musikwoche: Wo würden Sie das neue Album im Bap-Kanon einordnen?
Wolfgang Niedecken: Wenn man so glücklich ist mit einem Album, wie wir jetzt mit „Sonx“, dann neigt man dazu, Sätze zu formulieren mit „noch nie“, aber es ist wirklich so: Das, was wir auf dieser CD treiben, ist das, was ich mir früher immer gewünscht hätte, dass wir es könnten. Dieses Album greift vom Grundgefühl sehr weit zurück – bis 1980, als wir „Affjetaut“ aufgenommen hatten, aber natürlich nicht so spielen und auch nicht so produzieren konnten, wie wir das heute vermögen. In den Jahren danach wurde alles viel verspielter. Es war einfach eine andere Zeit. Heute leben wir in der Ära nach dem elften September und dem Irakkrieg und auch in der Zeit einer so offensichtlichen Arbeitslosigkeit wie nie zuvor. Wenn ich mit der Straßenbahn in unser Büro fahre, sehe ich, wie sich eine Stadt verändert hat. Alles ist härter geworden, ob sich das nun im Politischen und Sozialen oder auch im persönlichen Umfeld der Band abspielt. Da sind zuletzt Sachen gelaufen, die mich schon enttäuscht haben. Das führte letztlich zu einem Stimmungswandel in der Band und wir merkten, dass wir wieder mehr rocken, wie sich das schon auf unserer letzten Tour und der Live-DVD abzeichnete.
mw: Spielten da auch die beiden Abgänge Jens Streifling und Sheryl Hackett eine Rolle?
Niedecken: Ja, wobei die Gründe für beiden Trennungen komplett verschieden sind. Im vergangenen Jahr haben wir ein paar Konzerte gespielt ohne Sheryl, die zu dem Zeitpunkt andere Engagements hatte. Dabei bemerkten wir, dass wir ohne sie besser auf den Punkt kommen und keine Rücksicht mehr nehmen brauchen auf weiblichen Chorgesang oder Percussion. Das war eine bittere Erkenntnis, da wir sie nach wie vor sehr gern mögen. Aber uns wurde klar, das ist nicht die Richtung, in die wir wollten. Und auch im Studio konnten wir befreiter arbeiten, da wir uns nach drei Stücken ohne Chorgesang nicht mehr schuldig fühlten und nicht mehr wie früher dann ein „ABM“-Arrangement extra für sie schufen. Bei Jens war das anders: Er hat aus wirtschaftlichen Gründen die Band verlassen und ist zu einer Kölschen Karnevalsformation gegangen, die ich nicht besonders schätze. Das war eine massive Enttäuschung. Zudem hat er uns an dem Tag verlassen, als ich mit Bruce Springsteen in Hamburg auf der Bühne stand und „Everybody’s Got A Hungry Heart“ sang, aber innerlich dachte: „Except For Jens Streifling“. Ich habe ihn immer wie einen Kronprinz gesehen und hätte nie gedacht, dass er in rauhen Zeiten von der Fahne geht. Andererseits hat selbst das im Studio einen positiven Effekt gehabt, denn wir brauchten auch die Arrangements nicht mehr an einem Multi-Instrumentalisten auszurichten. Aber er hat einen Haufen Kinder zu ernähren und muss für sich selbst entscheiden. Vielleicht nur noch so viel: Bei uns gab es Gage, da gibt es Schmerzensgeld.
mw: Wie kam es zu diesem direkten, harten Sound auf der CD?
Niedecken: Wir hatten vor zwei Jahren im Studio unseres Bassisten, Werner Kopal, bereits Songs für das Jubiläum von „Zehn Jahre Arsch huh“ aufgenommen, was hervorragend funktioniert hatte. Deshalb haben wir Werner nun erstmals hauptamtlich und in voller Verantwortung zum Produzenten gemacht. Und das war phantastisch: Denn die Band klingt nun so, dass wirklich jeder glücklich ist – und das hat man normalerweise nie.
mw: Besteht nach nun 25 Jahren Bap-Produktionen die Frage, wie man nach all den Platten, die da inzwischen im Regal stehen, Inspiration für einen immer wieder neuen Anlauf findet?
Niedecken: Nein, im engen Kreis stellt sich diese Frage nicht. Da geht es um die Frage, ob man weiterhin so sensibilisiert ist für das, was durch die Luft fliegt, das dann auch verarbeitet und selber das Gefühl hat, das ist ein organischer Prozess, nichts Aufgepfropftes. Denn ich würde wohl wahnsinnig, wenn wir mit zwei Songs ins Studio gehen, die ich okay finden würde, der Rest aber nur Füllmaterial wäre. Andererseits haben wir in der Vergangenheit Alben aufgenommen, bei denen ich von den Songs überzeugt war, aber mich von Produktion und Sound innerlich distanziert habe. Ich habe dann gedacht, wahrscheinlich bin ich ein Steinzeitmensch und moderne Musik muss so klingen. Heute, auch gerade mit einem Album wie „Sonx“ im Rücken, räume ich ein, dass Platten wie „Da Capo“ oder „Ahl Männer, aalglatt“ sehr an den Pop-Geist herangeschmissen waren. Das machen wir heute anders.
mw: Würden Sie sich in diesem Sinne als musikalisch konservativ bezeichnen?
Niedecken: Grundsätzlich stimmt das. Bevor ich etwas wegwerfe, nur weil es nicht dem entspricht, was heutzutage als das Gelbe vom Ei bezeichnet wird, denke ich lange nach. Und ich bin nun einmal 52 Jahre alt, habe den Beatles-Urknall miterlebt und auch danach die Entwicklung des Genres sehr aufmerksam verfolgt. Ich habe ein Kommen und Gehen der Stile beobachtet, die dann irgendwann plötzlich „retro“ genannt werden. Deswegen finde ich auch die ganzen „The“-Bands sehr sympathisch. Gruppen wie die Strokes sind wunderbar – solche Band kann man gern hypen. Das ist in Ordnung, denn jede Generation sollte das Gefühl haben, sie hätte den Rock’n Roll erfunden. Aber mir kann natürlich keiner erzählen, dass sie das alles selber entdeckt hätten, denn das habe ich 1000-mal schon woanders gehört. Aber über diese Debatten stehe ich inzwischen drüber. Meine Helden habe ich ja oft genug genannt. Selbst der Titel unseres Albums rührt auch daher. Keith Richards hat über eine HipHop-Scheibe mal gesagt: „Yeah, that’s okay, but where are the fucking songs?“
mw: Heißt das, dass Sie HipHop ablehnen?
Niedecken: Nein, überhaupt nicht. Ich habe zwei Söhne, die würden fragen, ob ich noch bei Verstand sei, wenn ich das täte. Ich bin sehr glücklich, dass es HipHop gibt, weil dort auch Texte wieder wichtig geworden sind. Die Rapper haben etwas zu sagen und können ihr Lebensgefühl formulieren. Aber ich habe wenig gehört, das tatsächlich hookt. Und ein Song hookt eben.
mw: Haben Sie bereits Niel van Hoff kennengelernt?
Niedecken: Nein, bislang noch nicht. Und auch Udo Lange habe ich erst knapp zwei Wochen vor dem Zeitpunkt, bevor er geschasst wurde, richtig kennen gelernt. Wir waren uns zuvor mal auf einer Präsentation von Joe Cocker begegnet, sind dann aber einen Abend essen gegangen und haben uns ausgetauscht. Und ich kann nur sagen: Udo ist ein sehr angenehmer Musikmann. Ich habe allerdings große Angst, dass wir in Zukunft in der Plattenindustrie nur noch Schweinebauch-Verkäufer haben, denen egal ist, womit sie handeln. Das ist eine Entwicklung, die mich sehr besorgt. Das ist aber nur ein Symptom einer gesellschaftlichen Krankheit.
mw: Udo Lindenberg und Nena haben im vergangenen Jahr im Gespräch mit musikwoche bekundet, dass sie in den Firmen Angst spüren, die jedes kreative Arbeiten lähmt.
Niedecken: Ja, dem muss ich zustimmen. Glücklicherweise haben wir bei der EMI noch einige Leute, die richtig mit uns in der Kurve liegen. Und wir sind dort nun seit 23 Jahren und damit in Deutschland wohl der langlebigste Act der EMI. In dem Haus läuft keiner herum, der länger dabei ist als ich…. Irgendwann kamen dann von Firmenseite all unsere Vertrauten hinzu und zu vielen hat sich eine sehr enge, persönliche Beziehung aufgebaut. Viel mehr Sorgen macht mir, wenn irgendwann der nächste Merger kommt und EMI vielleicht mit Uhu zusammen geschlossen wird. Dann sitzen da irgendwelche Strategen, die überhaupt nichts mit Bap zu tun haben – und für die müssten wir dann ein Album machen. Das wäre wirklich herb.
mw: Sie haben noch mit Helmut Fest und Heinz Canibol zusammengearbeitet. Hat sich seit dieser Zeit etwas geändert?
Niedecken: Es ist nicht schön, diese Umbrüche persönlich mitzuerleben. Auch wenn es bei Helmut, der sich seinerzeit gleichsam privatisiert hat, etwas anderes war als mit Heinz, der damals weggekürzt wurde. Denn er war wirklich ungeheuer beliebt und hat auch für uns sehr viele Sachen ermöglicht, für die ich ihm nach wie vor sehr dankbar bin. Heinz war wirklich ein Traumplattenboss, den ich sofort mit Kusshand wieder nehmen würde. Aber darüber habe ich nun wirklich nicht zu entscheiden…
mw: Steckt hinter diesen Prozessen ein Jugendwahn?
Niedecken: Selbst ich bin nun seit sieben Jahren außerhalb der zu bewerbenden Zielgruppe für irgendetwas. Das ist ein gesellschaftliches Phänomen und wenn man mit denkenden Menschen darüber spricht, ist es eigentlich redundant. Denn jeder weiß, dass diese Entwicklung völlig schwachsinnig ist. Aber in der Realität besteht sie eben. Die gleiche Ambivalenz spiegelt sich auch in der Radiolandschaft wider: Man kommt in eine Redaktion, unterhält sich mit den Leuten, die da sitzen und erfährt, dass sie unser neues Album privat gern auflegen. Aber in die Playlist kommt es nicht – mit der Begründung, unsere Songs würden sich zu sehr von den 30 Songs absetzen, die dort den ganzen Tag zwischen Flensburg und Kufstein laufen.
mw: Ist denn die Radiolandschaft wirklich so schlimm?
Niedecken: 80 bis 90 Prozent der Sender spielen nicht mehr das, was sie für gut halten. Ich hoffe immer noch, dass ich einmal in einem Studio den „Last DJ“ treffe, wie ihn Tom Petty auf seinem letzten Album so schön beschrieben hat: der spielt, was ihm gefällt und nicht nur die Shakiras dieser Welt rauf- und runterjagt. Wie man aus dieser Situation wieder herauskommt, weiß ich allerdings auch nicht. Ich halte dieses ganze Research-Unwesen für bedenklich, denn ich glaube nicht, dass die Leute wirklich nur diesen Dudelfunk haben wollen.
mw: Wie sehen Sie die heutige Entwicklung in der Musikbranche insgesamt?
Niedecken: Die heutigen Plattenfirmen sind Teile von Konzernkonstrukten, die vom eigentlichen Musikbereich hinübergehen bis in die Elektronik- und Hardware-Industrie. Das heißt, auf der einen Seite werden CDs hergestellt, aber im gleichen Konzern gibt es auch die Brenner, die für den Niedergang der Tonträger mitverantwortlich sind. Hier haben die Firmen genauso geschlafen wie bei den Downloads. Als die Download-Technologie entwickelt wurde, hat offenbar keiner daran gedacht, sie so zu entwickeln, dass auch der Urheber von geistigem Eigentum etwas davon hat. All dies hat die Industrie mörder-vermurkst und ausgesessen.
mw: Und warum ist das so?
Niedecken: Das liegt vielleicht daran, dass die Industrie lieber Hardware verkauft, schließlich wächst neue Software immer wieder nach. Da brauchen wir einfach nur bis zur nächsten „Deutschland braucht das Superhuhn“-Veranstaltung zu warten. Schnellschüsse gibt es ohne Ende, die kann man dann bequem entsorgen, dort gibt es keine langfristigen Verträge. Dabei wäre es so wichtig, in Deutschland wieder echte Künstler aufzubauen. Es gab früher jede Menge Bands, die erst drei Alben in den Sand setzen, bevor sie eines machen, das dann verkauft. Und auch wenn sie danach wieder weniger verkaufen sollten, so handelt es sich doch immerhin um eine Strecke von fünf oder sechs Alben. Das ist heute nicht mehr möglich. Die Erfurter Band Anger 77, die wir sehr mögen, hat ein Album gemacht, das nicht gezündet hat, das zweite auch nicht, und dann hieß es: Tschüß, fertig.
mw: Woran lässt sich der Wandel in der Industrie noch festmachen?
Niedecken: An den Budgets. In dem einen Monat, in dem wir im Studio an der Produktion gearbeitet haben, gingen dort Bands ein und aus, um im Nebenstudio aufzunehmen. Und ab und an kamen Musiker zu uns rein und staunten, dass wir tatsächlich mit einem echten Schlagzeug spielten. Dass Musiker zusammen Musik machen, gibt es eigentlich nicht mehr. Das meiste wird in winzigen Studios mit Computer und Synthesizern zusammengefummelt, was für die Firmen natürlich günstiger ist. Deswegen haben sie im Laufe der Jahre die Budgets immer weiter gekürzt, wodurch die Lage immer enger wird. Und selbst wir als Bap stehen natürlich in Konkurrenz zu denen, die es ganz billig hinbekommen. Ich bin jedoch kein Technikfeind und man kann auch mit extrem niedrigen Aufwand oder auch nur einer akustischen Gitarre ein vernünftiges Album machen. Aber das passiert nun mal nicht so häufig. Musiker zusammen geschmackvoll etwas aufnehmen zu lassen, dauert halt länger und kostet auch mehr.
mw: Was für ein Fazit ziehen Sie daraus?
Niedecken: Insgesamt ist alles viel zu kurzfristig gedacht. Ich kenne eigentlich keine andere Branche, auf die der alte Spruch so sehr zutrifft – aber die Musikindustrie sägt im vollen Bewusstsein an dem Ast, auf dem wir alle sitzen.
mw: Würden Sie Herbert Grönemeyer Recht geben, der den Gang an die Börse für den größten Fehler der Industrie hält?
Niedecken: Das war in der Tat unglaublich. Wie kann man mit so etwas wie Musik an die Börse gehen? Es ist schon schlimm, wenn ein Fußballverein an die Börse geht, und auch die Musikindustrie hat dort nun wirklich nichts verloren. Man macht sich von Quartalsberichten und den Aktionären abhängig, die irgendwo in einer Versammlung sitzen und ihre Dividende einstreichen wollen. EMI war zwar seit jeher an der Börse, aber das in Zeiten, als man im Musikbereich noch anders unterwegs war.
mw: Hat Bap jemals überlegt, wie die Toten Hosen oder die Ärzte ein eigenes Label zu gründen, alles selbst zu machen und nur noch einen Vertriebsdeal mit den Majors zu schließen?
Niedecken: Darüber haben wir niemals nachgedacht. Denn wenn man so arbeitet wie wir, muss man sich darauf konzentrieren, dass man als Künstler qualitativ etwas Gutes herstellt. Und ich weiß, dass die Leute in unserem Umfeld sich um den anderen Krempel kümmern. Ich bin keiner, der die Plattenfirmen neu organisiert. Mit dieser Zielsetzung bin ich nie angetreten. Es tut zwar weh, die jetzige Entwicklung mitanzusehen, aber meine Hoffnung liegt darin, dass irgendwann ein radikaler Umbruch einsetzt und eine Gegenkultur einen neuen Umgang und auch neue Medien findet. Aus der Asche wird ein Phoenix aufsteigen, an den wir jetzt noch gar nicht denken.
mw: Wie kam es zu der Parallelveröffentlichung von CD und DVD?
Niedecken: Die wirtschaftliche Situation erfordert, dass man gleichzeitig eine DVD veröffentlicht, denn damit kann man noch ein paar Mark verdienen. Der Vorschlag zur gleichzeitigen Veröffentlichung kam von der Plattenfirma und wir haben natürlich dankend angenommen. Und da wir keine Videos machen, können sich die Sender hiervon auch Bildmaterial entnehmen.
mw: Was hat sich in den 25 Jahren im TV-Bereich für Bap geändert?
Niedecken: Da geht mittlerweile fast gar nichts mehr. Da haben irgendwelche Marktuntersuchungen ergeben, dass Musik in Shows ein Umschaltgrund ist. Deswegen findet sie dort kaum noch statt. Aber auch die Sehgewohnheiten der Leute haben sich geändert. In den 70er oder 80er Jahren war das Interesse für den „Rockpalast“, der für uns immer extrem wichtig war, noch viel größer als heute. Das war sicherlich eine Folge von Viva und MTV, die in meinen Augen inzwischen aber auch zu Zahnspangenfernsehen runtergekommen sind. Gut hingegen finde ich Stefan Raab, weil Musik in seiner Show plötzlich wieder wichtig wird.
mw: In dem Song „Die Welt ess jrausam“ üben Sie Kritik an Musikjournalisten. Stört es Sie, dass Bap aus den Feuilletons verschwunden ist?
Niedecken: Deswegen habe ich den Song nicht geschrieben – und wir sind auch nicht aus den Feuilletons verschwunden! Das Stück erzählt vielmehr aus einer humorvollen Perspektive von all dem, was wir in den Jahren mit diesen speziellen Medienvertretern erlebt haben. Da sind so viele ahnungslose Klugscheißer dabei, die meinen, sie könnten über Musik schreiben. Wenn uns etwa einer des Free-Jazz überführt, wird es so aberwitzig, dass man darüber nur lachen kann. In punkto Medienpräsenz ist Bap allerdings ein merkwürdiges Phänomen. Wir bringen nun seit mehr als 20 Jahren überregional erfolgreiche Alben auf den Markt, die meistens von null auf eins gehen, immer Gold und Platin holen, aber mir ist schon öfters passiert, dass ich selbst dann, wenn ein Album von uns ganz oben stand, auf der Straße gefragt wurde, ob es Bap überhaupt noch gebe. Es ist inzwischen anscheinend normal geworden, dass Bap immer sehr erfolgreich ist, das gibt einfach keine gute Meldung her. Dabei ist es, genaugenommen, eine Sensation: Wir machen unser Ding nach all den Jahren, und zwar immer noch auf kölsch, und sind damit noch immer sehr erfolgreich. Aber diese vermeintliche Normalität gibt natürlich keine News her. Deswegen bin ich dankbar, wenn mal etwas außerhalb der Reihe stattfindet, wie zuletzt beim Ausstieg vom Major, als es in den Blättern rauschte und überall hieß: „Bap am Ende.“ Dann aber kommt das nächste Album raus und geht auf eins. Oder wir machen einen Film mit Wim Wenders – eigentlich auch eine Sensation -, und auch das nächste Album ist schon wieder auf eins und die dazugehörige Musik-DVD wird zur DVD des Jahres gewählt – aber die Leute fragen: „Gibt es eigentlich Bap noch?“ Das ist aberwitzig.
mw: Hat Sie denn geärgert, dass Bap in Trendmedien nie stattgefunden hat?
Niedecken: Bap war noch nie hipp. Und man muss hipp sein, um etwa in der „Spex“ aufzutauchen. Das hat mich nie berührt, im Gegenteil: Über dieses Hipp-sein-Müssen konnte ich immer nur grinsen. All diese deutschsprachigen Bands wie Blumfeld oder die Sterne hingegen wollten und mussten immer hipp sein. Ich schaue sie mir aber an und denke oft, die liegen jetzt eher zwischen hipp und Schlaumeiertheater. Und es gibt auch Bands, die ihre Vorbilder nicht zugeben, aber damit habe ich kein Problem. Wir wollten nie die Auszeichnung für die hippste Band. Denn wir das wollten, wären wir nicht die Kapelle, die wir sind.
mw: Dennoch ist der Medienaufwand, den Bap betreiben, sehr groß.
Niedecken: In einer idealen Welt wäre dieser Sysiphus-Akt von mir nicht mehr notwendig. Das hat im Laufe der Jahre schon gigantische Ausmaße angenommen. Wenn ich aber zuhause bliebe, müsste ich mir beim nächsten Mal vielleicht vorwerfen, dass es nicht mehr funktioniert hat. Und schließlich hat auch Sysiphus etwas davon gehabt, denn bekanntlich kann ja auch der Weg das Ziel sein.








