Computer-Experten zweifeln Napsters Unschuld an

US-Programmierer zweifeln an der Argumentation von Napster im derzeit laufenden Urheberrechtsprozess. Der umstrittene Service könne sehr wohl kontrollieren, welche Dateien die Napster-Nutzer unterteinander tauschen.

Im andauernden Rechtsstreit mit der Recording Industry Association of America (RIAA) hatte der Tauschdienst immer wieder betont, er habe keine Möglichkeit zu kontrollieren, ob illegale Files über den Dienst getauscht werden. Die Anwälte der Firma argumentierten, Napster würde lediglich die Plattform stellen – der Tausch liefe direkt zwischen den Besuchern und damit außerhalb der Napster-Kontrolle.

Der Richterin Marylin Hall Patel, die per einstweiliger Verfügung die veranlasst hatte, warfen die Napster-Anwälte vor, sie verstünde nicht, wie Napster funktioniere. Anders die Berufungsrichter, denen die Argumentation der Verteidiger offenbar einleuchtete. So stellte sich etwa Richter Robert Beezer, der Ende Juli die einstweilige Verfügung gegen den Dienst , die Frage: „Wie kann man von Napster erwarten, dass sie wissen, was vom Computer eines Kids in Hackensack, New Jersey, nach Guam übertragen wird?“ Richterin Mary Schroeder stellte zudem fest: „Napster weiß zu keinem Zeitpunkt, was übertragen wird und was nicht.“

Das US-Magazin „Inside“ zitiert nun eine Reihe von Programmierern, die mit der Software vertraut sind und selbst bereits Napster-Klone entwickelt haben. Sie widersprechen den Behauptungen von Napster, eine Kontrolle über mögliche Urheberrechtsverletzungen sei unmöglich. So erklärkte einer der Programmierer gegenüber „Inside“: „Napster weiß, wer was mit wem tauscht, und sie könnten es blockieren.“ Anhand des sogenannten MD5-Hash könne Napster jede einzelne Datei eindeutig identifizieren. Dabei handelt es sich um eine Art digitalen Fingerabdruck des Files, den Napster auf seinen Servern speichert. Napster nutzte diese Funktion ursprünglich, um abgebrochene Downloads später wieder fortsetzen zu können. Da diese „Resume“-Funktion aber nie richtig funktioniert habe, hätte man sie bereits nach kurzer Zeit wieder eingestellt, erklärte der Dienst. Die Experten gehen aber davon aus, dass eher juristische Gründe für das Ende der „Resume“-Funktion gesorgt hätten, da sie just zu dem Zeitpunkt entfernt wurde, als Anwälte der RIAA auf die dadurch enstehenden Kontrollmöglichkeiten hingewiesen haben.

Weiter erklärte Napster, auch trotz des MD5-Hash sei es nicht möglich, alle illegalen Stücke zu kontrollieren, da eine Auswertung von Abermillionen Files nicht durchführbar sei. Auch hier widersprechen die Experten: Tatsächlich sei es nämlich so, dass nur die wenigsten Napster-Nutzer ihre Files selbst anlegen, vielmehr würden immer wieder dieselben Dateien weiterkopiert. Deswegen bliebe auch die Zahl der MD5-Hash-Codes in einem überschaubaren Rahmen und wäre durchaus kontrollierbar.

Dass die Aussagen der Progammierer Einfluss auf die kommenden Entscheidungen der Gerichte im Napster-Fall haben wird, halten Beobachter für sehr wahrscheinlich. Sollte zu beweisen sein, dass die Firma im Stande gewesen wäre, die illegale Verbreitung von Musikdateien zu verhindern, erwartet Napster wohl eine weitere Prozesswelle mit drastischen Schadensersatzforderungen.