Das digitale Abo als Geschäft der Zukunft

Der Online-Musikmarkt wird explodieren. So lautet der Tenor der jüngsten Studie des Marktforschungsinstituts Jupiter Communications. Neben den weiterhin dominierenden CD-Versendern werden vor allem Abonnementmodelle in Zukunft immmer stärker an Bedeutung gewinnen.

Obwohl sich die Plattenindustrie bis vor kurzem noch mehrheitlich vom Online-Geschäft distanzierte, hat die Netzgemeinde mit ihrem Interesse für unkompliziert zu beziehende Songfiles die Musik im Internet zu einem Massenmarkt werden lassen. Einziges Problem bei dieser Entwicklung: Noch bezahlen zu wenige der Musikfans für die Töne aus dem Netz. Während Industrieverbände wie die Recording Industry Association of America (RIAA) oder die International Federation of the Phonographic Industry (Ifpi) Verluste in dreistelliger Millionenhöhe durch digitale Raubkopien oder Tauschdienste wie Napster, Gnutella oder FreeNet beklagen, prognostizieren Forschungsinstitute wie Jupiter Communications einen massiven Umsatzanstieg durch die Distribution von Musik über das Netz. Für das Jahr 2005 sagen die Marktforscher Online-Ausgaben bis zu 5,4 Milliarden Dollar allein für den US-amerikanischen Musikmarkt voraus. 1999 gaben die US-Bürger noch 387 Millionen Dollar bei Musikdiensten aus, in diesem Jahr sollen es immerhin schon 836 Millionen Dollar sein. Sollten die in der Regel eher konservativen Schätzungen von Jupiter eintreten, würde der Verkauf von Musik übers Netz nahezu ein Viertel des gesamten amerikanischen Musikmarkts ausmachen. 1999 waren es erst 2,7 Prozent, in 2000 sollen es 5,5 Prozent werden. Während die Zahlen in den Jahren 1999 bis 2001 fast ausschließlich auf den Umsätzen der Online-Mailorder-Dienste beruhen, wird sich der Markt der Studie zufolge in den kommenden Jahren stärker aufteilen. Von den für 2005 vorhergesagten Gesamtausgaben für Musik werden dann nur noch 71,8 Prozent auf den Versand von physischen Tonträgern fallen. 9,9 Prozent (oder 531 Millionen Dollar) der Umsätze werden durch individuelle Downloads generiert werden und 18,3 Prozent (980 Millionen Dollar) werden durch digitale Abonnements in die Kassen kommen. Nach Ansicht der Marktforscher zeige die hohe Mitgliederzahl von Tauschdiensten wie Napster (mit rund 22 Millionen registrierten Nutzern), dass Online-Musikfans bei einem Angebot von günstigen Subskriptionsmodellen auch zu Online-Musikkonsumenten werden. Es läge nun an den Plattenfirmen, die potenziellen Käufer davon zu überzeugen, Musik online in besserer Qualität zu kaufen, statt oft schlecht raubkopierte Files kostenlos zu tauschen. Als Empfehlung gibt Jupiter der Industrie mit auf den Weg, sich intensiv mit Abo-Download-Modellen zu beschäftigen und ihre Inhalte auch zügig an Drittanbieter weiter zu lizensieren. Nur so könnten die Einbrüche, die derzeit durch das digitale Raubrittertum entstehen, eingedämmt und die Online-Distribution zu einem gewinnbringenden Geschäftsfeld ausgebaut werden. Die Tatsache, dass der Großteil der Online-Musik umsonst zu haben ist, scheint obendrein kein Hinderungsgrund für die Wachstumsprognosen zu sein. Das Forschungsinstitut PC Data Online fand heraus: 83 Prozent der Nutzer von Online-Musikdiensten sehen die Möglichkeit, Musik vor einem Kauf im Netz anhören zu können, als Hauptvorteil an. 80 Prozent nannten den Zugriff auf ein größeres Musikangebot als Vorteil. Dagegen nutzen lediglich 63 Prozent der Musikfans die Dienste, weil die Ware dort kostenlos angeboten wird.