Bertelsmann AG habe einen strategischen „One-Two Punch“ im Bemühen gelandet, die Marktführerschaft im globalen Musikbusiness und im Medien-E-Commerce zu erlangen, erklärte Konzernchef Dr. Thomas Middelhoff in einem internen Memo an seine Mitarbeiter. Diese Links-Rechts-Kombination sieht zuerst einen Kredit für Napster in mittlerer zweistelliger Höhe vor. Danach will Bertelsmann Anteile an dem Dienst erwerben und BMG Entertainment seine Klage zurück ziehen.
Im Gegenzug erhält Bertelsmann Zugang zu den Kundendaten von derzeit rund 38 Millionen Napster-Usern. Unklar blieb bislang, ob die Wandelschuldverschreibung, mit der die Tauschbörse ihr Geschäftsmodell auf ein legales Fundament stellen soll, in Dollar, Euro oder D-Mark ausgestellt wird. Unstrittig ist hingegen, dass bei Napster Musik künftig nur noch gegen Bezahlung im Abonnement zu haben sein wird. Es sei denn, Rechteinhaber mit sind mit kostenlosen Angeboten einverstanden. Bertelsmann-intern gilt als sicher, dass das neue Businessmodell von Napster auf drei Säulen ruhen wird: Es wird weiterhin ein kostenloses Angebot zu Promotionzwecken geben. Daneben soll ein Abo-Service mit voraussichtlich monatlicher Gebühr entstehen. Zudem soll es auch die Möglichkeit geben, einzelne Titel gegen Bezahlung zu erwerben.
Ein interessantes, aber nicht zu übersehendes Detail beim Bertelsmann-Napster-Deal ist die Tatsache, dass nicht BMG Entertainment den Kredit gewährt und die Option auf eine gesellschaftsrechtliche Beteiligung erhält, sondern die Bertelsmann eCommerce Group (BeCG) unter der Leitung von Andreas Schmidt. Schmidt war es laut Middelhoff auch, der die Allianz mit Napster aushandelte. Dies ist ein klares Anzeichen für die Dreiteilung der Geschäfte, die sich im Konzern immer stärker durchsetzt.
Neben den Bereichen Druck & Services und Content (unter anderem G+J, RTL Group und BMG) gewinnt die Abteilung Direct to Consumer immer mehr an Bedeutung. Dort ist neben dem Buchklub auch die BeCG angesiedelt, zu der in Zukunft auch Napster gehören könnte. Doch innerhalb des Konzerns ist man sich einig: Ohne die Mitwirkung der anderen Plattenfirmen gilt das Experiment mit Napster als gescheitert.
Bislang ist das Echo auf die Einladung zur Mitwirkung jedoch eher mäßig, wie die von MUSIKWoche zeigen
der sack voll geld…
… auf dem Bertelsmann laut Vorstandschef Middelhoff sitzt, ist kaum leerer geworden nach dem Kredit, den man Napster gewährt. Um die 50 Millionen Dollar erhält die umstrittene Tauschbörse aus dem 30-Milliarden-Dollar-Säckel des Medienkonzerns. Peanuts also für die Bertelsmänner. Aber nicht für die Herren Fanning und Barry von Napster. Der 19-jährige Firmengründer und der CEO, der das Unternehmen seit dem Einstieg eines Venture-Capitalisten leitet, mussten befürchten, dass ihnen dank des medienwirksam platzierten Urheberrechtsprozess bald die Puste ausgehen würde.
Die Investoren waren verstört und das Klima für alle anderen (auch legalen) Projekte der Musik-New-Econmy gründlich verpestet. Nun also kommt der reiche Onkel aus der alten Welt/der Old Economy und öffnet Napster die Tür zum Club des Big Business. Ob sich Bertelsmann auch die Tür zur eingeschworenen Netzgemeinschaft aufstößt, die so sehr die kostenlosen Angebote von Napster und Konsorten schätzt, bleibt abzuwarten.
Shawn Fanning und Hank Barry werden nun schnell ihre Plattform in ein legales Geschäft umwandeln, um so einem Schuldspruch der US-Justiz zuvor zu kommen. Bislang gibt es nämlich noch keine Anzeichen dafür, dass die versammelte Industrie unter dem Dach der Recording Industry Association of America (RIAA) ihre Klage zurück ziehen wird.






