Bei der Konferenz „Digital Distribution and the Music Industry“ (ddmi) diskutierten am 2. und 3. April Executives aus der Musikbranche und diverser Internetfirmen sowie Berater und Künstler über die Probleme der Internetregulierung und der Zukunft der Online-Musikindustrie. Dabei gab es zwar keine greifbaren Antworten, aber die Kongressteilnehmer waren sich einig, dass es möglich sei, ein Umfeld für einen tragfähigen digitalen Einzelhandel mit Musik zu schaffen. Allerdings gab es zweierlei Ansichten darüber, welchen Weg dieser Markt künftig beschreitet.
Während einige Referenten den Tod der traditionellen Musikbranche voraus sagten, blickten andere zuversichtlich in Zukunft, die für sie durch neue Lizenzgeschäfte geprägt sein wird. Keine „Schloss-undSchlüssel-Mentalität“ So vertrat Jim Griffin, CEO des mit Chrysalis Music Publishing verbunden Musikverlags Cherry Lane, die Ansicht, dass die auf Sicherheit bedachte und restriktive „Schloss-und-Schlüssel-Mentalität“, die die Musikindustrie und Net-Community gegenwärtig entzweit, ein Ende haben müsse.
Er sprach sich dagegen für die Entwicklung von Musikabos mit kundenfreundlichen Verschlüsselungen oder Wasserzeichen in den Musikdateien aus. Viele Teilnehmer erörterten auch die praktischen wirtschaftlichen Probleme, die bei Subskriptionsmodellen entstehen könnten. Fergal Gara, Director New Media bei EMI Recorded Music, plädierte dabei für eine „Zuckerbrot-und-Peitsche“-Strategie: Man solle einerseits versuchen, mit verschiedenen Webfirmen zusammen zu arbeiten, gleichzeitig aber das Urheberrechtsgesetz immer dann einsetzen, wenn es um den Schutz der Rechte von Plattenfirmen geht.
„Für ‚Piratenfirmen‘ wird es sehr schwer werden, ein ansprechendes Angebot zusammen zu stellen“, sagte Gara. „Die Kabel- und Mobilfunkmärkte haben schon seit langem ihre Erfahrungen mit Geschäften auf Subskriptionsbasis gemacht, das kann nun mit Musik analog funktionieren. Uns geht es aber nicht darum, die Bedingungen zu diktieren oder besonders protektiv zu sein. Wenn wir einen überzeugenden Service bieten, wird sich auch der Markt entwickeln.“
Ben Drury, der bei British Telecom für den Musikbereich verantwortlich zeichnet, verkündete in diesem Zusammenhang, dass bereits im nächsten Jahr „theoretisch“ möglich sei, Online-Radiosender über Mobiltelefone zu empfangen. Einige Kongressteilnehmer beurteilten diese Prognose allerdings mit Skepsis. Zur Sprache kam auch der Crash in der New-Media-Branche und welche Geschäftsmodelle nun die vielversprechendsten sein würden. Für viele Internetfirmen mit Musikangeboten gehe es immer noch ums Überleben, hieß es.
Vertreter der Download-Sites Vitaminic und Takeoutmusic indes versicherten, ihre Geschäfte liefen derzeit zufriedenstellend. Beobachter werteten die Veranstaltung insgesamt als gelungen, obwohl keine einheitliche Stoßrichtung der Marktteilnehmer erkennbar war. Viele bedauerten die Terminkollision mit der gleichzeitig stattfindenden Konferenz Plug.In Europe, was dazu geführt habe, dass einige namhafte Referenten dem ddmi-Kongress fern blieben.
Stefan Weikert, New-Media-Chef bei edel records und edel media & entertainment, konstatierte: „Es war zu erkennen, dass sich alle bemühen, an mehreren Fronten die aktuellen Probleme zu lösen.“ Es gehe jedoch weniger darum, ob sich die „großen“ oder die „kleinen“ Marktteilnehmer in dieser Entwicklung durchsetzen: „Wichtig ist, dass alle Player diesen Markt nach vorne bringen.“ Oder, wie es Scott Cohen, CEO des Online-Vertriebs The Orchard, formulierte: „Mit Sicherheit gibt es da etwas am Ende des Regenbogens – wir wissen nur noch nicht, was es ist.‘






