16. Winter Music Conference in Miami: Dance-Welt wandert von Miami nach Amsterdam

Vom 24. bis zum 28. März besuchten 6500 Teilnehmer die Winter Music Conference – einst der wichtigste Dance-Treffpunkt des Jahres. musikwoche.de fragte bei führenden deutschen Dance-Männern nach, ob Miami diesen Status noch innehat.

Markus Wenzel, Geschäftsführer Superstar Recordings, entschied sich nach den Erfahrungen der letzten Jahre, nicht über den großen Teich zu jetten: „Wir waren dieses Jahr nach langer Zeit erstmals nicht dabei, denn der Nutzen steht in keinem Verhältnis zu den Preisen, die vor allem durch den aktuellen Dollar-Kurs entstanden sind. Zudem hat vor allem das Amsterdam Dance Event, wo ich von Anfang an dabei war, im letzten Jahr einen Quantensprung gemacht. Und auch die Midem ist natürlich ein Klassiker, auf der wir viele Titel lizenzieren konnten. Durch die Zusammenlegung mir dem dortigen Spring Break ist Miami zu dem Zeitpunkt leider hoffnungslos überfüllt. Und wenn wir ehrlich sind – ohne das sommerliche Miami als Veranstaltungsort wäre bei der Winter Music Conference nur halb so viel los.“

Diese Einschätzung teilt Axel Lünebach, Labelmanager Fuel bei eastwest, nicht. Er hat vor Ort wie schon in den vergangenen Jahren Sommerhits gehört: „Ich denke, eine House-Version von,Electric Avenue‘, dem Klassiker von Eddy Grant, wird sich dieses Jahr überall weit oben platzieren. Miami ist nach wie vor ein idealer Ort, um Themen vorzupromoten. Man kann hier hervorragend White Labels streuen, die durch die Parties auch sehr schnell zu Gehör kommen. Zudem haben wir unsere eigenen Sachen sehr gut weiterlizenziert. So konnten wir etwa unser eigenes Projekt Sono weltweit signen. Und auch die Gemeinschaftsproduktion von Boris Dlugosch und Towa Tei sowie ein Track von Mogwai, der jetzt bei eastwest veröffentlicht, erzielten sehr gute Reaktionen. Allerdings hat sich das Geschehen vom Pool verlagert in die Hotels und Bars.“

Diesen Punkt kritisiert auch Dirk Dreyer, Senior A&R Manager Dance Division: „Alles liegt sehr weit auseinander. Man muss sich alle Treffs in den Hotels selber organisieren. Zudem waren in den letzten Jahren zu viele amerikanischen Dotcoms präsent, die bei uns keine Bedeutung haben. Das Amsterdam Dance Event ist jedoch die beste Messe von allen. Hier habe ich immer einen Hit gesignt, auf der Midem öfters, in Miami aber noch nie.“

Das bestätigt auch Kontor-Chef Jens Thele: „Es gab dieses Jahr keine Hits. Für Promotion ist Miami aber hervorragend. Inzwischen haben wir auf eine Akkreditierung verzichtet, denn am Pool, wo man nur mit Badge hinkommt, trifft man eh keinen mehr.“

Neffi Temur, Head of A&R/Marketing Urban, machte eine stilistische Beobachtung: „House-Musik ist nach wie vor das dominante Thema in den Clubs, und das nicht nur im Underground, sondern auch generell. Denn House ist eine Musik, die leicht zu konsumieren ist und überall funktioniert. Neues mitgenommen haben wir nicht, denn die wichtigsten neuen Signings haben wir bereits im Januar auf der Midem unter Dach und Fach bekommen.“

Stefan Friedrich, Product Manager Dance/A&R WEA, hat ebenfalls keinen vergleichbaren Hit gehört wie Spillers „Groovejet“ im vergangenen Jahr. „Viele Sachen sind überhyped. Die echten Hits entstehen dann später in den Clubs von Ibiza. Und das heiße Klima mit den kalten Klimanlagen birgt so manche Gefahr: Viele kamen zwar braun, aber mit einer Grippe zurück.‘