Anarcho-Gruppe als Werbe-Gag

Auf der diesjährigen Popkomm. störte eine Gruppe lautstark demonstrierender Jugendlicher mehrere Veranstaltungen und stiftete allerorts Verwirrung. Nun ist geklärt, was hinter der ominösen „Gruppe Zwei“ steckt: die Kampagne zum neuen Programm von VIVA2.

Bereits beim Medientreff in der Flora am 13. August bleuten die sogenannten G2-Aktivisten der versammelten Branchenprominenz ihre Parolen mit Hilfe eines Megaphons ein. Auch die Telemesse in Düsseldorf wurde „Opfer“ der schwarzgekleideten Störenfriede. Am 1. September besetzten Mitglieder der Gruppe Zwei schließlich die Eingangsbereiche der Plattenfirmen in ganz Deutschland.

Anfänglich aufrührerisch wirkende Sprüche wie „Der Kampf gegen den Spießer-Pop hat begonnen!“ oder „Gegen das Mittelmaß. Der Tag der Pop-Befreiung kommt!“ entpuppten sich in den letzten Tagen allerdings als reiner Marketing-Gag der On-Air-Promotion-Abteilung und der Agentur Boros, die den Auftritt des Musiksenders Viva2 konzipierten.

Anlaß für die marktschreierische Kampagne ist das neue Programm von Viva2: Der Sender, der seine Zuschauer bei Musikfans ab 18 Jahren findet, will mit neuen Sendungen und neuen Moderatoren das Musikfernsehen von morgen gestalten. „Viva2 wird mit seinem polarisierenden Programm in einer von mut- und emotionslosen Mainstream-Konzepten überfluteten deutschen Fernsehlandschaft noch stärker Akzente setzen“, sagte Dieter Gorny, Geschäftsführer von Viva Fernsehen, auf einer Pressekonferenz am vergangenen Montag. „Wir werden den Sender zum Marktführer im Musikfernsehen in der Zielgruppe zwischen 18 und 29 Jahren machen.“

Dazu sollen sowohl neue Sendeformate wie „Deep“, „2 New“, „Noon“, „Kamikaze“ und „Popp TV“ sowie die neuen Moderatoren Charlotte Grace Roche, Patrick Sommer, Henning Wehland, Herbert Sinko und Niels Ruf beitragen. Entscheidend prägen soll Viva2 jedoch die Musikauswahl: Frech, respektlos und provokant soll sie sein, und die verschiedenen Strömungen abseits der Charts widerspiegeln.

Als Hinweis für die Zuschauer, daß Viva2 seine Wandlung zum Trendsetter abgeschlossen hat, sendete der Clipkanal am 7. September einen Tag lang ein auf den Kopf gestelltes Programm: 24 Stunden lang waren alle Sendungen um 180 Grad gedreht auf dem Bildschirm zu sehen.

Beim Mitbewerber MTV in Hamburg sieht Geschäftsführerin Christiane zu Salm die Bemühungen von Viva2 gelassen: „Stell‘ Dir vor, es ist Revolution, und keiner sieht zu. Sie können das Programm drehen und wenden, wie Sie wollen, davon wird es auch nicht besser.“