Sebastian Lipski, aMM: Positiv hervorzuheben ist die Tatsache, dass sich in der Musikindustrie überhaupt etwas tut. Ob und wie eine Preisstaffelung beim Endverbraucher angenommen wird, kann man ohne nähere Informationen noch nicht beantworten. Wie wird der Handel involviert? Was sind die den VKs gegenüberstehenden HAPs? Stehen alle Tonträgerfirmen dahinter? Generell bin ich aber der Meinung, dass der Preis einer Ware nicht unbedingt im Fokus steht, wenn das Produkt an sich stimmt. Und genau da sollte der Weg hin gehen: Qualitätsprodukte. Weg vom ganzen Einheitsbrei und der Produktflut, hin zu neuen und aufregenden Künstlern. Norah Jones oder Katie Melua machen es uns vor: Stimmt die Qualität, wird das Produkt gekauft.
Werner Heiß, Müller: Sinn macht der Preis von 9,99 Euro bestimmt bei Newcomern und weitgehend unbekannten Künstlern. Bei etablierten Interpreten hat es keinen Sinn, die Neuheit gleich zu diesem Preis zu verkaufen. Ramin Bozorgzadeh, Groove Attack: Universal hat in den USA bereits Erfahrung bei einem Preisniveau von zehn Dollar gemacht und konnte keine nennenswerten Absatzzuwächse verzeichnen. Fraglich bleibt darüber hinaus, inwieweit sich eine Staffelung umsetzen lässt: Ein VK von 17,99 Euro mit der Rechtfertigung über Zusatznutzen etwa durch DVD-Extras will überzeugend umgesetzt werden. Denkt man an aktuell gängige Making-Ofs, fragt man sich, ob diese tatsächlich einen solchen Preis rechtfertigen. Eine Vereinheitlichung kann zudem nur bedingt gesteuert werden, da eine Preisbindung nicht möglich ist und unverbindliche Verkaufspreisempfehlungen eben Empfehlungen bleiben.
Michael Huchthausen, GDM: Die Ankündigung von BMG und Sony, die CD-Preise erheblich zu reduzieren, bestätigt unsere Vorschläge und Forderungen anlässlich der Midem 2003. Es ist erfreulich zu sehen, dass man nun den ersten großen Schritt in die richtige Richtung einschlägt. Sinnvoll wäre natürlich, wenn auch die anderen Firmen diesen Weg gingen, um den Musikkäufern eine einheitliche Preisdiversifikation anbieten zu können. Ich rate allerdings dringend an, dass der Handel von Beginn an durch eine intensive Kommunikation in dieses Konzept eingebunden wird. Ein Händlerbeirat würde dazu beitragen, dieses Konzept von Anfang an auf eine breite Basis zu stellen. Alfred Beck, Alive: Grundsätzlich befürworten wir niedrigere Preise, auch weil wir als Indie im Handel leider oft der Spannengeber sind. Unsere Produkte werden mit höheren Aufschlägen bedacht als stark im Preisvergleich stehende Charts-Produkte. Womit wir beim Thema wären. Die charts-relevanten HAPs sollten drastisch gesenkt werden, die Einschränkungen für Bonusmaterial gehören beseitigt. Es sollten die Produkte in den Charts auftauchen, die gekauft werden, egal zu welchem Preis, mit welcher Ausstattung und mit welchem Bonusmaterial. Insgesamt wird mit dem BMG-Vorstoß offensichtlich, dass das Preisthema endlich angegangen wird.
Stefan Weikert, edel: Die Initiative von BMG ist ein interessantes Experiment, das in die richtige Richtung geht. Wir halten viel davon, Konfigurationen mit unterschiedlichen Wertigkeiten und Nutzungsmöglichkeiten anzubieten. Bei edel beschäftigt man sich ja schon intensiv mit neuen Formaten wie Earbooks oder 2-Track-Single. Bei der CD-Billigvariante muss man aufpassen, dass sie nicht den Eindruck verstärkt, unsere Produkte wären leicht zu ersetzen. Dennoch begrüßen wir den Mut zu dieser Neuentwicklung, die wir genau beobachten werden. Sobald eine gewisse Marktakzeptanz da ist, kann edel jederzeit schnell nachziehen.
Michael Engelhardt, Indigo: Ich glaube nicht, dass man dem Endverbraucher klar machen kann, dass er bisher rund sieben Euro nur für Booklet und Inlaycard bezahlt hat. Wie man so ein Produkt etablieren will, ist mir persönlich absolut schleierhaft. Die Vorstellung, unter 200 für zehn Euro pro Stück gekauften CDs gezielt ein Album zu finden, wenn die Angaben nur auf dem Datenträger stehen, ist für mich absurd. Gegen die Brennerpiraterie ist das definitiv kein Mittel: Wer bisher gebrannt hat, wird durch solch eine Maßnahme nicht davon abzubringen sein.
Jörg Heidemann, MDM – mutualism: Im Prinzip ist der Vorstoß super, in der Indie-Szene wird auch schon lange darüber diskutiert. Ob auch bei uns vergleichbare Aktionen anstehen, müssen wir mit den von uns vertriebenen Labeln diskutieren. Eine Staffelung der Preise nach Wertigkeit für unterschiedliche Zielgruppen ergibt einen Sinn, aber nur als Staffelung mit zwei verschiedenen Preisen.






