CSNY: Comeback-Album in Etappen

Drei Jahre lang ließen sich David Crosby, Stephen Stills, Graham Nash und Neil Young Zeit, um an „Looking Forward“ (WEA Records) zu arbeiten, dem gerade mal vierten Album ihrer 31jährigen gemeinsamen Geschichte. Crosby, Stills und Nash arbeiteten gerade – auf eigene Faust und ohne Plattenvertrag – an einem neuen Album.

Dabei kam Stills auf die Idee, Young dazu zu holen, „weil die Titel so soft klangen und ich meinte, daß Neils rauhes Gitarrenspiel uns weiterhelfen könnte“, erzählt der 54jährige im Gespräch mit MUSIKWoche. Die Chemie habe sofort gestimmt, und dann habe Young mehrere Songs präsentiert, „von denen wir begeistert waren“. Das erste Album von Crosby, Stills, Nash & Young hieß „Deja Vu“ („schon mal gesehen“), das neue blickt mit dem Titel nach vorn – fast ein Paradoxon, wie Young einräumt: „Aber es ergibt Sinn, denn Dinge, die man nicht gewaltsam oder allzu überlegt macht, sind doch am besten. Das sind Zufälle, die sich erst im Nachhinein auszahlen.“ Auch wenn der Song „Looking Forward“ durchaus die derzeitige Band-Philosophie ausdrücke, wie Crosby meint, erklärt Young, er habe das nicht im Hinterkopf gehabt, als er den Song schrieb. „Ich saß morgens im Wohnzimmer und schrieb den Titel, bevor meine Familie aufwachte.“ Der unnachahmliche vierstimmige Satzgesang hält „Looking Forward“ zusammen. Er wurde wirklich gemeinsam eingesungen, wie David Crosby beteuert: „Es ist einfach anders, wenn wir vier um ein Mikro herumstehen und gemeinsam singen, als wenn jeder separat singt und das Ganze elektronisch zusammengemischt wird.“ Neil Young ergänzt: „Die Stimmen vermengen sich schon in der Luft und lassen sich nicht mehr trennen.“ In mehreren Etappen nahm das Quartett die neuen Songs auf. Aus einer Session im November 1996 stammt die Stills-Nummer „No Tears Left“; im Januar darauf entstand „Faith In Me“, ebenfalls aus der Feder von Stills. Das Titelstück nahmen die vier im November 1998 auf, ein halbes Jahr, nachdem Nashs „Heartland“ im Kasten war. Die letzten Sessions fanden im Mai 1999 statt – hier war auch Bill Halverson, der Toningenieur der ersten beiden Alben, wieder dabei. Den entscheidenden Kick, die Reunion durchzuziehen, lieferte eine Show von Crosby, Stills & Nash Anfang 1998, als Neil Young im Fillmore auf die Bühne kam, um „Ohio“ und „Carry On“ mit den drei anderen anzustimmen. „Wir hatten uns nie aus den Augen verloren und den Kontakt stets aufrecht erhalten, auch wenn wir uns meist nur im Vorübergehen sahen“, erzählt Stills, der mit Young an einer Box-Collection ihrer gemeinsamen früheren Band Buffalo Springfield arbeitet. Neil Young selbst ist noch immer mit der Zusammenstellung eines Überblicks seiner Solokarriere in einer Multi-CD-Box beschäftigt und will im Februar ein neues Soloalbum vorlegen. Die vier Hippies planen für das Jahr 2000, wenn Graham Nash seinen doppelten Beinbruch auskuriert hat, eine Welttour, doch festnageln lassen wollen sie sich nicht. „Wenn wir jetzt sagen, daß wir im nächsten Sommer kommen, und es nicht klappt, sind alle möglichen Leute enttäuscht. Daher wollen wir uns nicht festlegen“, meint Neil Young.