Für eine Plattenproduktion 150.000 Mark auszugeben, findet Gitarrist Kurt Ebelhäuser einfach „doof“, statt teurer Marken-Effektgeräte nutzt er lieber handgemachte Eigenlötungen. Die selbstauferlegten Beschränkungen von Blackmail erinnern ein wenig an die Filmgruppe Dogma um den dänischen Regisseur Lars von Trier. Mit wenig Geld und vielen Ideen gelingen den einen wie den anderen Aufnahmen, die vor allem authentisch sind.
Der Klang von „Bliss, Please“ (Speicherstadt/TIS/WSM), dem dritten Longplayer der Koblenzer Noise-Rocker, ist dabei keineswegs minderwertig, er passt perfekt zu ihrem Stil, irgendwo zwischen Oasis, Nirvana und The Jesus & Mary Chain.
Koblenz ist nicht gerade für klangvolle musikalische Großtaten bekannt, abgesehen von Modern-Talking-Sänger Thomas Anders hat es kaum ein Bürger der 100.000-Einwohnerstadt bisher zu musikalischen Ehren gebracht. Seit Ende der 90er Jahre ist ein Kreis von zehn Freunden dabei, das zu ändern. Neben Blackmail haben auch Dazerdoreal und Scumbucket eine Reihe äußerst hörenswerter Alben vorgelegt. Alle drei Bands sind personell eng miteinander verflochten.
Innerhalb der Gruppe gab es eine erregte Diskussion, ob es sinnvoll war, eine CD mit 60 Minuten Spielzeit herauszubringen. „Ich hätte,Bliss, Please“ kürzer gemacht“, erklärt Sänger Aydo Abay, „45 Minuten empfinde ich als normal. Hätten wir vier Songs rausgeschmissen wäre die Scheibe knackiger geworden. Allerdings ist es bei den Preisen heutzutage auch ganz nett, wenn eine Band sechzig Minuten abliefert und der Hörer sich dann seine Rosinen herauspicken kann.“
Doch dem ambitionierten Quartett geht es um mehr als nur Alben zu veröffentlichen: „Uns geht es um nichts geringeres als die Veränderung des Musikmarktes“, erläutert Ebelhäuser. „Wir wollen mit eigenen unverfälschten Ideen die Charts aufrollen, damit die Industrie merkt, dass sich auch ansprechende Musik an den Mann bringen lässt.“
TIS unterstützt die Veröffentlichung mit Anzeigen in „Intro“, „Visions“, Rolling Stone“, „Hammer“ und „Westzeit“. Die Band startet ab April eine dreiwöchige Clubtour durch Deutschland und spielt anschließend bei „Rock am Ring“ und „Rock im Park“.






