Auf die nächsten 30 Jahre mit der ‚ZDF-Hitparade‘

Seit drei Jahrzehnten hält die „-Hitparade“ äußerst erfolgreich die Flagge des deutschen Schlagers hoch, zuerst mit dem Moderator Dieter Thomas Heck, dann mit Victor Worms und Uwe Hübner. In diesem Jahr wird die 350. Sendung ausgestrahlt – Zeit für eine Bestandsaufnahme. MUSIKWoche fragte Künstler zum Jubiläum nach ihren Eindrücken, Wünschen und Erinnerungen.

Peter Plate, eine Hälfte des Duos Rosenstolz, zeigt keine Berührungsängste: „Solange ich denken kann, gibt es die Hitparade. Sie ist ja fast so alt wie ich. Daß wir damals mit,Herzensschöner‘ gewonnen haben, war für uns der Hammer. Ob wir in diese Sendung passen? Musik paßt überall hin, deshalb werden wir immer dort auftreten, wenn wir dürfen. Wir richten aber unsere Karriere nicht nach der,Hitparade‘ aus.“

Claudia Jung zeigt sich dankbar, daß sie dank Uwe Hübner am Ziel ihrer Träume ist: „Die,Hitparade‘ war für mich von jeher etwas Besonderes, hatte immer Kultcharakter, und es wundert mich nicht, daß sie jetzt ihr 30jähriges feiert. Wenn ich zurückdenke, wie ich als kleines Kind die Sendung sah und dachte, das möchte ich auch mal machen, ist ein Traum für mich wahr geworden. Denn ich verdanke es Uwe, daß ich die Chance bekam, in der,Hitparade‘ zu singen. Dieter Thomas Heck und Victor Worms wollten mich nicht. Erst Uwes vehementer Einsatz ermöglichte es mir, aufzutreten. Ich wünsche Uwe Hübner weitere 30 Jahre. Natürlich respektiere ich, daß sich jeder Mensch verändern möchte, aber ich sähe es gerne, wenn er uns so lange wie möglich erhalten bleibt. „

Für Nicole ist der Live-Charakter der Show wichtig: „Auf diese Sendung kann man auch nach drei Jahrzehnten noch stolz sein. Es ist eine der wenigen, in der man noch live singen darf, was man als Künstler in anderen Shows sehr vermißt. Meiner Karriere hat die,Hitparade‘ jedenfalls sehr gut getan. An eine witzige Episode erinnere ich mich auch: Ich hatte mir einmal drei Röcke übereinander angezogen. Als ich dann gewann, riß ich mir einen Rock vom Leibe und stülpte ihn Uwe Hübner über den Kopf. Denn man darf bei aller Ernsthaftigkeit seinen Humor nicht verlieren.“

Gitte Haenning offenbart gemischte Gefühle: „Die,Hitparade‘ war immer eine sehr wichtige Sendung, von der man kommerziell profitieren konnte. Ich erinnere mich an meinen ersten Auftritt. Alles war sehr verschwitzt, alles wirkte auf mich sehr vulgär. Auf jeden Fall war viel Energie vorhanden. Alle Plattenfirmen hofften auf Erfolg für ihre Künstler. Das Makabre für mich – ich hatte bereits im Alter von zehn Jahren live gesungen – war, daß ich eine Marionette sein mußte, denn es war ja schon marionettenhaft, kurz für drei Minuten auf- und wieder abzutreten. Ich hielt das für eine Farce, fand die,Hitparade‘ furchtbar und habe schrecklich gelitten. Sicherlich sollte eine Sendung wie die,ZDF-Hitparade‘ erhalten bleiben, aber sie hat eine neue Form verdient. Es kann doch nicht sein, daß die junge Generation das gleiche Konzept wie vor 30 Jahren mag. Ich weiß, daß Uwe Hübner eine neue Form kreiert und auch neue Ideen hat, um den jungen Künstlern eine Chance zu geben, sich ehrenhafter zu zeigen und nicht mehr nur als Marionetten. Das ist doch etwas Gutes.“

Für Patrick Lindner schließlich ist die,Hitparade‘ schlicht und einfach ein Muß. „Ich bin damit aufgewachsen und war immer ein großer Fan dieser Sendung. Nie dachte ich, daß ich selbst einmal auf dieser Bühne stehen würde. Als ich vor zwei Jahren dreimal hintereinander den ersten Platz belegte, wußte ich, daß mein Wechsel von der Volksmusik zum Schlager endgültig gelungen war. Darüber hinaus ist die Grenze zwischen Schlager und volkstümlichem Lied ohnehin sehr durchlässig geworden.“