Charts: Anton aus Tirol statt Jörg aus Kärnten

Mit „Anton aus Tirol“ schwappt die Austria-Spaßhitwelle jetzt auch nach Deutschland über. Im Trend liegen auch Crossover von den Guano Apes, dunkle Dance-Sounds von Hypetraxx und Rock-Poesie von Lou Reed.

Die deutschen Plattenkäufer pfeifen auf Empfehlungen der EU, die bilateralen Beziehungen zu Österreich ruhen zu lassen. Stattdessen hieven sie durch massiven Kauf der Single „Anton aus Tirol“ von Anton feat. DJ Ötzi eine Produktion Marke „Made in Austria“ auf Platz eins der deutschen Singles-Charts. In Österreich ist der Stimmungshit aus den Skihütten bereits seit 36 Wochen in den Charts, davon insgesamt acht Wochen lang auf Platz eins. Auf Rang neun der deutschen Singles-Charts rangieren die Guano Apes mit „Big In Japan“. Für die Crossover-Rocker ist es bereits die dritte Single in den Top Ten nach „Open Up Your Eyes“ (1998 auf fünf) und der Rollbrett-Hymne„Lords Of The Boards“ (im gleichen Jahr auf zehn). „Big In Japan“ ist die dritte erfolgreiche Single-Auskopplung aus dem Coverversionen-Album „Pop 2000 – Das gibt’s nur einmal“. Zuvor standen aus dieser Kollektion schon die Nena-Adaption „Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann“ von Jan Delay a.k.a. Eißfeldt feat. Dennis Dubplate (Platz zwei) und Herbert Grönemeyers Neubearbeitung des Trio Hits „Da da da“ (Platz 54) in den Charts. Mit der Originalversion von „Big In Japan“ verbuchte Alphaville 1984 eine Nummer eins. Seinem Credo, Club-Cracks aus dem Dance-Bereich in höhere Charts-Regionen zu bringen, wird das Label Overdose mit dem Titel „The Darkside“ von Hypetraxx gerecht, der derzeit Platz zwölf einnimmt. Seinen größten Coup landete Overdose 1998 mit „Protect Your Mind (Braveheart)“ von DJ Sakin & Friends auf Platz drei. Höchster Neueinsteiger in den deutschen Longplay-Charts ist Lou Reed mit „Ecstasy“ auf Rang 24. Höhere Platzierungen erreichte der Rockpoet lediglich mit den Alben „New York“(1989 auf 18) und „Set The Twillight Reeling“ (1996 auf 18). Die Avantgarde-Rock-Combo Einstürzende Neubauten erreicht mit „Silence Is Sexy“ auf Rang 28 die bisher höchste Position überhaupt. Bislang erfolgreichstes Album der Band um Blixa Bargeld war 1993 „Tabula Rasa“ mit Platz 38. Gleich zwei Charts-Alben von Virgin tragen den Namen ihrer Plattenfirma im Titel. So findet sich auf Platz 65 And One mit „Virgin Superstar“, und auf Platz 96 ist Air mit dem Soundtrack zu „The Virgin Suicides“ vertreten. Andere Tonträger- oder Vertriebsfirmen hätten es sicher begrüßt, wenn auch ihre Künstler diesem Beispiel gefolgt wären. So hätte Santana statt mit „Supernatural“ sicher auch mit dem Titel „SuperAriola“ triumphiert. Die Neubauten hätten mit „Zomba Is Sexy“ die Verbindung zu ihrem Vertrieb inniger demonstriert, und Macy Gray hätte mit „On How Epic Is“ ihrem Arbeitgeber noch mehr Freude gemacht.

Deutsche Charts der 90er Jahre Interpreten mit den meisten Titeln in den Top 100 Longplay

Die Flippers 15 Titel Prince (Symbol/The Artist) 15 Titel Kastelruther Spatzen 14 Titel Placido Domingo 13 Titel Luciano Pavarotti 13 Titel Peter Maffay 12 Titel Wolfgang Petry 12 Titel Roger Whittaker 12 Titel Rolf Zuckowski 12 Titel Queen 11 Titel Joe Cocker 11 Titel Blue System 11 Titel Howard Carpendale 10 Titel Udo Lindenberg 10 Titel Nena 10 Titel Mike Oldfield 10 Titel Die Ärzte 10 Titel Die Schlümpfe 10 Titel The Rolling Stones 10 Titel