„Copy Kills Music“ ist gestartet

Auf der Popkomm. fiel der Startschuß für eine breit angelegte Aktion der gesamten Musikbranche: Gemeinsam und mit prominenter Unterstützung will man auf die Folgen von illegalem CD-Brennen aufmerksam machen.

Plattenfirmen, Musikverlage, Verwertungsgesellschaften, Autoren, Künstler und Produzenten ziehen für „Copy Kills Music“ an einem Strang, damit nicht „das Ende vom Lied“ (Slogan der Kampagne) droht. Auftakt der Aktion, die im Herbst mit Anzeigen, TV- und Radio-Spots sowie mit einer Homepage (www.copykillsmusic.de) die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erregen soll, war eine Pressekonferenz auf der Popkomm. Dort erklärten Peter Zombik (IFPI), Kurt Thielen (Zomba Records), Tim Renner (Universal), Wolfgang Orthmayr (WOM World of Music), Thorsten Weßel (VUT), Thomas Hoffmann (3p) sowie Hans-Herwig Geyer (GEMA), warum „Copy Kills Music“ wichtig ist. Schützenhilfe bekamen sie von Sabrina Setlur, Sebastian Krumbiegel (Die Prinzen) und Smudo (Die Fantastischen Vier), die die Aufmerksamkeit der Medien fokussierten und auch künftig durch öffentliche Aktionen helfen wollen. Das von den Akteuren beschriebene Szenario läßt nichts Gutes ahnen: Allein 1999 wird in Deutschland auf über 60 Millionen CD-Rs Musik kopiert, über zehn Millionen davon werden laut Schätzungen illegal verkauft. „Dadurch verliert die Musikbranche ein Umsatzvolumen von 220 Millionen Mark“, so Peter Zombik. Die Prognose: Statt 700.000 CD-Brennern 1998 werden in zwei Jahren bereits 3,4 Millionen solcher Geräte in deutschen Haushalten stehen. „Es drohen Verluste in Milliardenhöhe für die Künstler, die Produzenten und die Plattenfirmen“, prognostizierte der Verbandschef. Nicht nur Jobs seien in Gefahr: „10.000 kopierte CDs vernichten eine Nachwuchsband“, heißt es in den Anzeigentexten der Kampagne, die von der Hamburger Agentur MJM Network betreut und von den Werbeexperten der Firma Zum Goldenen Hirschen umgesetzt wird. Auch MTV und Viva haben ihre Bereitschaft erklärt, die Aktion mitzutragen. „Wir hatten einen sehr guten Start und stießen auf breite Zustimmung“, resümiert Zombik im Gespräch mit MUSIKWoche, „Besonderer Dank gilt Sabrina Setlur, Smudo und Sebastian Krumbiegel dafür, daß sie mitgeholfen haben, auf,Copy Kills Music‘ aufmerksam zu machen.“ Natürlich werde die Industrie parallel zur Kampagne weiter an einem Kopierschutz für CDs arbeiten, allerdings brauche man für ein wirksames System die Unterstützung der Hardware-Hersteller. „Die werden wir kaum bekommen“, so Zombik, „warum sollten sie ihre Brenner unbrauchbar für das machen, wofür sie von den Konsumenten am liebsten genutzt werden?“ Daher steht eine Anhebung der Leermedienabgabe auf dem Wunschzettel der Industrie: Derzeit fällt pro verkauftem Datenträger ein Obulus von zwölf Pfennig pro Stunde Spielzeit für Urheber und Plattenfirmen ab. Eine Regelung, die noch aus den Anfangstagen der MusiCassette stammt.