Carl Carlton: Zurück zu den Wurzeln

Der Gitarrist und Songwriter Carl Carlton, der bereits mit Musikern wie Herman Brood, Mind de Ville und Manfred Mann zusammenarbeitete, hat sich mit seinem Solodebüt, „Revolution Avenue“ (EMI Electrola/EMI Music, Best.-Nr.: 5 32389 2), einen lange gehegten Traum erfüllt.

In Louisiana, in den renommierten Dockside Studios, hat er die Platte aufgenommen und dazu eine Schar profilierter Kollegen eingeladen. „Wir lebten dort dreieinhalb Wochen fast wie in einem Feriencamp, haben gemeinsam aufgenommen, alle in einem Raum. Dazwischen sind wir mit dem Boot öfter in die Sümpfe rausgefahren und haben abends gegrillt. Einige von uns hatten ihre Familien dabei, und es war richtig familiär“, erzählte Carlton.

Als Songdogs firmieren die Musiker, die mit Carlton seine Songs analog auf 24 Spuren einspielten: Slidegitarrist Sonny Landreth aus Louisiana, Ian MacLagan (Stones, Small Faces) an den Keyboards, Schlagzeuger Levon Helm (The Band), Gitarrist Gary „Moses Mo“ Moore und Bassist Jerry „Wizzard“ Seay (beide Mother’s Finest) sowie seine langjährigen Weggefährten Bertram Engel (Schlagzeug) und Pascal Kravetz (Keyboards). Dazu steuerte Garth Hudson von The Band nachträglich ein paar Overdubs bei.

„Back To The Roots hieß das Motto; das galt für die Aufnahmen wie für die Musik – es ist erdiger Rock’n’Roll, bei dem auch meine Einflüsse wie die Rolling Stones oder die Musik aus New Orleans durchklingen. Robert Palmer hat mich immer wieder in den Hintern getreten, das Album endlich fertig zu machen. Ebenso mein Freund Ronnie Wood, der auch zwei Songs beigesteuert hat.“

Auf seine Solokarriere will sich Carlton vorerst konzentrieren, nachdem er das Album kürzlich auch bei der TV-Show „Geld oder Liebe“ mit Jürgen von der Lippe präsentiert hat. „Das hat jetzt erst einmal Vorrang vor der Arbeit mit Peter Maffay“, meint der gebürtige Friese, der sich als Begleitmusiker von Maffay, Lindenberg oder Niedecken in Deutschland und durch seine Arbeit mit Robert Palmer, Willy de Ville, Manfred Mann oder Hermann Brood auch international einen Namen erspielte.

„Ich hatte das Album zunächst mal für mich gemacht, umso mehr hat es mich gefreut, dass EMI auf mich zugekommen ist, die CD herausbringen wollte und sich nun auch sehr dafür engagiert.“ Carltons Ausblick: „Jetzt gehen wir Ende April erst einmal auf eine kurze Tour, wobei mich einige der Musiker begleiten werden, die auch im Studio mit dabei waren.“

Carlton macht also genau das, worum sich die Platte inhaltlich dreht: das dauernde Unterwegssein, das Getriebensein als Musiker und die Suche nach einem Zuhause, das er mit Lebensgefährtin Natascha, die das „Revolution Avenue“-Cover gemalt hat, durch Vermittlung von Ron Wood mittlerweile in Dublin gefunden hat. „Dort haben wir auch eine Club-Band namens The Sofas – wir spielen immer sonntags um die Mittagszeit in einem Pub.“ Da sei schon mal The Edge von U2 anwesend oder die Hothouse Flowers: „Wer Zeit und Lust hat, kommt vorbei und spielt mit.‘