„Bravo Hits“ und die Brenner

Hamburg (üd) – Die Compilations-Reihe „Bravo Hits“ ist unangefochten die erfolgreichste Marke im deutschen Tonträgermarkt. Was die Macher allerdings weniger freut: Der Rolls Royce unter den Hit-Kopplungen erfreut sich gerade auch bei den Nutzern von CD-Brennern enormer Beliebtheit.

Erst in der vergangenen Woche bewies die „Bravo Hits“-Serie erneut ihre Attraktivität: Die 27. Veröffentlichung der Reihe, diesmal im Vertrieb von Polymedia/Universal, debütierte wie gewohnt aus dem Stand auf Platz eins der deutschen Compilations-Charts. Aber die hitgetränkte Kopplungsreihe, die im Joint-Venture-Verbund veröffentlicht wird, ist nicht nur in den Plattenläden ein Renner, sondern auch in privaten Wohnräumen, in denen PCs mit Brennerlaufwerken oder CD-Recorder zu finden sind. Das steht jedenfalls für Thomas Schenk fest, der als Geschäftsführer von Warner Special Marketing die Hitserie ins Leben gerufen hat: „Das CD-Brennen bereitet uns möglicherweise weit mehr Kopfschmerzen als anderen, denn,Bravo Hits‘ ist vor allem in der jugendlichen Zielgruppe beliebt und damit prädestiniert für den Schwarzhandel auf dem Schulhof.“ Schenk und sein Team sind sich sicher, daß das CD-Brennen mehr als nur ein harmloses Ärgernis ist: Sie gehen mittlerweile davon aus, daß pro Ausgabe zwischen 100.000 und 200.000 Einheiten der „Bravo Hits“ weniger über die Ladentische gehen, weil die bereits verkauften CDs eifrig gebrannt werden. Und Schenk hat ein Indiz, das diese Beobachtung stützt: „Das Doppelalbum,Bravo Hits 26′ hat sich auffällig gut verkauft“, so der WSM-Chef, „und das hat sicher an der effizienten Kampagne, der guten Titelauswahl und dem attraktiven Cover gelegen. Nicht zuletzt aber auch daran, daß es in den Schulferien in den Handel kam und den Schwarzbrennern ihr wichtigster Absatzmarkt fehlte. Wer diese,Bravo Hits‘ wollte, mußte sie sich also im Laden kaufen.“ Zudem könnte WSM in diesem Fall der Zufall in einem weiteren Punkt zur Hilfe gekommen sein: Folge 26 hatte laut Schenk eine außerordentlich lange Spielzeit, weshalb viele ältere CD-Brenner aufgrund der großen Datenmenge keine Kopien erstellen konnten. „Wirksame Schutzmechanismen für CDs fehlen derzeit noch“, räumt Schenk ein, „aber die gesamte Industrie sollte mit Hochdruck an ihrer Entwicklung arbeiten. Wir zumindest tun es.“ Bis es soweit ist, wolle man wenigstens künftige Compilations so voll wie möglich bepacken, und so zumindest einigen einen Strich durch die Rechnung machen.