ein Mammutprojekt ohne die Unterstützung einer Plattenfirma verwirklichen. Nachdem sein Vertragspartner Deutsche Grammophon (DG) ihn schon vor einiger Zeit aus dem Kontrakt entlassen hat, will Gardiner nun mit seinem eigenen Label sämtliche Bach-Kantaten einspielen und auf CD veröffentlichen. Insgesamt sollen es über 50 Alben werden, die Gardiner eigentlich noch bei der DG herausbringen wollte, doch nach einer für ihn überraschenden Vertragsauflösung kam es nicht mehr zur Umsetzung. Die Bach-Werke sollten allesamt im Rahmen einer Tournee live eingespielt werden.

Nach der Trennung von DG behielt Gardiner die Rechte an den bis dahin fertigen Aufnahmen, nun finanziert er den Löwenanteil der restlichen Produktion mit Hilfe von privaten Finanziers und Publikumsspenden. Auf diese Weise kamen bereits mehrere Hunderttausend Euro zusammen, Prince Charles übt sich zudem als Schirmherr des Projekts. Gardiner wird die Bach-Aufnahmen auf seinem Label Soli Deo Gloria (SDG) veröffentlichen, das er nach dem lateinischen Vermerk (Gott allein die Ehre od. Nur zu Ehren Gottes) benannte, den Johann Sebastian Bach unter seine Kompositionen setzte. „Ich finde mich plötzlich in einer Situation wieder, in der die Majors interessantes Material nicht mehr aufnehmen lassen, und in der eine neue Generation junger Künstler der bereichernden Erfahrung einer professionellen Studioaufnahme beraubt werden. Denn die großen Labels lassen die Jungen einfach fallen, es sei denn, sie lassen sich in nasse Bikinis zwängen“, klagte Gardiner gegenüber dem „Guardian“.

Der Alleingang, den der Stardirigent nun zusammen mit seiner Produzentin Isabella de Sabata wagt, wird aus Kostengründen ebenfalls auf Studioaufnahmen verzichten und stattdessen nur Live-Einspielungen auf CD pressen lassen. Um das Bach-Projekt kostendeckend umsetzen zu können, müssen von jeder der CDs zwischen 4000 und 5000 Exemplare verkauft werden. De Sabata gibt sich jedoch zuversichtlich, dass dieses Ziel zu erreichen ist.